Leipzig
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Hausverbote am Schauspiel Leipzig

Nachdem Verträge von zwei Schauspielerinnen nicht verlängert werden sollten, regt sich ungewöhnlich viel Protest.

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Zwei Ensemblemitglieder dürfen wegen „Mobilisierung der Belegschaft und der Störung des Betriebsfriedens“ nicht mehr das Schauspielhaus betreten.
Zwei Ensemblemitglieder dürfen wegen „Mobilisierung der Belegschaft und der Störung des Betriebsfriedens“ nicht mehr das Schauspielhaus betreten. © Tobias Prüwer

Von Tobias Prüwer

Ein schwarzer Strich zieht sich über die Gesichter im Treppenaufgang des Schauspielhauses. Sie zeigen das künstlerische Ensemble, sollen Einigkeit im Haus symbolisieren. Zwei Porträts wirken mit zusätzlichen Kreuzen wie rausgestrichen. Sie gehören den Schauspielerinnen Julia Preuß und Katharina Schmidt. Ihnen wurde Hausverbot erteilt, sie dürfen die Bühne nicht mehr betreten. Eine unerhörte Eskalation an einem Theater. Wer auch immer die Porträtreihe durchstrich, hinterließ ein Signal: Der Haussegen hängt schief, sagen die einen. Intendant und Kulturbürgermeisterin widersprechen.

Anlass für den Eklat bilden zwei sogenannte Nichtverlängerungen. Theaterverträge sind in der Regel für ein Jahr befristet. Sie verlängern sich automatisch um je ein weiteres Jahr, bis eine Vertragspartei eine begründete Nichtverlängerung ausspricht. Diese Praxis steht allerdings zunehmend in der Kritik.

Julia Preuß und Katharina Schmidt, beide seit 2015 am Haus, erfuhren im Oktober von ihrem Vertragsaus. Sie empfinden die Begründung als ungerechtfertigt, haben jeweils Rechtsmittel eingelegt. Nachdem sie sich für Solidaritätsgesten der Gewerke bedankten und eine offene Belegschaftsversammlung „ohne Druck, ohne Leitung“ forderten, verhängte die Theaterleitung über beide ein Hausverbot. Gründe: Mobilisierung der Belegschaft und der Störung des Betriebsfriedens.

„Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns zu personalrechtlichen Fragen nicht äußern“, erklärt Intendant Enrico Lübbe auf Nachfrage. „Nichtverlängerungen sind für die Betroffenen niemals einfach.“ Eine allgemeine „Unzufriedenheit der Belegschaft“, von der Preuß und Schmidt schrieben, verneint er.

Ob das Hausverbot zu Rollenumbesetzungen oder Ausfällen führt, wollte der Intendant nicht beantworten. Schmidt, die auch Ensemblesprecherin ist, spielt etwa im gefeierten „Die Kunst die Wunde“, das am 21. Dezember Wiederaufnahme haben soll. Über Preuß, in fünf Rollen besetzt, schwärmte Lübbe noch vor wenigen Jahren im MDR: „Es ist ein großes Geschenk, mit ihr zu arbeiten!“ Was jetzt zu der Nichtverlängerung führte, ist unklar.

Personalentscheidungen will Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke nicht kommentieren, wie sie wissen lässt. Nichtverlängerungen seien im künstlerischen Bereich normal, aber „für die Betroffenen immer ein persönlicher Einschnitt.“ Zum Eingreifen sieht sie keinen Anlass. „Es liegt in der originären Verantwortung von Enrico Lübbe, über Engagements im künstlerischen Bereich zu entscheiden.“

Die Bühnengenossenschaft erklärte, Preuß und Schmidt zu unterstützen. Am Montag forderte das Ensemble per Statement „in sehr großer Mehrheit“ die Rücknahme der Entscheidungen: „Unserer Auffassung nach wurde das Betriebsklima durch die Freistellungen und die verhängten Hausverbote schwer beschädigt.“