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Jetzt hat auch Kamenz eine Bücherzelle

In vielen Orten laden bereits ausrangierte Telefonzellen zum Büchertauschen ein - nun auch im Kamenzer Ortsteil Jesau, obwohl es dort etwas anders geplant war.

Von Ina Förster
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Elvira Schirack, stellvertretende Ortschaftsrats-Vorsitzende von Kamenz-Jesau, hatte die Idee für das Bücherstübchen aus dem Urlaub mitgebracht. Gleich neben dem Spielplatz kann jetzt jederzeit Lesestoff getauscht werden.
Elvira Schirack, stellvertretende Ortschaftsrats-Vorsitzende von Kamenz-Jesau, hatte die Idee für das Bücherstübchen aus dem Urlaub mitgebracht. Gleich neben dem Spielplatz kann jetzt jederzeit Lesestoff getauscht werden. © Matthias Schumann

Kamenz. Der Kamenzer Ortsteil Jesau hat jetzt ein "Bücher-Stübchen". Von Weitem könnte man meinen, da steht eine der guten alten Telefonzellen in gelb-schwarzem Design. Doch der Schein trügt. Denn auch wenn es sich bei der neuen Errungenschaft im Dorfkern wirklich um eine ausgediente Telefonzelle handelt, so wird von hier aus nicht mehr angerufen. Stattdessen sollen hier Menschen mit und über Bücher zueinander gebracht werden - und damit Schwung ins Dorfleben von Jesau kommen.

Zugegeben: Die Idee ist nicht ganz neu. Viele Städte und Gemeinden deutschlandweit haben bereits solche Bücher-Tausch-Stationen. Doch für Kamenz ist Jesau nun Vorreiter. Es gibt zwar im Kamenzer Bahnhof ein Bücher-Tischlein, und auch der Schmuck- & Antikladen Barthel bietet in seinen Auslagen unter den Fleischbänken einen lockeren Büchertausch an. Doch so wie in Jesau ist es bislang keiner angegangen.

Trafo-Häuschen konnte nicht genutzt werden

Dabei sollte es ursprünglich gar keine Telefonzelle werden. "Im Urlaub entdeckte ich in einem kleinen Ort ein nicht mehr gebrauchtes Trafohäuschen, das dazu umfunktioniert worden war. Herrlich war es, darin zu stöbern. Drei Bücher traten dann von dort die Reise nach Kamenz an", erzählt Elvira Schirack. So etwas Ähnliches wäre für Zuhause auch ein toller Zugewinn, war sich die stellvertretende Ortschaftsratsvorsitzende sicher.

Sie konnte auch ihre Mitstreiter davon begeistern. So wurde die Idee in den Ortschaftsrat eingebracht und einstimmig als gut und umsetzbar beschlossen. Doch der ursprüngliche Plan, dafür das alte Trafo-Häuschen neben der Jesauer Tankstelle zu nutzen, scheiterte an aktuellen Plänen der Ewag Kamenz. "Leider wird das Elektroverteilerhaus in den nächsten Jahren für die Energieversorgung gebraucht", erzählt Elvira Schirack.

Die Jesauer mussten also umdenken. Bei der Telekom in Berlin konnten sie eine ausrangierte Telefonzelle beantragen. "Gelbe Telefonhäuschen gibt es allerdings nicht mehr. Doch das war egal, da das Häuschen sowieso gestrichen werden sollte", sagt Schirack.

Nach ein paar Monaten wurde eine Telefonzelle aus Berlin geliefert. Ganz umsonst war das gute Stück allerdings nicht. Einige hundert Euro musste der Ortschaftsrat hinblättern. Und auch die Aufstellung kostete noch etwas. "Das Ganze soll Hand und Fuß haben und ordentlich gestaltet werden, damit es ein langes Leben hat", sagt Elvira Schirack.

Bücherzelle steht neben dem Spielplatz

Der Standort am Spielplatz, neben der Infotafel des Ortschaftsrates und in der Nähe von Tankstelle und Bäckerei, wurde mit der Stadtverwaltung abgestimmt, denn ein Teil der Heckenbepflanzung musste versetzt werden. Auch an der Zelle selbst gab es noch einiges zu tun. Die verbliebenen Einbauten mussten weg, und das Häuschen bekam den neuen Anstrich. Außerdem wurden Metallregale in unterschiedlicher Höhe eingebaut.

Ende November wurde die Hecke versetzt und die Plattform betoniert, Borde wurden gesetzt. Am 16. Dezember wurde das Häuschen dann aufgestellt. Ortsansässige Firmen und ehrenamtliche Helfer unterstützten die Aktion.

Seitdem finden gebrauchte Bücher jeden Genres ihren Weg in die Zelle und natürlich auch heraus. Romane, Kinderbücher, Krimis, Kochbücher, Reiseliteratur - alles hat so die Chance auf weitere Leser. Auch Nicht-Jesauer können sich am Büchertausch beteiligen.

"Ich freue mich, dass durch gemeinsames Tun in unserem Ortsteil abermals ein Anlaufpunkt entstanden ist, der allen nützt und unseren Zusammenhalt ausdrückt", fasst Elvira Schirack zusammen.

Auch diese neue Bank unweit des Spielplatzes ließ der Ortschaftsrat Jesau letztes Jahr aufstellen. Ein Grundstücksbesitzer sponserte dafür ein Stückchen seines Landes.
Auch diese neue Bank unweit des Spielplatzes ließ der Ortschaftsrat Jesau letztes Jahr aufstellen. Ein Grundstücksbesitzer sponserte dafür ein Stückchen seines Landes. © Matthias Schumann