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Lernen von zu Hause

Eine Görlitzer Initiative gründet eine neue Schulart. Sie soll das Freilernen ermöglichen.

© Nikolai Schmidt

Von Ines Eifler

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Görlitz. Doris Bach hat das schon einmal mitgemacht: die Gründung einer neuen Schule mit allem, was dazugehört: vom Schreiben eines Konzepts über die Auseinandersetzung mit Behörden, den Kampf um die Finanzierung bis hin zur Suche nach geeigneten Räumen. Doris Bach ist Mitbegründerin und frühere Geschäftsführerin der Görlitzer Waldorfschule, die sich mittlerweile etabliert hat. „Aber wir brauchen noch mehr freie Schulen, eine vielfältigere Bildungslandschaft“, sagt die Bio-Bäckerin und Mutter von neun Kindern.

Gemeinsam mit dem Lehrer Sascha Scholz, der an staatlichen und freien Schulen unterrichtete, hat Doris Bach jetzt den Plan gefasst, einen ganz neuen Typus freier Schulen zu gründen. Arbeitstitel: „Görlitzschulen“. Dazu ist die Änderung des Gesetzes nötig, das den Betrieb von freien Schulen in Sachsen regelt. Eine entsprechende Petition soll diese Gesetzesänderung anstoßen. Bisher sind zwei Arten freier Schulen möglich: Ersatzschulen und Ergänzungsschulen. Zu den Ersatzschulen gehören alle in Görlitz bekannten freien Schulen: die Neißegrundschule, die Waldorfschule, die Evangelische Schule, die DPFA-Grundschule und der für 2019/20 geplante Görlitzer Sitz der Schkola. Ergänzungsschulen gibt es in Sachsen fünf, in Ostsachsen keine.

Die „Görlitzschulen“ sollen als dritter Typus freier Schulen etwas bieten, das die anderen nicht leisten können. Hier sollen sich neben Kindern und Jugendlichen, die täglich zur Schule kommen, auch Schüler immatrikulieren können, die den Unterrichtsstoff bei sich zu Hause bearbeiten, ganz egal, wo sie wohnen. Damit greifen Doris Bach und Sascha Scholz einen Trend auf, den sie seit einiger Zeit beobachten.

Die Zahl der Freilerner liege in Deutschland im vierstelligen Bereich, sagt Doris Bach. „Und der Kreis Görlitz ist eine Freilernerhochburg.“ Aber in Deutschland herrscht Schulpflicht. Es sei weltweit das einzige Land, in dem das Freilernen verboten ist. Wer gegen die Schulpflicht verstößt, indem er seine Kinder in keine deutsche Schule schickt, wird mit einem hohen Bußgeld bestraft, wenn er sich nicht beugt.

Auch hierin hat Doris Bach Erfahrungen. 2003 unterrichtete sie ihre drei ältesten Kinder selbst, sei aber so von Jugend- und Ordnungsamt bedrängt worden, dass sie nachgab und ihren Ausweg darin fand, die Kinder zunächst auf die Waldorfschule in Cottbus zu schicken und sich dann für die Waldorfschule in Görlitz zu engagieren. Würden die „Görlitzschulen“ gesetzlich anerkannt, könnten hier immatrikulierte Freilerner aus der Illegalität heraustreten.

„Ich mache jetzt da weiter, wo ich 2003 aufgehört habe“, sagt Doris Bach. Der Lehrer Sascha Scholz und sie finden es nicht gerechtfertigt, dass der Staat Bildung ausschließlich nach seinen Vorstellungen plane, kontrolliere und Eltern damit aus dem Alltag ihrer Kinder ausschließe. „Wir zahlen Steuern, daraus wird die Schulbildung finanziert, die Länder entscheiden, was gelehrt werden soll, welcher Lehrplan abgearbeitet werden muss und welchen Lehrern wir unsere Kinder anvertrauen“, sagt Sascha Scholz.

„Dieses System ist heute nicht mehr angemessen.“ Es zeige sich, dass viele Kinder nicht in ein System passen, in dem nach Plan gelernt und gefordert werde. Dass Eltern mehr Einfluss nehmen möchten. Und dass die Schulabschlüsse die Jugendlichen häufig nicht dazu befähigten, ihr Leben zu meistern. Auch mit Handwerksverbänden sei die Initiative im Gespräch. „Dort hören wir, dass viele Jugendliche zwar gute Zeugnisse haben, aber weder geschickt sind noch ihr Leben selbst in die Hand nehmen können.“

Der neue Schultypus soll deshalb eine weitere Alternative sein.