merken
PLUS Löbau

Bens Chance auf eine Stammzellspende

Der kleine Bernstädter kämpft zum zweiten Mal gegen den Blutkrebs. Die erste Chemo-Therapie brachte einige Tiefschläge, nun hofft die Familie.

Ben Tasche aus Bernstadt freut sich auf ein paar Tage zu Hause ohne Klinikatmosphäre und Therapie. Seit der Blutkrebs zurück ist, kämpft der Neunjährige darum, wieder gesund zu werden.
Ben Tasche aus Bernstadt freut sich auf ein paar Tage zu Hause ohne Klinikatmosphäre und Therapie. Seit der Blutkrebs zurück ist, kämpft der Neunjährige darum, wieder gesund zu werden. © Yvonne Tasche

Das größte Geschenk zu Ostern? Für Ben Tasche und seine Familie sind es ein paar freie Tage zu Hause - ohne ständige Klinikbesuche in Dresden. Ganz ohne wird es zwar nicht gehen, denn alle drei Tage muss sein zentraler Venenkatheter - der Hickman - gespült werden. "Aber wir haben jetzt drei Wochen Pause und darauf freuen wir uns sehr", sagt Bens Mutter Yvonne Tasche.

Denn die letzten Monate waren für die Familie sehr hart: Erst die schmerzhafte Gewissheit Ende des Jahres, dass der Krebs zurück ist. Noch im Spätsommer 2019 schien die Leukämie überstanden. Dann folgten harte Wochen mit höher dosierter Chemotherapie. "Bens Körper hat diesmal sehr deutlich auf die Medikamente reagiert", schildert die Mutter. Immer wieder mussten sie wegen Fieberschüben selbst an den Tagen, an denen sie eigentlich zu Hause sein sollten, nach Dresden in die Uniklinik fahren. "Und Weihnachten hatten sich seine Schleimhäute - Mund und Magen - stark entzündet, so dass er nichts essen konnte", erinnert sich Frau Tasche mit Grausen an die Feiertage.

Anzeige
Die Leser auf allen Ebenen begeistern
Die Leser auf allen Ebenen begeistern

Alles dreht sich heutzutage um Content und um die beste Art, diesen aufzubereiten und vermarkten zu können. Die HUP GmbH bietet Lösungen.

Diabetes, Fieber und Thrombose

Hinzu kam dann auch noch eine Thrombose am Herzen und Diabetes - bedingt durch ein spezielles Medikament, das den Insulinspiegel im Körper völlig auf den Kopf gestellt hat. Mehrere Wochen musste Ben deshalb ständig seinen Blutzucker messen und Insulin bekommen. Auch Blutverdünner wegen der Thrombose waren nötig. "Er spritzt sich inzwischen sogar allein, die Schwestern staunen immer", erzählt Mutter Yvonne Tasche.

Ein "Glück im Unglück" war, dass Ben seinen besten Freund Karl in der Klinik wiedergetroffen hat. Immer, wenn sie zeitgleich in der Klinik waren, lagen sie in einem Zimmer und hielten sich gegenseitig aufrecht. "Es ist unglaublich, wie die beiden sich motiviert haben - wenn der andere nicht da war, hat man den Unterschied deutlich gemerkt", sagt Bens Mutter. Mehrere der kleinen Patienten, die 2018/19 genau wie Ben ebenfalls mit Leukämie in die Klinik kamen, hat der Neunjährige aus Bernstadt inzwischen wieder getroffen. Nicht alle haben durchgehalten. "Ein kleines Mädchen ist im Januar gestorben und ein anderer Junge, den wir auch kannten, ist vor einigen Tagen ebenfalls eingeschlafen", berichtet die Mutter. "Da bekommt man Angst."

Ärzte haben Spender im Visier

Dennoch haben die Tasches weiter Hoffnung. Zum einen, weil Ben nach wie vor ein Kämpfer ist und gesund werden will. Zum anderen, weil nun feststeht, dass er eine Knochenmarkstransplantation haben wird. "Es steht fest, dass er eine bekommt - allerdings noch nicht der genaue Termin", erklärt seine Mutter. Die Ärzte haben auf der Suche nach einem Spender 20 Personen ausmachen können, die infrage kämen. Drei seien angefragt worden und hätten prinzipiell auch zugesagt. Ein Hoffnungsschimmer. Denn die Ärzte haben deutlich gemacht, dass man nun auch bei Kindern bei einem Rückfall sofort zu einer Stammzellenspende neige, weil die Heilungschancen deutlich besser seien.

Ob einer der möglichen Spender vielleicht sogar bei der großen Typisierungsaktion in Bernstadt dabei war, die Bens Feuerwehr-Kameraden 2018 angestoßen hatten, wissen die Tasches zwar nicht. Aber sie sind froh, dass sie sich um einen passenden Kandidaten nicht sorgen müssen. "Bei Bens Freund Karl hat man sehr lange nach einem Spender suchen müssen", berichtet Yvonne Tasche. Inzwischen hat auch er Glück und wird bald seine Spende erhalten.

Familie schirmt sich ab

In der Klinik muss Ben nun natürlich wieder häufiger sein, seine Mutter ist immer bei ihm - was das Familienleben insgesamt nicht einfacher macht. Zum Glück hat die Familie in Dresden Freunde, die zwischendurch die Wäsche für Ben und seine Mutter waschen und etwas extra Leckeres zu Essen bringen, denn mit dem Appetit ist das im Moment so eine Sache. Vater Swen Tasche hatte die eingeschränkten Öffnungszeiten bei seiner Fleischerei in Bernstadt auch nach der vermeintlichen Heilung so belassen und ist nun froh darüber. Die Kunden nähmen die Zeiten auch sehr gut an, hätten viel Verständnis für die Lage. So viel und oft besuchen wie sie wollen, können der große Bruder und Bens Vater den kleinen Patienten aber eben nicht - auch, weil Ben nun besonders aufpassen muss, sich keine Infektion, schon gar nicht Corona einzufangen. "Wir schirmen uns als Familie schon ein bisschen mehr ab", bestätigt seine Mutter.

Kontakt zu Freunden, aber auch zu seiner Klasse und der Lehrerin hält der Junge, der eigentlich die Grundschule Schönau-Berzdorf besucht, vor allem digital. Schulaufgaben macht er im Krankenhaus auch: "Wenn er erst mal angefangen hat, macht es ihm auch großen Spaß", sagt seine Mutter mit einem Schmunzeln. Bevor er aber wieder richtig in die Schule gehen kann, muss er noch einen weiten Weg hinter sich bringen. Den Mut dazu hat er, da sind sich seine Eltern sicher. Doch bevor es Anfang April zur nächsten Therapie nach Dresden geht, wollen alle erst mal nur eines: in Ruhe die freien Tage genießen.

Mehr Nachrichten aus Görlitz und Umland lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Niesky und Umland lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Löbau und Umland lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Zittau und Umland lesen Sie hier.

Sie wollen die wichtigsten Nachrichten aus Löbau und/oder Zittau direkt aufs Smartphone gesendet bekommen? Dann melden Sie sich für Push-Nachrichten an.

Sie wollen schon früh wissen, was gerade zwischen Oppach und Ostritz, Zittauer Gebirge und A4 passiert? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter "Löbau-Zittau kompakt".

Wer uns auf Social Media folgen will:

Sie haben Hinweise, Kritik oder Lob? Dann schreiben Sie uns per E-Mail an [email protected]ächsische.de oder [email protected]ächsische.de

Mehr zum Thema Löbau