merken

Leipzig

Leipziger Tischler will Weltmeister werden

Johannes Bänsch ist einer von 39 deutschen Teilnehmern bei der Weltmeisterschaft der Berufe in Russland. Dort zählt für ihn dann jede Minute.

Hobeln für Gold: Der 20-jährige Tischlergeselle Johannes Bänsch tritt bei der Berufe-WM für Deutschland in der Kategorie Möbelschreinern an.
Hobeln für Gold: Der 20-jährige Tischlergeselle Johannes Bänsch tritt bei der Berufe-WM für Deutschland in der Kategorie Möbelschreinern an. © Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

 Von Josephine Heinze

Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?

Hier finden Sie alles, was Sie fürs Sanieren, Renovieren oder Bauen Ihrer eigenen vier Wände brauchen.

Kasan, 800 Kilometer östlich von Moskau, russische Millionenstadt. Dort ging es 2018 für die Deutsche Fußball-Nationalelf zu Ende. Für den Leipziger Johannes Bänsch soll es in der Stadt an der Wolga erst richtig losgehen. Statt mit dem Fußball arbeitet der 20-Jährige mit Holz. Sein Ziel? "Weltmeister werden."

Bänsch ist Möbeltischler und einer von 39 deutschen Teilnehmern bei den diesjährigen Weltmeisterschaften der Berufe in Russland. Ab dem 22. August messen sich bei den 45. Worldskills fünf Tage lang 63 Nationen in insgesamt 56 Disziplinen. Die Bandbreite der Wettbewerbe reicht von Gesundheitsbetreuung über Grafikdesign oder Mechatronik bis hin zu klassischen Handwerksberufen.

Für Bänsch hat die Reise nach Russland vor gut einem Jahr begonnen. Nach der Ausbildung in einem Leipziger Unternehmen qualifizierte er sich als bester Geselle der Stadt für die Sachsenmeisterschaft. Dort musste er eine japanische Werkzeugkiste bauen, hatte dafür zwölf Stunden Zeit - und gewann. 

Klar war das für ihn nicht. "Am Anfang dachte ich, ich schaffe das nie", erinnert sich Bänsch. Doch drei Monate später ließ der 20-Jährige bei den Deutschen Meisterschaften seine Kontrahenten hinter sich. Klar, dass Bänsch auch in Kasan ganz nach oben möchte. "Mein Ziel ist Gold", sagt der Tischler. "Sonst würde ich nicht so viel Freizeit in die Vorbereitung stecken."

Johannes Bänsch bereitet sich in seiner Trainingsecke auf die WM in Kasan vor.
Johannes Bänsch bereitet sich in seiner Trainingsecke auf die WM in Kasan vor. © Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Seit Dezember habe er etwa 500 Stunden ins Training investiert - im Normalfall nach Feierabend. Für zusammenhängende Übungseinheiten ist der 20-Jährige zu seinem Mentor nach Augsburg gefahren, neun Wochen insgesamt. Dort wurden Probestücke geschreinert. "In Kasan habe ich an insgesamt vier Wettkampftagen 22 Stunden Zeit, ein Möbelstück zu tischlern." 

Welches das sein wird, weiß Bänsch noch nicht. Geprobt habe er mit den Projekten der vergangenen Jahren und drei Plänen, die die Veranstalter zur Verfügung stellen. Beim Wettbewerb bewertet eine Jury das Ergebnis, jedes Mitglied vergibt für verschiedene Kategorien Punkte. Der Teilnehmer mit der höchsten Gesamtpunktzahl gewinnt.

Fünf persönliche Werkzeuge hat Bänsch schon nach Russland geschickt, andere Maschinen und Materialien werden gestellt und sind für alle Teilnehmer gleich. "Das ist eine Herausforderung mit Werkzeugen zu arbeiten, die man vorher noch nie in der Hand hatte", sagt der Tischler. Insgesamt sieht er die Konkurrenz im Vorteil. "Ich bereite mich in meiner Freizeit vor, zusätzlich zu einer 40-Stunden-Arbeitswoche." Teilnehmer aus anderen Ländern würden mehrere Jahre nur für die Wettbewerbe trainieren, erzählt Bänsch.

Nur fünf persönliche Werkzeuge nimmt Johannes Bänsch mit nach Russland. Alle anderen Maschinen werden vom Veranstalter gestellt und sind für alle Teilnehmer gleich.
Nur fünf persönliche Werkzeuge nimmt Johannes Bänsch mit nach Russland. Alle anderen Maschinen werden vom Veranstalter gestellt und sind für alle Teilnehmer gleich. © Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Auch Hubert Romer, Geschäftsführer vom deutschen Verband Worldskills Germany, spricht von einem unterschiedlichen Level der Länder. "Zahlreiche Worldskills-Nationen haben sich mit enormer staatlicher Hilfe in großen Schritten weiterentwickelt und drohten, dem Rest der Welt davon zu eilen", so Romer. Allerdings sei es Deutschland gelungen, Schritt zu halten - unter anderem durch neue Trainings- und Vorbereitungsstrategien und eine Qualifizierungsnorm.

200.000 Besucher erwartet

Auch die Begeisterung des Publikum unterscheidet sich laut Bänsch je nach Nation. Während nicht viele Deutsche den Wettbewerb kennen, wird die Weltmeisterschaft andernorts im Fernsehen übertragen. Die Tickets für die Eröffnungszeremonie im WM-Stadion in Kasan sind zu großen Teilen ausverkauft. Während der Wettbewerbe rechnen die Veranstalter mit 200.000 Besuchern.

Nicht nur, aber auch deswegen will Johannes Bänsch Bestleistungen zeigen - um den Wettbewerb in Deutschland bekannter und Werbung für das Handwerk zu machen. Sein Ziel sei zwar Gold, sagt der 20-Jährige. Aber er freue sich auch zu sehen, wie andere Nationen an das gleiche Projekt herangehen oder welche Werkzeuge die Teilnehmer benutzen. Grundsätzlich sei er kurz vor der Weltmeisterschaft zwar aufgeregt. "Aber ich will zeigen, was ich in den vergangenen Monaten gelernt habe." (dpa)