merken
PLUS Feuilleton

Ein Wald aus Mittelfingern

Gewalt, Geld und jede Menge Feindseligkeiten: Oliver Reinhard über die Gefahren des deutschen Gangsta-Rap.

© Pixabay.com

Aus keiner anderen deutschen Pop-Sparte gehen derart viele Texte hervor, die rassistisch, antisemitisch, schwulen- und frauenfeindlich sind. Gerade beim deutschen Gangsta-Rap, wo die Buben böse, hart und aggro sein müssen, weil das ihr Geschäftsmodell ist. Das ist seit Jahren als Problem erkannt und wird selbst innerhalb der Branche teils kontrovers diskutiert. Jetzt gibt es erstmals eine Studie, die dafür eine wissenschaftliche Grundlage schafft. Sie wird nicht die einzige bleiben. Das ist auch bitter nötig.

Gangsta-Rapper wie Fler, Haftbefehl oder 187 Strassenbande sind Stars und Vorbilder für Hunderttausende junger Menschen. Zwar gehört das „Dissen“ anderer traditionell zum guten Ton in der Szene. Doch dieser Ton strotzt vielfach nur so vor Gewaltverherrlichung und der Anbetung materieller Werte. Wer den dicksten Daimler hat, die jüngsten Mädchen „flachlegt“ und die meisten „Spacken“ hasst, ist der Größte.

Bauen und Wohnen
Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?
Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?

Hier finden Sie alles, was Sie fürs Sanieren, Renovieren oder Bauen Ihrer eigenen vier Wände brauchen.

Widerstand kann nur aus der Szene selbst kommen

Das Frauenbild etwa von Fler lässt sich mit dessen eigenen Worten so ausdrücken: „Dass sie kommt, es reichen zwei Finger / Mittelfinger und der am Abzug / Fick die Bitch in meinem Wohnzimmer, Bang sie hart, sie ist ein Gold-Digger.“ Selbst wenn die Texte vielfach nicht wörtlich genommen werden: Etwas von der Gewaltverherrlichung und der Frauen- und Schwulen- und Judenfeindlichkeit bleibt hängen, wie die Studie belegt. Und selbst dieses Etwas ist zu viel.

Weiterführende Artikel

Studie: Gangsta-Rap fördert Antisemitismus

Studie: Gangsta-Rap fördert Antisemitismus

Eine Untersuchung zeigt erstmals, dass Gangsta-Rap antisemitische Denkmuster nährt. Dabei verstehen die Jugendlichen die Texte oft nicht mal.

Dass ein Gegenlenken von außen die schwärzesten Rap-Schafe eher motiviert statt zivilisiert, ist klar. Denn sie ziehen ihre aufputschenden Lines ja gerade aus ihrem Außenseitertum und der Ablehnung von Zivilität. Deshalb kann der Widerstand nur aus der Szene selbst kommen. Und er kommt, er wächst sogar stetig an. Möge er zu einem Wald aus Mittelfingern werden.

Mehr zum Thema Feuilleton