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Leben 2.0

Cindy Schulze aus Neukirch hatte keine leichte Kindheit. Beide Eltern tranken. Nun startet die 18-Jährige erstmals allein durch.

Von Ina Förster
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Cindy Schulze hat in ihrem jungen Leben schon einiges erlebt. Wenig schöne Sachen waren dabei. Beide Eltern tranken. Nun kämpft sie für ein neues, selbstbestimmtes Leben. Auch dank Lichtblick und viel Unterstützung durch das Team des Neukircher Jugendhaus
Cindy Schulze hat in ihrem jungen Leben schon einiges erlebt. Wenig schöne Sachen waren dabei. Beide Eltern tranken. Nun kämpft sie für ein neues, selbstbestimmtes Leben. Auch dank Lichtblick und viel Unterstützung durch das Team des Neukircher Jugendhaus © SZ/Uwe Soeder

Die erste Wohnung mit 18. Keine Seltenheit, sollte man meinen. Doch Cindy Schulze aus Neukirch im Oberland hat sich dieses neue Leben schwer erkämpft. Ihr Weg bis hierher war steinig. Und Liebe, Geborgenheit und Spaß gab es nicht viel unterwegs. Die 18-Jährige wuchs in einem Elternhaus auf, das sie vor ein paar Wochen ohne einen Blick zurück verließ. „Meine Eltern haben getrunken, solange ich denken kann“, sagt sie. „Ich musste fast immer allein zurechtkommen!“ Gleichgültig klingt das. Doch ein Blick hinter die Fassade verrät anderes.

Erstes Weihnachten ganz allein

Nun ist sie angekommen in ihrer kleinen Dachgeschosswohnung in Bischofswerda. Die meisten Möbel stehen schon. Ein Bett zum Gemütlichmachen, eine kleine gebrauchte Couch mit Tisch. In der Küche verstellen noch nicht aufgebaute Unterschränke den Platz. In einer Ecke steht der Kratzbaum ihrer Katze. „Ganz allein bin ich ja nicht. Layla habe ich mitgenommen“, sagt Cindy und streichelt ihrem Liebling übers seidige Fell. Überhaupt wirkt der Teenager tapfer. Und reifer als andere ihres Alters. „Ich musste ja schon immer irgendwie für mich allein entscheiden. Das macht mir hier alles nichts aus“, meint sie.

Ihre Kindheit verbrachte sie zwischen oft physisch und psychisch abwesenden Eltern. Viel Aufmerksamkeit blieb zwischen Alkohol und Promillezahlen leider nicht für die Kinder übrig. Cindy hat noch einen zehn Jahre älteren Bruder. Der zog schon lange daheim aus, hilft seiner Schwester aber bei vielen Dingen. „ Mein Papa fing an zu trinken, als mein Opa starb. Er musste dann die Firma übernehmen, das hat er nicht richtig auf die Reihe bekommen und darunter gelitten“, sagt die 18-Jährige.

Sich mit Alkohol betäuben, Unzulänglichkeiten herunterschlucken – so wurden in der Familie Probleme geklärt. „Und meine Mutter hat mitgetrunken. Sie ist aber seit vier Jahren trocken. Ich habe ihr solange in den Ohren gelegen, dass sie aufgehört hat“, erzählt Cindy leise. Einfach war das sicherlich nicht. Dennoch hat die junge Frau ein gestörtes Verhältnis zu ihr. „Ich hatte gefühlsmäßig noch nie viel von ihr zu erwarten. Erst recht nicht, als ich älter wurde.“ Dass sie jetzt ausgezogen ist, hat die Mutter kaum bemerkt, glaubt sie. „Ich denke, es ist ihr total egal!“

Dafür liebt Cindy Schulze ihren Papa umso mehr. Ein enges Band verbindet die beiden über jede schlimme Erfahrung hinaus. Die Eltern waren bereits länger getrennt. Als der Vater Anfang des Jahres einen schweren Schlaganfall erlitt, wendete sich das Blatt plötzlich. Der 53-Jährige ist seitdem in einem Pflegeheim in Bischofswerda untergebracht und kämpft sich ins Leben zurück. Ohne Alkohol. Dafür mit einem Haufen neuer Probleme. Allein ist er aber nicht. Seine Tochter arbeitet zufällig in diesem Heim. Ihre praktische Ausbildung zur Hauswirtschafterin läuft hier. „Ich kann ihm beistehen. Anfangs fand ich es nicht so günstig, aber mittlerweile ist es gut so, wie es ist“, sagt sie. Und ihr Papa möchte sich für seinen Liebling aufrappeln. „Als er erfuhr, dass ich nun eine eigene Wohnung habe, hat er sich riesig gefreut. Aber er weiß auch, dass er bis unters Dach muss, wenn er mich einmal besuchen möchte“, erzählt die Tochter. Um das zu erreichen, muss er sich also anstrengen und wieder ganz auf die Beine kommen. Ein Ziel, wofür es sich zu kämpfen lohnt.

Damit sich Cindy Schulze bis dahin gut einleben kann, hat auch die Lichtblick-Aktion mitgeholfen. Denn das meiste der Wohnungseinrichtung konnte sich die 18-Jährige natürlich nicht allein leisten. „Im Jugendhaus Neukirch hatte ich immer gute Ansprechpartner, wenn ich Sorgen hatte, und bekam Unterstützung. Dort hörte man mir zu. Und das brauchte ich oft. Wir haben auch zusammen den Antrag für Lichtblick ausgefüllt. Dann ging alles sehr schnell und unkompliziert“, erzählt sie. Überhaupt wäre sie jetzt noch nicht so weit, wenn es die tollen Sozialarbeiter dort nicht gegeben hätte. 500 Euro flossen aus der Stiftung – für einen Herd, einen Kochkurs und weitere kleine Einrichtungsdinge. „Ich bin sehr froh darüber. So fällt der Start in mein neues Leben nicht ganz so schwer.“

Wenn auch Sie dabei sein und in Not geratenen Menschen im Freistaat helfen möchten: Stiftung Lichtblick, Ostsächsische Sparkasse Dresden, IBAN: DE88 850503003120001774.

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