merken
PLUS Feuilleton

Filmfest Dresden: Politischer und weiblicher

Das Internationale Kurz- und Animationsfestival geht gestärkt aus der Corona-Phase hervor. Mit neuen Preisen, neuen Open-Airs – und mehr Aktivismus.

Im Kurzfilm „Obervogelgesang“ von Elisabeth Weinberger und Ferdinand Erhardt muss sich ein Mädchen mit dem negativen Ruf ihrer Heimat auseinandersetzen, der Sächsischen Schweiz.
Im Kurzfilm „Obervogelgesang“ von Elisabeth Weinberger und Ferdinand Erhardt muss sich ein Mädchen mit dem negativen Ruf ihrer Heimat auseinandersetzen, der Sächsischen Schweiz. © Filmfest Dresden

Dresden. Die Berlinale hat‘s vorgemacht. Sie ist weder das größte noch das bedeutendste noch das medial erfolgreichste Filmfest der Welt. Aber sie hat ihr Alleinstellungs-Profil gefunden und ausgebaut: als das global politischste Großfestival. Diesen Weg hat längst auch das Filmfest Dresden eingeschlagen mit Themen wie Migration, Diskriminierung, Sexismus, Gendergerechtigkeit. Jetzt geht es noch mehr in die Vollen.„Wir waren ja immer schon auch politisch“, sagt Direktorin Sylke Gottlebe am Dienstag auf der Pressekonferenz im Dresdner Kino Schauburg. „Diesmal sind wir das aber vielleicht noch mehr als vorher.“ Entsprechend lautet ein Schwerpunktthema der 2021er-Ausgabe auch konsequent: „Aktivismus“. Wobei Aktivismus weniger als Belehrung denn als Aufklärung und Debatte verstanden wird.

So, wie es beispielhaft in einer der Podiumsdiskussionen verhandelt wird: Wie politisch kann oder sollte (Kurz-) Film sein? Wo liegen da die Grenzen? Kann es ein Zuviel geben? Stattfinden wird das Gespräch am 15. Juli nach der Vorführung des Kurzfilms „Obervogelgesang“ in der Landeszentrale für Politische Bildung. Die gehört zu den neuen Partnern des Filmfestes und hat einen eigenen Wettbewerb samt 3.000-Euro-Preis ausgelobt unter dem Slogan „voll politisch“. In „Obervogelgesang“ erzählen Elisabeth Weinberger und Ferdinand Erhardt in Schwarz-Weiß-Animationen von einem Mädchen aus der Sächsischen Schweiz. Das wehrt sich gegen die Stigmatisierung seiner angeblich „braunen“ Heimat, weiß aber zugleich, dass dieses Stigma nicht vom blauen Himmel gefallen ist.

Einkaufen und Schenken
Nur einen Klick entfernt
Nur einen Klick entfernt

Hier erhalten Sie nützliche Tipps und die aktuellsten Neuigkeiten rund ums Thema Einkaufen und Geschenke aus Ihrer Region.

Liebe und Geschlechtergerechtigkeit

Wie im letzten Jahr musste das Filmfest verschoben werden, und wieder schwang Corona das Regie-Szepter mit. „Trotzdem hat es nur eine kleine Delle bei der Zahl der Einsendungen gegeben“, sagt Sylke Gottlebe. „Statt 2.900 Bewerbungen wurden immerhin 2.700 eingereicht.“ Deren Radius ist noch internationaler geworden als vorher, sogar aus Kambodscha, Vietnam und Kolumbien sind Filme dabei.

Was den Internationalen Wettbewerb zudem kennzeichnet: „Interessanterweise stammen 70 Prozent der Beiträge von Regisseurinnen“, so Co-Direktorin Anne Gaschütz. Nicht weniger auffällig ist die Unauffälligkeit des Themas Corona im Programm. „Das hat sich erst wenig niedergeschlagen“, bilanziert sie. „Wir rechnen aber damit, dass es im nächsten Jahr präsenter sein wird.“ 368 Filme aus 64 Ländern gibt es insgesamt zu sehen. 28 davon im Nationalen Wettbewerb – mehr als die Hälfte davon Animationen – und 34 im Internationalen. „Gerade da geht es sehr oft um die Themen Liebe und Geschlechtergerechtigkeit“, sagt Anne Gaschütz. Um Dinge, die junge Filmemacherinnen und -macher offenbar am meisten bewegen.

Im Fokus: die Regisseurinnen der Defa

Die Verschiebung aus dem wettermäßig unsicheren April in den Sommer bringt ebenfalls Neues mit sich. So wurde das Open-Air-Angebot ausgeweitet auf den Studentenclub Tusculum und die Galerie Raskolnikoff und bereitet schon Tage vor dem offiziellen Festivalbeginn am 13. Juli das Parkett an einem prominenten Ort: Vor der Frauenkirche startet am 9. Juli die Freiluftfilm-Saison mit dem Sonderprogramm „Tatsächlich ... Liebe“. Auch die Filmnächte am Elbufer machen mehr Platz für Kurz- und Animationsfilme: Neben der traditionellen Kurzfilmnacht findet dort erstmals die Mitteldeutsche Filmnacht statt mit Beiträgen aus dem Regionalen Wettbewerb des Filmfestes sowie zwei Mal Familienkino nachmittags.

Weiterführende Artikel

Filmfest Dresden startet an Frauenkirche

Filmfest Dresden startet an Frauenkirche

Vom 9. bis zum 14. Juli können Filmfans es sich bei Open-Air-Kino auf dem Dresdner Neumarkt bequem machen.

„Politisch“ und „aktivistisch“ im besten Sinne darf sich nicht zuletzt die traditionelle Defa-Retrospektive nennen. Sie heißt in diesem Jahr: „Poetisch. Politisch. Renitent. Die Regisseurinnen der Defa und des unabhängigen Films in der DDR“.

Mehr zum Thema Feuilleton