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Muss die Feuerwehr Tiere retten?

Mit Blaulicht eine Katze retten, die nicht mehr vom Baum runter kommt? Fälle wie dieser gibt es häufiger und sie kommen bei Feuerwehrleuten zunehmend schlecht an.

So ähnlich wie hier vor Kurzem in Hessen hat die Kiesdorfer Wehr eine Katze aus einem Baum gerettet. Tierrettung gehört zu den Aufgaben der Feuerwehr.
So ähnlich wie hier vor Kurzem in Hessen hat die Kiesdorfer Wehr eine Katze aus einem Baum gerettet. Tierrettung gehört zu den Aufgaben der Feuerwehr. © dpa

Im berühmten Kinderbuch von Hannes Hüttner ist das alles kein Problem: Bei der Feuerwehr kann schon mal der Kaffee kalt werden, wenn sie zum Einsatz muss - egal, ob Mensch oder Tier zu retten ist. Im wahren Leben fragen sich die Kameraden der freiwilligen Wehren aber bei manchem Einsatz schon, ob Blaulicht und Alarmierung wirklich nötig waren. So wie die Kiesdorfer Wehr, die jüngst am Sonntag zu einer Katzenrettung gerufen wurde.

Was war passiert? In der Rettungsleitstelle war am zweiten Sonntag im September ein Notruf eingegangen, dass eine Katze in einem Kiesdorfer Baum säße, nun aber nicht mehr runterfände. "Sie saß wohl seit zwei Tagen dort oben", fasst Kreisbrandmeister Björn Mierisch den Einsatzbericht zusammen, daher habe der Anrufer die Feuerwehr gerufen. Bei den Kiesdorfer Wehrmitgliedern hinterließ der Einsatz ein geteiltes Echo. "Wir haben solche Fälle in letzter Zeit häufiger, dass die Feuerwehr gerufen wird, obwohl es auch andere Lösungswege gegeben hätte", formuliert der neu gewählte Ortswehrleiter Sebastian Bronlik die Kritik diplomatisch und nennt ein weiteres Beispiel: Ein Mann hatte die Schönauer Wehr gerufen, weil er seinen Schlüssel verlegt hatte. Das hat ihn am Ende sicherlich mehr gekostet als ein Schlüsseldienst, denn er musste den Einsatz bezahlen. Auch solche Fälle wie eben jener mit der Katze nähmen zu.

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Leitstelle darf nicht eigenmächtig entscheiden

War der Notruf also nicht korrekt? Hätte die Leitstelle ihn ablehnen können? "Nein, die Leitstelle hat richtig gehandelt", erklärt Kreisbrandmeister Mierisch. Zumal Katzen Fluchttiere sind und es erwiesenermaßen wirklich vorkommen kann, dass sie am Ende nicht mehr wissen, wie sie auf den Baum gekommen sind - geschweige denn, wie sie ihn wieder verlassen können, erklärt er. Und die Feuerwehr ist eben sowohl für die Menschen - als auch für die Tierrettung zuständig. Geht also ein solcher Notruf ein, muss die Leitstelle Alarm auslösen. "Der Disponent hat nicht das Recht, die Angaben des Anrufers anzuzweifeln", macht Mierisch deutlich. Er sagt aber auch: "Es wäre in manchen Situationen sicher besser, man würde mit gesundem Menschenverstand eine andere Lösung finden." Ein Anruf bei den freiwilligen Feuerwehrkameraden des Ortes nach Feierabend oder auch bei der Gemeinde wäre hier angemessener gewesen, schließlich war das Tier ja nicht in akuter Gefahr.

Solche Lösungen bevorzugt auch die Feuerwehr von Ebersbach-Neugersdorf. Denn Stadtwehrleiter Thomas Kriegel und seine Kameraden hatten schon so ziemlich alles, was skurril ist: 2015 fischten sie erst einen verendeten Rehbock aus einem Teich, dann ein lebendes Reh. Im gleichen Jahr wurden sie an einem Sonntag früh um 6 Uhr gerufen, weil eine verletzte Taube in einer Dachrinne feststeckte. Und zu Rudi, den Schwanen-Stammgast auf den Neugersdorfer Teichen, rückte die Wehr im selben Jahr aus, weil Anwohner fürchteten, das Tier sei festgefroren. War es aber nicht.

Lösung im Oberland: Feste Truppe bei der Stadt

Für solche Einsätze wollen die Oberländer natürlich nicht mit Blaulicht ausrücken und die Kameraden von ihren Arbeitsplätzen oder aus den Betten holen. Deshalb plädiert Kriegel ebenfalls dafür, nicht gleich den Notruf zu wählen - sofern das Tier nicht in unmittelbarer Gefahr schwebt. "Wir haben in Absprache mit der Stadt eine separate Einsatzschleife eingerichtet", erklärt er weiter. Gemeint ist damit ein Team aus einem guten Dutzend Feuerwehrmitgliedern, die bei der Stadtverwaltung oder nachgeordneten Einrichtungen beschäftigt sind. Sie kümmern sich tagsüber unter der Woche um kleine Einsätze und Hilfestellungen wie beispielsweise Ölspuren, brennende Mülleimer, heruntergefallene Äste - und eben auch Tierrettungen. Das ist erheblich besser zu managen, als dass man Firmenchefs später erklären müsse, warum der Mitarbeiter jetzt zu einer Katze auf einem Baum den Arbeitsplatz verlassen musste.

Die Möglichkeiten einer Vor-Ort-Bereitschaft wie in Ebersbach-Neugersdorf haben die Kameraden auf dem Eigen zwar nicht. Der Kiesdorfer Wehrleiter Sebastian Bronlik wünscht sich daher vor allem, dass die Anrufer auch immer vor Augen haben, dass es ehrenamtliche Feuerwehrleute sind, die sie zum Einsatz rufen und die auf Arbeit dann alles stehen und liegen lassen. "Wir gehen immer hin, wenn wir gebraucht werden", macht er deutlich. Aber eine Katze im Baum muss man eben nicht mit Blaulicht retten. "Da wünschen wir uns mehr Verhältnismäßigkeit, sonst leidet die Motivation", erklärt er.

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