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Ziegenhirte scheitert mit Petition

Patrick Pietsch aus Königstein fordert eine jährliche Prämie für kleine Schäfereien. Der Vorstoß wurde jedoch vom Landtag abgelehnt. Er kämpft dennoch weiter.

Kämpft für den Erhalt kleinerer Schäfereien: Ziegenhirte Patrick Pietsch aus Königstein.
Kämpft für den Erhalt kleinerer Schäfereien: Ziegenhirte Patrick Pietsch aus Königstein. © Archivfoto: Marko Förster

Ein Jahr lang dauerte der Kampf, nun ist vorerst Schluss: Der Königsteiner Ziegenhirte Patrick Pietsch ist mit seiner Petition um eine Finanzhilfe für kleinere Schäfereien im Freistaat gescheitert. Der Sächsische Landtag lehnt es kürzlich ab, eine staatliche Prämie für Ziegen- und Schafhalter bereits ab 20 Tieren zu zahlen. Dafür hatte sich Patrick Pietsch eingesetzt.

In Sachsen gibt es zwar eine sogenannte Weidetierprämie. Diese Förderung hatte der Landtag im Sommer 2019 beschlossen. Die Finanzspritze bekommen allerdings nur Betriebe ausgezahlt, die mindestens 50 Tiere halten. Pro Jahr und Alttier würden diese 40 Euro erhalten. Schäfereien mit einer kleineren Herde, zu denen Patrick Pietsch in Halbestadt bei Königstein gehört, profitieren von dieser Prämie nicht.

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Ohne Weidetiere würde Landschaft verbuschen

Dass große Betriebe staatlich gestützt werden, kleinere aber nicht, ist für den Ziegenhirten ein absolutes Ungleichgewicht. Er befürchtet, dass sich kleine bäuerliche Betriebe ohne Finanzhilfe künftig nicht mehr halten können und zum Aufgeben gezwungen werden. Für den Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge hätte das laut Pietsch gravierende Folgen. In der Region gibt es bereits deutlich mehr kleinere Betriebe mit Ziegen- und Schafhaltung. Von den 83 gelisteten Betrieben halten 64 weniger als 50 Tiere - und sind damit in einer deutlichen Mehrheit.

Patrick Pietsch kennt den Grund. Dass die Region so wenige große Schäfereien besitzt, liege daran, dass die Kulturlandschaft das gar nicht hergebe. Dennoch gäbe es kleinere Flächen, die ja gepflegt werden müssen - von den kleineren Betrieben. "Diese Schäfereien arbeiten mit kleinen Tierbeständen und bewirtschaften meist sehr aufwendig unrentable Kleinstflächen", sagt Pietsch. Ohne sie würde die Landschaft irgendwann verbuschen. Ihre Bedeutung sei deshalb umso wichtiger und soll von der Politik unterstützt werden.

Freistaat hat nur begrenzte Haushaltsmittel

Der Landtag sieht das anders und lehnte die Petition "Kultur.Weide.Elbtal" ab. Einer der Gründe sind die im Landeshaushalt nur begrenzt zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel. Rund 1,5 Millionen sind für die Weidetierprämie für die Jahre 2019 und 2020 eingeplant. Die Zielgruppe seien vorrangig Tierhalter, "bei denen durch die Haltung von Ziegen und Schafen ein nennenswerter Beitrag zum Betriebseinkommen geleistet wird", heißt es in der Begründung. Dass in Sachsen die Zahl der Schäfereien kontinuierlich zurück geht, ist ein bekanntes Problem. Viele hätten Probleme, Nachfolger zu finden, die den Betrieb übernehmen. Durch die Weidetierprämie soll diesen Betrieben "eine gewisse wirtschaftliche Entlastung geboten werden", so der Landtag.

"Die Hauptbegründung ist die Bagatellgrenze für die Bewilligung von Fördermitteln, welche in Sachsen bei 2.000 Euro liegt und mit dem Vorwand der Belanglosigkeit auch nicht verringert werden soll", erklärt Patrick Pietsch. Der Freistaat versuche jedoch seit Jahren neben den Direktzahlungen für Schaf- und Ziegenhaltung geeignete Fördermöglichkeiten zu finden. Als Vorschlag werden Ausgleichszahlungen für eine spezielle umweltgerechte Bewirtschaftung von Flächen genannt. In diesem Bereich gäbe es bereits Fördertöpfe, die nicht an eine Mindest-Tierzahl gekoppelt sind.

Neuer Verein soll Druck auf Politik machen

Für Patrick Pietsch ist das kein Trost. Er rechnet auch künftig mit einem weiteren Rückgang von kleineren ziegen- und schafhaltenden Betrieben, die auch so nur Zugang zu sehr kleinen und damit unwirtschaftlichen Flächen haben.

Aufgaben will der Königsteiner dennoch nicht. Im Gegenteil. Er plant bereits die nächste Aktion, um die Politik weiter auf die Probleme in der Landwirtschaft aufmerksam zu machen. Pietsch will noch in dieser Woche den Verein “WildWeideHüten Sächsische Schweiz” gründen. "Damit trotzdem die historische Kulturlandschaft in der Sächsischen Schweiz, mit ihrem gewohnten Landschaftsbild grasender Weidetiere, erhalten bleibt", sagt er. Für den Verein sucht er noch Unterstützung. Interessierte können sich per E-Mail an [email protected] an Patrick Pietsch wenden und in das Projekt einsteigen.

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