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Kamenz

Kleine Landapotheken kämpfen ums Überleben

Sozialministerin Barbara Klepsch warb in Elstra für eine ortsnahe Arzneimittelversorgung.

Barbara Klepsch (M.) informiert sich bei Ulrike Finger, der Inhaberin der Marien-Apotheke Elstra. Begleitet wurde sie von Thomas Dittrich, dem Vorsitzenden des sächsischen Apothekerverbandes. © Sächsischer Apothekerverband

Elstra. Fehlender pharmazeutischer Nachwuchs, langsame Internetverbindungen und unlauterer Wettbewerb des europäischen Versandhandel – das sind die Sorgen und Nöte, mit denen tagtäglich vornehmlich kleine Landapotheken ums Überleben kämpfen. Auch im Landkreis Bautzen zum Beispiel versorgen weniger Apotheken die Bevölkerung als im Sachsendurchschnitt. Grund für Sozialministerin Barbara Klepsch, jetzt hinter die Kulissen der Marien-Apotheke in Elstra zu schauen und danach mit Apothekerinnen und Apothekern der Region zu sprechen. Eingeladen dazu hatten Thomas Dittrich, Vorsitzender des sächsischen Apothekerverbandes, sowie MdL Aloysius Mikwauschk (CDU).

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In den nächsten Jahren werden zahlreiche Pharmazieingenieure, die den Apothekenleiter kurzfristig vertreten dürfen, in den Ruhestand gehen. Sie werden nicht mehr ausgebildet, weshalb die Leerstellen durch approbierte Apothekerinnen und Apotheker besetzt werden müssen. Doch die Bewerberzahlen sinken. „Wir müssen Arbeitsplätze in den öffentlichen Apotheken wieder attraktiver machen. Das betrifft sowohl die Aufgabenbereiche wie auch Gehaltsstrukturen“, so Dittrich. Es gebe bereits Wege, um junge Ärzte für die Übernahme von Landarztpraxen zu gewinnen, so die Ministerin. „Diese Angebote müssen wir auf junge Pharmazeuten ausweiten und mit den Kommunen weiterentwickeln.“ Dazu gehöre auch der Ausbau der ländlichen Infrastruktur. „Flächendeckende und leistungsstarke Internetleitungen fehlen nach wie vor im ländlichen Raum oft, auch wenn bereits einige Regionen erschlossen sind“, so Mikwauschk. Gelder stünden zur Verfügung, es hänge momentan aber an Umsetzungskapazitäten. „In den nächsten zwei Jahren kommen zügig vorankommen werden“, so Klepsch. Dittrich begrüßte die Hilfe der Landesregierung im Kampf für die Preisgleichheit verschreibungspflichtiger Arzneimittel. Seit knapp drei Jahren könnten ausländische Versandhändler mit großzügigen Rabatten locken, ohne jedoch Gemeinwohlaufgaben wie den Nacht- und Notdienst zu übernehmen. Der wirtschaftliche Nachteil sei für viele Apotheken deutlich spürbar und könnte sich auf Druck der europäischen Kommission weiter verschärfen. Das werde weitere Apotheken zur Schließung zwingen. „Der Versandhandel kann aber niemals den persönlichen Kontakt in der Apotheke ersetzen, den vor allem ältere Patienten suchen“, so Dittrich. Der Apothekerverband vertritt die Interessen von mehr als 900 Apotheken in ganz Sachsen. (SZ)