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Lager der Porzelline eingestürzt

Am Formenlager der Freitaler Pozellanmanufaktur ist am Montagmorgen eine Wand zusammengebrochen. Der Schaden ist noch nicht abzuschätzen.

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© Karl-Ludwig Oberthür

Freital. Das Dach ist eingebrochen. Etliche Ziegelsteine liegen in der Wiederitz, die an dem Eingeschosser vorbeifließt. Eine Außenwand fehlt komplett und gibt den Blick auf das wertvolle Innere frei. Am Montagmorgen gegen 8.30 Uhr ist das eingetreten, wovor schon lange gewarnt worden war: Das Formenlager der Freitaler Porzellan-Manufaktur ist teilweise eingestürzt. „Wegen genereller Baufälligkeit“, wie der Betriebsleiter der Manufaktur, Anatoli Schilling, sagt. Das Unternehmen ist Eigentümer des Schuppens an der Ecke Carl-Thieme-Straße/Wilsdruffer Straße.

Tausende Gipsmodelle lagerten im modrigen Schuppen der Freitaler Porzellanmanufaktur an der Ecke Carl-Thieme-Straße/Wilsdruffer Straße.
Tausende Gipsmodelle lagerten im modrigen Schuppen der Freitaler Porzellanmanufaktur an der Ecke Carl-Thieme-Straße/Wilsdruffer Straße. © Jürgen Lösel

Nach letzten Angaben lagern rund 200 000 Modelle aus Gips in dem modrigen Schuppen. Wie Schilling mitteilt, seien in den vergangenen Monaten bereits einige Teile an andere Orte geschafft worden. Eine Zahl, wie viele Formen sich noch in dem Gebäude befinden, kann er nicht nennen. Unklar ist auch noch, welcher Schaden für die Porzellan-Manufaktur entstanden ist.

Die schlechte Marktlage und finanzielle Sorgen der immer wieder wechselnden Porzelline-Inhaber ließen das Formenlager über die Jahre in Vergessenheit geraten. Für den zweiflügeligen Flachbau, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand, war das ausgesprochen schlecht. Seit dem Ansatz einer Teilsanierung zu Beginn der 90er-Jahre blieb der gut 1 500 Quadratmeter große Bau sich selbst überlassen. Mit gravierenden Folgen. Weil einfachste Instandsetzungsarbeiten ausblieben, war das Dach bereits an mehreren Stellen eingestürzt, Mauern sackten weg, Feuchtigkeit drang ein. Dachbalken krachten auf die morschen Regale aus Kiefernholz mit den historischen Gipsmodellen. Der Verfall des Hauses geschah bislang eher schleichend. Dass eine gesamte Außenwand wegbricht, wie am Montag geschehen, so etwas gab es bislang noch nicht.

„Dokument von großer Bedeutung“

Seit der Gründung der Freitaler Manufaktur im Jahr 1872 bildeten die Modelle die Grundlage für die Porzellanherstellung an der Weißeritz. Aus ihnen werden die Formen gefertigt, in denen dann Figuren, filigrane Vasen, Leuchter und Pokale aus dem weißen Gold entstehen. Im Potschappler Schuppen an der Wiederitz lagern Tausende historischer Urformen von Kunstwerken, die es zu einigem Renommee und sogar bis in die Vitrinen der britischen Queen Mary brachten. „Die Sammlung ist sowohl für die Produktionsgeschichte der Manufaktur als auch als Dokument der Designgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts von großer Bedeutung und aufgrund ihrer geschlossenen Überlieferung von Seltenheitswert“, befand das Landesamt für Denkmalpflege und stellte die Modellsammlung auf Ersuchen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden 2013 unter Denkmalschutz. Kurz darauf holten die Kunstsammlungen auch die in freistaatlichem Besitz befindliche Mustersammlung wertvoller Einzelstücke aus der Manufaktur, weil die Porzelline abermals vor der Pleite stand. Armenak Agababyan, der seit 2008 die Geschäfte der Porzellan-Manufaktur führt, kündigte im September 2014 an, auch das Modelllager im Rahmen eines mehr als eine Million Euro schweren Investitionspaketes sanieren zu wollen. Seither tat sich jedoch nichts. „Wir werden jetzt Angebote einholen, wie das Haus beräumt werden kann“, sagte Betriebsleiter Anatoli Schilling am Montag. Rund um das Haus wurde notdürftig rot-weißes Absperrband gezogen. Die nahe Umgehungsstraße musste nicht gesperrt werden. Ziel sei es, den Eingeschosser komplett leer zu räumen und das Haus abzureißen, so Schilling. Das Problem sei aber, dass es zurzeit noch keinen geeigneten Platz für die Tausenden Formen gibt. „Wir sind in Gesprächen mit der Stadt, um das zu klären.“ Angebote, die Formen woanders unterzubringen, gab es aber wohl schon viele. Am Montag teilte das Rathaus mit, dass man nun auf die schnelle Beräumung der Wiederitz dränge. Außerdem müsse die Verkehrssicherheit schnell wieder hergestellt werden.

Schilling sucht nun Helfer, die bei der Beräumung der Formenlager mitmachen wollen. „Wir sind dankbar für jede Hilfe“, sagte er. Wie es mit dem Lager und den Formen weitergehen soll, müsse am Ende der Geschäftsführer Herr Agababyan entscheiden. Er ist am 21.  Juli wieder in Freital.