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Verlag trennt sich von Monika Maron

Das Haus S. Fischer und die Schriftstellerin gehen nach 40 Jahren getrennte Wege. Anlass ist Marons Zusammenarbeit mit dem Buchhaus Loschwitz.

Meinungsverschiedenheiten gab es länger, nun kam es zum Zerwürfnis zwischen Monika Maron und dem Verlag S. Fischer.
Meinungsverschiedenheiten gab es länger, nun kam es zum Zerwürfnis zwischen Monika Maron und dem Verlag S. Fischer. © picture alliance / dpa

Am Sonntag hatte die Schriftstellerin es selbst verlautbart, Montag kam die Bestätigung aus Frankfurt: Der Verlag S. Fischer trennt sich von seiner Stamm-Autorin Monika Maron. Die hatte dort 1981 das Buch „Flugasche“ veröffentlicht, das in der DDR nicht erscheinen durfte. Schon seit Jahren hat es vonseiten des Verlages Gesprächsbedarf gegeben wegen literarischer und politischer Äußerungen der 79-Jährigen. Anlass für die Trennung war nun Marons Zusammenarbeit mit der Dresdner Buchhändlerin Susanne Dagen: „Man kann nicht bei S. Fischer und gleichzeitig im Buchhaus Loschwitz publizieren, das mit dem Antaios Verlag kooperiert“, erklärt Fischer-Geschäftsführerin Siv Bublitz.

Fischers Problem: Antaios gehört Götz Kubitschek. Dessen „Institut für Staatspolitik“ im thüringischen Schnellroda wird vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft und beobachtet wegen „Bestrebungen gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung.“ Kubitscheks ebenfalls rechtsextreme Gattin Ellen Kositza veranstaltet mit Susanne Dagen vom Buchhaus Loschwitz auf Youtube die Talkshow „Mit Rechten lesen“. 

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Von direkten Kontakten Marons zu Kubitschek & Co ist indes nichts bekannt.  Doch kürzlich hatte sie in Dagens „edition buchhaus loschwitz“ in der Reihe „Exil“ den Band „Krumme Gestalten, vom Wind gebissen“ veröffentlicht. Vertrieben wird er unter anderem von Antaios, in dessen Angebot sich ebenfalls Bücher anderer Verlage finden, darunter so renommierte wie Suhrkamp, Rowohlt und Klett-Cotta. Für Kubitscheks Blog „Sezession“ haben auch die „Exil“-Autoren Uwe Tellkamp und Jörg Bernig Beiträge verfasst. 

Unberechenbar oder zu rechts?

Viele Romane Marons handeln von Menschen in der DDR oder zur Wendezeit, die sich gegen gesellschaftlichen Anpassungsdruck auflehnen. Einen solchen Druck spürte sie nun offenbar auch vonseiten des Fischer Verlages. „Man hat mir ausrichten lassen, ich sei politisch zu unberechenbar, passe nicht mehr in die Zeit und sei damit ein Risiko für den Verlag“, sagte sie der Süddeutschen Zeitung. Fischer-Chefin Bublitz widerspricht: Scheidungsgrund sei allein Marons Kooperation mit dem Buchhaus Loschwitz respektive dessen enge Verbindung zu Antaios. 

Zum Programm der von Kubitschek selbst verlegten Literatur „gehören zahlreiche Bücher, die völkisch-rassistische Positionen vertreten“, so Bubitz. Damit „will der S. Fischer Verlag nicht assoziiert werden, auch nicht mittelbar“. Diese Haltung dürfte nicht zuletzt in der Verlagsgeschichte begründet liegen: Die jüdische Eigentümerfamilie war von den Nationalsozialisten schikaniert, bedroht und 1936 aus Deutschland vertrieben worden.

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Kritik an der Entscheidung kommt vor allem von konservativer und neurechter Seite, aber nicht nur. Die liberale Publizistin Liane Bednarz findet sie „feige, letztlich unwürdig. Warum nicht stattdessen Maron öffentlich widersprechen, die Kontroverse suchen, sie aber weiter publizieren lassen? Ihr den ganzen pseudo-,widerständigen‘ Quatsch vorhalten, ihr rechtes Feindbilder-Karussell?“ Der Historiker und Schriftsteller Per Leo kritisiert S. Fischers „Unfähigkeit, einer anerkannten, aber komplizierten, in vieler Hinsicht widerspenstigen Autorin eine verlegerische Heimat zu bieten“.

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