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Erst dehnen, dann boxen

21 Fragen für 2021: Heute beantwortet von der Schriftstellerin Roza Domascyna.

©  Wolfgang Wittchen

Als Grenzgängerin zwischen den Sprachen schreibt Roza Domascyna Texte fürs Theater, Essays und Gedichte auf Sorbisch und Deutsch. Die 69-jährige Schriftstellerin lebt und arbeitet in Bautzen, sie ist Mitglied in der Autorenvereinigung PEN und in der Sächsischen Akademie der Künste. 2018 wurde sie mit dem Sächsischen Literaturpreis ausgezeichnet. In ihrem jüngsten Lyrikband „stimmen aus der unterbühne“ (Poetenladen Verlag, 120 Seiten, 18,80 Euro) beschwört sie Erinnerungen an Kindheit und Elternhaus, protokolliert das Verschwinden identitätsstiftender Natur- und Kulturräume und lauscht den Wörtern nach.

1. Mit wem würden Sie gerne mal für ein Jahr tauschen?

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Mit niemandem.

2. Welches Kulturereignis in Sachsen ist jetzt schon rot in Ihrem Kalender markiert?

Die Buchmesse in Leipzig, im Mai.

3. Welches Wort wollen Sie 2021 nicht mehr hören und lesen?

So Worte wie „Polakei“ oder „Sorbei“. Und das Wort „Wesen“, wenn es eine nationale Bezeichnung vor sich trägt.

4. Welche Schlagzeile würden Sie gern über Sachsen lesen?

„Weltoffen und umtriebig“ – was die meisten Sachsen ja sind.

5. Was wünschen Sie sich von der Sächsischen Zeitung?

Mehr Rezensionen zur Literatur, mehr Gedichte, Kurzgeschichten bzw. Auszüge aus Romanen.

6. Welches Schulfach sollte es bald geben?

Individualförderung.

7. Wofür wollen Sie sich 2021 engagieren?

Für das Ende des Raubbaus an fossilen Rohstoffen.

8. Auf welche Begegnung sind Sie besonders neugierig?

Auf die Begegnung mit einem mir bislang nicht bekannten Menschen.

9. Wovon wollen Sie sich ganz dringend trennen?

Von Übersetzungsskizzen der Übersetzungsskizzen der Entwürfe der letzten Jahrzehnte. Die übersetzten Gedichte sind zwar bereits veröffentlicht. Aber die Skizzen und Zettelaufzeichnungen sollen weg. Mal sehen, ob ich es tatsächlich übers Herz bringe.

10. Welches Ritual werden Sie auch 2021 nicht ändern?

Dehnübungen am Morgen.

11. Wen würden Sie spontan umarmen wollen?

Meine Mutter – aber das geht nicht mehr.

12. Welche zwei Streithähne würden Sie gern zusammen an einen Tisch setzen?

Die Präsidenten aus Amerika? Nein, da würde kein Tisch ausreichen. China und Amerika? Ich bin mir nicht sicher, was dabei herauskommt. Bleiben meine beiden jüngeren Enkel, da funktioniert das.

13. Welche Sportart möchten Sie gerne mal selbst ausprobieren?

Radfahren, Gymnastik und Yoga sind mir nah. Aber ausprobieren? Vielleicht Boxen.

14. Was wollten Sie Christian Drosten schon immer mal sagen?

Danke für Ihre beständige Mühe. Es ist mir klar, dass Sie auf die Liefermengen des Impfstoffes keinen Einfluss haben. Und dass, vielleicht im nächsten Sommer – nach dem Impfen – die Menschen gern wieder die Schutzmaßnahmen vernachlässigen und sich ins Getümmel stürzen werden.

15. Welchen Slogan wünschen Sie sich für den Bundestagswahlkampf?

„Wir sind friedliebend und für die Bürger da.“

16. Welches Ministerium würden Sie neu einführen?

Das Ministerium für Belletristik.

17. Welches Buch wollen Sie endlich lesen?

Wieder lesen will ich Tolstois „Krieg und Frieden“.

18. Welches Gericht werden Sie kochen lernen?

Kochen nicht, aber Stollen backen, nach original Dresdener Rezept.

19. Wofür wollen Sie 2021 Geld spenden?

Für die Aktion „Brot für die Welt“.

20. In welches Land wollen Sie reisen?

Wieder ins Wendland.

21. Welches ist Ihr persönlicher Lieblingsschnappschuss des Jahres?

Vielleicht einer, mit dem ich etwas Vorfreude bereiten kann auf den 25. Januar, den Tag der Vogelhochzeit.

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