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Keiner will den Niederhof

Die Stadt Heidenau will das Denkmal verkaufen. Eine Idee war schnell passé. Eine andere ist sehr aktuell und könnte Auswirkungen haben.

Von Heike Sabel
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Seit Jahren leer und verfallen: Wer hat eine Idee für das Denkmal Niederhof?
Seit Jahren leer und verfallen: Wer hat eine Idee für das Denkmal Niederhof? © Stadt Heidenau

Es ist nicht schön, liegt direkt an der S 172 und ist ein Denkmal. Drei Gründe, die zumindest auf den ersten Blick nicht gerade für den Niederhof sprechen. Die Stadt versucht, das Ensemble seit einiger Zeit zu verkaufen. Bisher hat offenbar keiner eine Idee, was er mit dem Komplex machen könnte, denn die Stadt preist das knapp 4 000 Quadratmeter große Grundstück immer noch an.

Es soll am Anfang sogar schon mal Interessenten gegeben haben. Ob die Stadt das nur sagte, um das Geschäft anzukurbeln, oder ob sie es tatsächlich gab, ist offen. Jetzt jedenfalls sitzt die Stadt immer noch auf dem Gebäudekomplex. Zu ihm gehören drei Mehrfamilienhäuser, eine Scheune, zwei Anbauten und eine Werkstatt.

Das Gesamtobjekt, dessen Ursprünge bis 1726 zurückreichen, steht seit längerer Zeit leer. Das ist den Gebäuden anzumerken. Sie sind zwar notgesichert, aber stark sanierungsbedürftig, zum Teil ruinös und teilweise eingestürzt. Wer sie wieder nutzen will, muss viel Geld investieren. Dabei muss der neue Besitzer auch einiges beachten, denn es handelt sich um ein Denkmal. Genauer gesagt um ein ehemaliges Rittergut, das später Teil eines Kammerguts war und zum Barockgarten gehörte.

Aus Sicht der Stadt ist heute eine Nutzung für Wohn- oder auch Gewerbezwecke möglich. Dazu würde auch Kultur gehören. Diese Idee gab es dieses Jahr. Sie war aber so schnell vergessen, wie sie auftauchte. Der Pirnaer Stadtrat Walter Matzke (Pirnaer Bürgerinitiativen) brachte den Niederhof als Standort für ein gemeinsames Kulturhaus für Pirna und Heidenau ins Gespräch. Doch zu viel sprach dagegen, als dass die Idee ernsthaft weiter verfolgt wurde. Nun gibt es eine neue Idee, die ernsthafter ist und auch weitreichendere Auswirkungen haben dürfte. Es geht um die Nähe des Niederhofs zur geplanten Bahnstrecke Dresden – Prag. Dafür werden derzeit verschiedene Trassenvarianten untersucht, die teilweise den Bereich des Niederhofs berühren, sagt die Bahn. Eine Variante sieht hier zum Beispiel eine Rangierfläche vor. „Eine konkrete Aussage zum Flächenbedarf kann aber erst nach Festlegung einer Vorzugstrasse und vertiefter Planung erfolgen“, sagt ein Bahnsprecher.

Ob die Bahn das Niederhof-Grundstück selbst kauft, könne derzeit nicht gesagt werden. Dem Verkauf durch die Stadt Heidenau stehe nichts entgegen. Gegen ihn könne nur ein rechtsgültiger Planfeststellungsbeschluss sprechen. Doch der werde in den nächsten Jahren nicht vorliegen, sagt die Bahn. Wie sich diese Möglichkeit auf den Verkauf auswirkt, ist eine andere Frage.

Die Stadt will, dass der Käufer des Niederhofs innerhalb von fünf Jahren investiert und sein Projekt umgesetzt hat. Bis Ende Februar haben Interessenten Zeit, sich zu überlegen, was sie mit den Niederhof machen wollen.