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Abgeschobene Hebamme ist zurück in Leipzig

Adelina Ajeti wurde im November aus Leipzig in den Kosovo abgeschoben. Doch Freunde und Kollegen haben um sie gekämpft – nun ist sie zurück.

Die aus dem Kosovo stammende Hebamme Adelina Ajeti (l.) lauscht den Herztönen des Kindes im Bauch der Schwangeren Caroline in einer Hebammenpraxis in Leipzig.
Die aus dem Kosovo stammende Hebamme Adelina Ajeti (l.) lauscht den Herztönen des Kindes im Bauch der Schwangeren Caroline in einer Hebammenpraxis in Leipzig. © Peter Endig

Leipzig. Adelina Ajeti steht in der Leipziger Hebammenpraxis „Kleine Füße“, ihre langen braunen Haare fallen leicht über ihren hellblauen Pullover und umspielen ein Lächeln. Sie ist wieder da. Vor bald einem Jahr, am 17. November gegen 2 Uhr nachts, hatten Polizisten sie und ihren Mann Gezim aus dem Bett ihrer Leipziger Wohnung geholt, in ein Polizeiauto gesetzt und in ein Flugzeug nach Pristina verfrachtet.

Weil ein negativer Asylbescheid vorlag, wurde das Paar in die Heimat abgeschoben, auch wenn die Frau eine Arbeitserlaubnis hatte und in der Hebammenpraxis von Dagmar Röger beschäftigt war. Eigentlich hätten sie auch am nächsten Morgen arbeiten sollen. „Es war ein Albtraum“, sagt die 31-Jährige. „Anfangs hab’ ich nicht geglaubt, dass ich je wieder nach Leipzig zurückkomme.“ Doch es hat geklappt. Dagmar Röger, ihre Tochter Emily, viele Bekannte, Freunde und Schwangere haben für sie gekämpft, eine neue Anwältin eingeschaltet, eine Petition gestartet, viele Formulare ausgefüllt, Spenden gesammelt, Interviews gegeben. Mit Erfolg.

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Am 19. August verabschiedet sich Adelina von ihrem Mann in Pristina. Sie hat ein Visum in der Tasche, das ihr die Überprüfung ihrer Berufsqualifikation in Deutschland erlaubt. Sie steigt in einen Linienbus, der sie nach Halle bringt und trifft nach neun Monaten wieder in Leipzig ein. „Das war erstmal ein mulmiges Gefühl. Ich fühlte mich fremd und unwohl und musste immer an die Abschiebung denken.“

Adelina Ajeti mit einer Säuglingspuppe in der Hebammenpraxis .
Adelina Ajeti mit einer Säuglingspuppe in der Hebammenpraxis . © Peter Endig

Inzwischen aber ist die junge Frau wieder angekommen und hat alle bürokratischen Klippen genommen: Ende September schloss sie vor einer Fachkommission ihre Anerkennungsprüfung als Hebamme in Deutschland ab. Ihr kosovarischer Berufsabschluss als „Bachelor of midwifery“ ist damit gültig. Zwei Tage später hielt sie ihre Aufenthaltserlaubnis in den Händen. Nun darf sie ein Jahr sicher in Leipzig bleiben und danach den Aufenthaltstitel voraussichtlich weiter verlängern, wenn sie berufstätig bleibt.

In der Hebammenpraxis hat sie seit Oktober eine unbefristete Vollzeitstelle. Sie betreut schwangere Frauen vor der Geburt und junge Mütter im Wochenbett, sie untersucht Babys, gibt Gymnastik- und Yoga-Kurse, hört zu, macht Mut. Nach diversen Sprachkursen ist ihr Deutschniveau ausgesprochen gut.

„Ich habe sie noch nie so entspannt erlebt“, sagt Emily Röger, die ihrer Mutter in der Hebammenpraxis viele Büroarbeiten abnimmt und die Hilfe für Adelina organisiert hat. „Jeder Stolperstein, der kommen konnte, ist uns auch in den Weg gefallen“, sagt sie. „Aber mit vereinten Kräften und viel Geduld haben wir es geschafft.“ Auch Dagmar Röger ist sichtlich erleichtert. Monatelang habe sie die Schwangeren allein betreut, oft mit großem Entgegenkommen der Familien, erzählt die Inhaberin der Praxis. „Jetzt habe ich wieder mehr Zeit für sie.“

Jetzt fehlt nur noch ihr Mann

In der Zwischenzeit haben die Unterstützer Anwälte und Reisekosten bezahlt, Adelina im Kosovo unterstützt und Prüfungsgebühren von mehr als 1000 Euro übernommen. Ausgaben, die nur durch private Spenden auf dem Portal „Betterplace“ möglich waren. Von den 14.300 Euro sind inzwischen mehr als 10.000 Euro ausgegeben. Das übrige Geld soll für den zweiten Teil der Odyssee verwendet werden. Adelinas Mann ist noch im Kosovo. Sie hofft, ihn im Zuge der Familienzusammenführung nach Leipzig holen zu können. Er arbeitet als Eisenflechter im Stahlbau und hat Jobzusagen in Halle. Doch zurzeit darf er nicht einreisen – darum muss erst noch gekämpft werden. Weitere Spenden sind deshalb willkommen.

„Es ist bisher nur ein halbes Happyend“, sagt Adelina. Die junge Frau war Anfang 2015 aus dem Kosovo nach Deutschland gekommen. Ihr Heimatland kommt seit dem Krieg nicht mehr zur Ruhe, für junge Leute gibt es kaum Zukunftschancen.

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In der Bundesrepublik gilt das Kosovo jedoch als sicheres Herkunftsland, der Asylantrag wurde daher abgelehnt. In der Praxis „Kleine Füße“ hat die heutige Hebamme zwischenzeitlich drei Praktika absolviert und war dann bei Dagmar Röger geblieben – bis die Polizei kam. „Ich bin allen Helfern wahnsinnig dankbar für die Unterstützung“, sagt sie. „Ohne sie wäre ich sicher nicht wieder in Leipzig.“

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