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Herrnhuter Bahn: Kohle dank Kohleausstieg?

Der grüne Bundestagsabgeordnete Stephan Kühn tritt für die Wiederbelebung der Bahnstrecke ein und will nun den Strukturwandel nutzen.

Stephan Kühn (links) am Bahnhof Obercunnersdorf im Juli dieses Jahres: Der Grünen-Politiker wirbt für die Wiederbelebung der Herrnhuter Bahnstrecke.
Stephan Kühn (links) am Bahnhof Obercunnersdorf im Juli dieses Jahres: Der Grünen-Politiker wirbt für die Wiederbelebung der Herrnhuter Bahnstrecke. © Matthias Weber/photoweber.de

Mitte Juli hat er bei einem Bürgermeistertreffen nochmals um Einsatz für die Wiederbelebung der Eisenbahn geworben. Jetzt hat er sich per Brief an den Görlitzer Landrat Bernd Lange (CDU), an Bahn-Vorstand Ronald Pofalla und den Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium Ernak Ferlemann gewandt: Der grüne Bundestagsabgeordnete Stephan Kühn will die Debatte um die Strecke zwischen Niedercunnersdorf und Oberoderwitz wach halten, während die Bahn noch mit der mit Spannung erwarteten Streckenprüfung befasst ist.

Als Kühn beim Sommertour-Treffen mit den Bürgermeistern von Kottmar und Oderwitz die Gemeinden ermuntern wollte, selbst eine neue Machbarkeitsstudie für Bahnverkehr auf der Strecke in Auftrag zu geben - denn die politischen Rahmenbedingungen haben sich nach Ansicht der Bahn-Befürwörter deutlich geändert - erntete er Skepsis. Auch Herrnhuts Bürgermeister Willem Riecke (Herrnhuter Liste) betonte zu dem Thema jüngst im Stadtrat, er sehe keinen Grund, warum die Kommunen jetzt ein Gutachten machen sollten, wo sich doch die Papiere stapelten. Grund für die eher ablehnende Haltung sind auch die engen finanziellen Spielräume für die Gemeinden Kottmar, Oderwitz und Herrnhut, die an der Strecke liegen.

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Nun bringt Kühn das seit Mitte August geltende "Strukturstärkungsgesetz Kohleregionen“ ins Spiel. Darin ist der Ausbau der Strecke Görlitz-Zittau für Geschwindigkeiten bis 160 Stundenkilometern inklusive Elektrifizierung vorgesehen. Kühn zweifelt aber, dass dies auf der Neißetalstrecke zeitnah umsetzbar ist, denn die Strecke führt zu Teilen über polnisches Staatsgebiet. Ein langwieriger Abstimmungsprozess wäre nötig.

Stattdessen schlägt er nun vor, für dieses Ausbauvorhaben eine Streckenführung von Zittau nach Görlitz über Herrnhut und Löbau zu prüfen und stellt die Strecke in einen größeren Zusammenhang: "In Verbindung mit der ebenfalls im Strukturstärkungsgesetz fixierten Elektrifizierung von Dresden nach Görlitz würde eine über Herrnhut führende und entsprechend ausgebaute Bahnstrecke Zittau-Görlitz ähnliche Fahrzeiten wie heute ermöglichen bei gleichzeitig weiteren positiven Effekten", sagt er und spielt dabei auf die gewünschte, bessere Verbindung Liberec-Zittau-Dresden sowie auch Zittau-Bautzen an.

Ob die Briefe Kühns Interesse wecken, ist noch nicht bekannt. Zumal Kühn absehbar wohl auch nicht mehr als Bundestagsabgeordneter und verkehrspolitischer Sprecher der Grünen unterwegs sein wird, denn im Herbst soll er zum Baubürgermeister der Stadt Dresden gewählt werden.

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