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Lage in Libyen weiter dramatisch - UN spricht von über 11.300 Toten

Die Lage in den Überschwemmungsgebieten in Libyen ist weiter katastrophal. Die Vereinten Nationen sprechen jetzt bereits von mehr als 11.000 Toten allein in der Stadt Darna. Unterdessen treffen weitere Hilfslieferungen ein. Auch deutsche Hilfe ist in Libyen.

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Blick auf die Region Darna: Nach Angaben des UN-Nothilfebüros kamen allein in der stark zerstörten Hafenstadt rund 11.300 Menschen ums Leben.
Blick auf die Region Darna: Nach Angaben des UN-Nothilfebüros kamen allein in der stark zerstörten Hafenstadt rund 11.300 Menschen ums Leben. © Hamza Turkia/XinHua/dpa

Bengasi. Eine Woche nach den schweren Überschwemmungen in Libyen herrschen in den Katastrophengebieten furchtbare Bedingungen. In der stark zerstörten Hafenstadt Darna würden noch immer Leichen angespült oder verwesten unter den Trümmern, berichtete der arabische Sender Al-Dschasira. Nach Angaben des UN-Nothilfebüros (OCHA) kamen allein in Darna rund 11.300 Menschen ums Leben. Weitere 10.100 Menschen würden noch vermisst, hieß es in einem am Samstag (Ortszeit) veröffentlichten Bericht. Das UN-Nothilfebüro berief sich bei diesen Zahlenangaben auf Informationen des libyschen Roten Halbmonds.

Den Einsatzkräften und Helfern in dem Bürgerkriegsland bereitet nicht nur die mögliche Ausbreitung von Krankheiten wie Cholera große Sorge, sondern auch Landminen und Blindgänger. Derweil trafen weitere Hilfsgüter ein. Die deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) habe in Kooperation mit den Gemeinden mit der Verteilung von Nothilfe wie Babynahrung, Zelten, Generatoren, Decken und Wasser in den betroffenen Orten Shahat und Bayda begonnen, teilte der deutsche Botschafter in Libyen, Michael Ohnmacht, auf der Plattform X (vormals Twitter) mit. Auch laufe die Aufnahme von Menschen aus Darna. Mindestens 35.000 Menschen haben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO in Darna ihre Unterkünfte verloren.

Auch Tage nach den schweren Überschwemmungen in Libyen sprechen internationale Helfer von einer katastrophalen humanitären Lage im Land.
Auch Tage nach den schweren Überschwemmungen in Libyen sprechen internationale Helfer von einer katastrophalen humanitären Lage im Land. © Ricardo Garcia Vilanova/AP/dpa

Laut der WHO sind bisher etwa 4.000 Todesopfer identifiziert. Der Sturm "Daniel" hatte das nordafrikanische Land am vergangenen Sonntag erfasst. Nahe der besonders betroffenen Stadt Darna brachen zwei Dämme, ganze Stadtviertel wurden ins Meer gespült. Bis zur Katastrophe hatten in der Hafenstadt rund 100.000 Menschen gelebt. Der libysche Staatsanwalt Al-Sedik al-Sur kündigte an, er werde die Verantwortlichen für die Katastrophe vor Gericht stellen. Es sei eine Untersuchung eingeleitet worden, um die Ursachen für den Zusammenbruch der Dämme herauszufinden und "die Täter zu verfolgen".

Libyen ist faktisch zweigeteilt. An der Spitze der Regierung im Osten, wo der Sturm "Daniel" besonders großen Schaden angerichtet hat, sitzt Ministerpräsident Osama Hammad. Seine Regierung bezifferte die Zahl der offiziell registrierten Todesfälle mit Stand Samstagabend auf 3.252. Staatsanwalt al-Sur sagte auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Regierungschef Osama Hammad, dass sich die Ermittlungen auf die für die Instandhaltung der Dämme bereitgestellten Gelder konzentrieren würden. Berichten nach habe es Risse gegeben, die eine Wartung erforderlich gemacht hätten, hieß es.

Rettungsteams suchen weiter nach Opfern.
Rettungsteams suchen weiter nach Opfern. © Yousef Murad/AP/dpa

Das UN-Nothilfebüro erwartet, dass die Opferzahlen noch weiter steigen, da die Such- und Rettungskräfte noch immer nach Überlebenden suchten. Es gibt Sorgen vor möglichen gesundheitlichen Auswirkungen für die Bevölkerung der Stadt. Bis Samstag wurden etwa 150 Durchfallerkrankungen gemeldet. Grund sei verschmutztes Trinkwasser, so der Leiter des Zentrums für Krankheitsbekämpfung, Haidar al-Sajih.

Mit den Tausenden von Vertriebenen, die jetzt unterwegs seien, steige auch das Risiko, mit Landminen und explosiven Kampfmitteln in Berührung zu kommen, die von den jahrelangen Konflikten im Land übrig geblieben sind, erklärte das UN-Nothilfebüro. Die gewaltigen Fluten hätten unter anderem Landminen in andere Gebiete gespült, hieß es unter Berufung auf das Internationale Komitee vom Roten Kreuz. (dpa)