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Pirna

Kinder schicken 160 Päckchen auf Reise

Obwohl Europa zusammenwächst, herrscht auf dem Balkan noch immer bittere Armut. Kinder aus Pirna und Dohna bringen Weihnachtslicht ins Dunkel.

Schleppt gerne für den guten Zweck: Gemeindemitglied Steffi Hauptvogel.
Schleppt gerne für den guten Zweck: Gemeindemitglied Steffi Hauptvogel. © Daniel Schäfer

Schwer sind sie, die Pakete, die Steffi Hauptvogel vom Hauptraum der Adventgemeinde Pirna in den Kofferraum tragen muss. Und viele sind es, so viele, dass neben Hauptvogel noch drei weitere Gemeindemitglieder gekommen sind, alle mit eigenem Auto. Doch, dass die Päckchen so voll sind, zaubert Hauptvogel auch ein Strahlen ins Gesicht. "Früher haben die Leute die Kisten oft nur zur Hälfte befüllt, dann mussten wir den Rest selber mit Süßigkeiten voll machen", sagt die 59-jährige Sachbearbeiterin. Früher, das war in den Anfangszeiten. 

2010 nahm sie zum ersten Mal an der Aktion "Kinder helfen Kindern" der Hilfsorganisation Adra teil. Der Gedanke: Deutsche Kinder geben, was sie nicht mehr brauchen, an Kinder aus Osteuropa, die in bitterer Armut, teils ohne Eltern in Kinderheimen leben. 

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Die Aktion läuft weiter, auch weil die Situation der Kleinsten vor Ort noch immer drastisch ist. Zwar ist in Albanien, wo die Päckchen neben Mazedonien in diesem Jahr ankommen, die Kinderarmut in den letzten Jahren gesunken. 

Kinder betteln, um die Familie zu ernähren

Doch noch immer sind 23 Prozent der unter Fünf-Jährigen unterernährt, 50.000 albanische Kinder müssen nach Informationen von Nichtregierungsorganisationen als Bettler, Wanderarbeiter oder in der Landwirtschaft Geld verdienen. Und das in einem Land, dem die EU 2014 den Status als Beitrittskandidat verliehen hat.

Für Steffi Hauptvogel ist es daher eine Selbstverständlichkeit, zu helfen. Das Argument, dass es auch in Deutschland Kindern schlecht geht, lässt die gläubige Christin nicht gelten. "Wir bekommen viele Sachen, die für die Pakete zu sperrig sind, wie schöne Kinderbücher oder Puppenhäuser. Die geben wir direkt beim Roten Kreuz ab", erklärt sie.

Insgesamt 160 Pakete sind es, die in der Adventgemeinde Pirna darauf warten, den rund 1.700 Kilometer langen Weg in das Land an der Adria zu nehmen. Dafür stellt Adra in Steina bei Pulsnitz einen Lkw zur Verfügung, in den Freiwillige die gesammelten Pakete aus ganz Ostsachsen einladen. 

Bereits am 10. Oktober hat Hauptvogel in der Adventgemeinde Pirna angefangen, jeden Donnerstag Päckchen auszugeben, vergangene Woche war der letzte Termin. 

Gleichzeitig hat Hauptvogel auch den örtlichen Kindergarten "Kunterbunt", den Kindergarten in Dohna und Schulen im Umkreis mit Kisten beliefert und die gefüllten Päckchen wieder abgeholt.

Strikte Regeln für die Zollkontrolle

Dabei herrschen strenge Vorgaben, was in die Kisten darf. Flüssigkeiten wie Hygieneartikel müssen gesondert verpackt werden, Lebensmittel brauchen ein aufgedrucktes Mindesthaltbarkeitsdatum. "Wenn da etwas nicht stimmt, gibt es Ärger mit dem Zoll und dann steht der Lkw", sagt Hauptvogel. 

Ob sich mit den Jahren am Inhalt der Päckchen etwas verändert hat? Ja, meint Hauptvogel. "Mittlerweile kaufen die Eltern mit ihren Kindern auch gerne neue Sachen. Da sieht man dann noch die Etiketten ran." Auch sie selbst kaufe das Jahr über Spielzeug und Kleidung, um es am Ende in ein Paket zu schlichten. 

"Unser höchster Rekord war 2018:  203 Päckchen", sagt Hauptvogel stolz. Obwohl es dieses Mal weniger sind, ist die Mutter einer 27-jährigen Tochter glücklich. Das liegt auch an den schönen Verzierungen, mit denen immer mehr hilfsbereite Kinder die Pakete verzieren. Das Kreativste von ihnen wird von Adra sogar ausgezeichnet. 

Mehr Infos zur Aktion auf der Homepage. 

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