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Als Manuela Schwesig in „Verbotene Liebe“ glänzte

Noch zur Wendezeit 1989/90 entstanden famose Defa-Jugendfilme. Leider wollte sie damals kaum jemand (mehr) sehen. Sechs gibt es nun auf DVD.

Na das ist doch ... richtig: Dagmar Manzel. In „Tanz auf der Kippe“ wird sie mit der Liebe eines Schülers konfrontiert.
Na das ist doch ... richtig: Dagmar Manzel. In „Tanz auf der Kippe“ wird sie mit der Liebe eines Schülers konfrontiert. © absolut Medien

Von Andreas Körner

Stefanie Stappenbeck war 15 Jahre jung, Julia Brendler erst 14, Florian Lukas 17 und Ahmed Mesgarha immerhin schon 23-jährig, als sie ihre Schauspieldebüts im Kino bekamen. Es waren Defa-Produktionen der späten DDR-Jahre, Jugendfilme, die in Konzeption, Dreh, Post-Prozess und Uraufführung knapp durch die letzten Republiktage kamen oder unmittelbar nach der Wiedervereinigung ihre Premiere feiern durften. Dann allerdings, als sie kaum noch einer sehen wollte. Defa – fade. In der öffentlichen Wahrnehmung speziell bei jenen, für die diese Filme eigentlich geschaffen wurden.

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Dass sich ein Nach-Sehen nicht unbedingt in allen, aber vielen Fällen noch immer lohnt, haben exponierte und versteckte Wiederveröffentlichungen in drei Jahrzehnten immer wieder gezeigt. Ganz gleich ob sie als Box mit dem Stempel „Verboten“ erschienen, also tief in Keller hinabstiegen, oder, wie im vorliegenden Sechserpack, einfach neu aufgelegt wurden und werden. Die Kooperation zwischen der Defa-Stiftung und dem verdienstvollen Heimkinoanbieter Absolut Medien hat sich dabei in besonderem Maße bewährt.

Ist das „unsere DDR-Jugend“?

Es sind drei DVDs mit jeweils zwei Streifen, die bis jetzt unter dem Siegel „Defa Wendejugend“ vorliegen. „Verbotene Liebe“/„Banale Tage“, „Vorspiel“/„Tanz auf der Kippe“ und „Biologie!“/„Abschiedsdisco“ präsentieren sich in Ton und Bild mit digitalisierter Frische. Einige Stoffe hätten dereinst schon Jahre zuvor verfilmt werden sollen, wurden aber immer wieder aus zumeist prekären Gründen verschoben und verworfen. Wegen der Authentizität und dem Veto der Absegner, nach dem „unsere Jugend so wie dargestellt nicht existiert“. Kritische Themen waren zu heiße Eisen, drehten sie sich doch oft genug um Entfremdung, Aufruhr, zu viele Fragen und zu wenige Antworten.

Doch auch fern dieses gern bedienten Aspekts ist der Abstand von mehr oder minder 30 Jahren eine gute Gelegenheit, diese sechs Defa-Filme nochmals zu rezipieren. Da wären eben die Darstellerinnen und Darsteller in ersten größeren Rollen. Heute weiß man, dass sie ihren Weg weiter beschritten haben und wie Stefanie Stappenbeck, Julia Brendler und Florian Lukas dabei geblieben und so beliebt wie erfolgreich geworden sind. Oder sich wie Ahmad Mesgarha in ein festes Bühnenensemble begaben – hier das Dresdner Staatsschauspiel – und Film zur Ausnahme geriet. Oder dass sie gänzlich von ihm ließen und Ministerpräsidentin wurden wie Manuela Schwesig, geborene Frenzel, die in „Verbotene Liebe“ zu sehen ist. Und selbst die damals schon 33-jährige Dagmar Manzel in „Tanz auf der Kippe“ zu erleben, darf gern noch immer atemberaubend sein.

Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, war einst in „Verbotene Liebe“ zu sehen.
Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, war einst in „Verbotene Liebe“ zu sehen. © Jens Büttner/dpa

Jürgen Brauers 1991er-Drama ist die größte Wiederentdeckung der Reihe. Nach dem Roman „Augenoperation“ des Sorben Jurij Koch ist „Tanz auf der Kippe“, neben Andreas Dresens „Stilles Land“, das wohl stärkste Stück mit Handlung aus der direkten Wendezeit. Es zeigt einen 16-Jährigen, der seinen letzten Schul- und ersten Nachschultagen auf Schlingerkurs mit sich selbst, seinem Vater und dem Land begegnet. Zu allem Unglück verliebt er sich in seine Lehrerin, zwar nicht ganz so tragisch wie in Siegfried Lenz‘ Roman „Schweigeminute“, trotzdem werden ihm werden auf schmerzvolle Weise die Augen geöffnet, während der letzte Fanfarenzug zum Republikgeburtstag bläst. Brisant genug, ist „Tanz auf der Kippe“ auch schauspielerisch und visuell wie jazzakustisch auf der Höhe seiner Zeit, bestens gealtert und zur anschaulichen Beantwortung einiger Fragen der nicht dabei gewesenen, weil zu jungen Menschen geeignet. Angemessen also, dass es vom DVD-Anbieter pädagogisches Begleitmaterial zur gesamten Edition gibt.

Die Liebe zählt auch vor Gericht

Immer wieder war es die Liebe, um die der Defa-Jugendfilm kreiste, selbst wenn es um Raubbau im Naturschutzgebiet oder das Fressen von Dörfern durch die Braunkohle ging – zärtlich und ehrlich auch in sanfter Nacktheit gezeigte, unglückliche, weil gescheiterte oder verhinderte Liebe. Darin vor allem erkannte sich das junge Publikum für 3,50 DDR-Mark im Kino wieder.

Ein zentraler Film ist Helmut Dziubas „Verbotene Liebe“. Er kreist um eine dieser innigen Beziehungen, die nicht sein dürfen, denn der Junge ist 16, das Mädchen zwölf. Zwei Jahre später geht es vor Gericht und die Liebe zählt noch immer, auch wenn sich Dziubas Szenarium durchaus auch um gesellschaftspolitisch relevante Konkurrenzen der Väter kümmert. Gedreht wurde 1989, im April 1990 war Premiere. Der in Dresden geborene Regisseur sollte im vereinten Filmland kaum noch in Erscheinung treten.

Nachzuschauen, wie es eigentlich mit den Regisseuren weitergegangen ist, wäre ein nächster Fokus auf dieses Ostpaket.

Informationen unter www.absolutmedien.de

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