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Zum Heulen mit den Sirenen

Donnerstag ist der erste bundesweite Warntag. Doch der läuft im Kreis Görlitz anders als geplant. Welche Klippen es sonst so gibt, weiß Großschweidnitz.

Die moderne Sirene auf dem Gemeindeamt Großschweidnitz. Der Bürgermeister kann mit der Technik auch Durchsagen machen.
Die moderne Sirene auf dem Gemeindeamt Großschweidnitz. Der Bürgermeister kann mit der Technik auch Durchsagen machen. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Beim Thema Sirene kommen dem Großschweidnitzer Bürgermeister Jons Anders (parteilos) gewissermaßen die Tränen - der Wut. Nach den Hochwasser-Jahren hatte sich die Gemeinde entschieden, ein neues Alarmierungssystem anzuschaffen: Eine moderne, gern auch mal als "Trichter", "Horn" oder "Flüstertüte" bezeichnete Sirenenanlage kam aufs Gemeindeamts-Dach. Die kann die Großschweidnitzer nicht nur mit mehr oder minder langen Tönen warnen, sondern gibt auch die Möglichkeit für Durchsagen. Das Mikro dazu hat der Bürgermeister im Büro.

"Gedacht war das so: Wenn beispielsweise Hochwasser droht, können wir gleich mitteilen, wo es Sandsäcke gibt", sagt Anders, der eigentlich zu dem Thema gar nichts mehr sagen will. Zu tief sitzt der Frust, dass die rund 15.000 Euro teure Anlage seit einiger Zeit schlicht nicht optimal genutzt werden kann. Genauer gesagt, seit die Integrierte Rettungsleitstelle Ostsachsen in Hoyerswerda in Betrieb ist. Seitdem versucht der Bürgermeister, einen Anschluss für seine Sirene zu bekommen, damit sie von der Leitstelle mit ausgelöst werden kann. Aber das ist noch immer nicht gelungen, es fühle sich keiner zuständig, sagt er verbittert, er komme nicht weiter. Als es noch die alten Leitstellen vor Ort gab, habe es doch auch funktioniert.

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Oben auf dem Dach thront die moderne Sirene der Gemeinde Großschweidnitz. Nur bei der Verbindung zur Leitstelle hapert es noch.
Oben auf dem Dach thront die moderne Sirene der Gemeinde Großschweidnitz. Nur bei der Verbindung zur Leitstelle hapert es noch. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Kreis fällt bei Warntag aus dem Rahmen

Zwar sind solche Fälle wie Großschweidnitz die Ausnahme - aber mit anderen technischen Tücken hat die Rettungsleitstelle tatsächlich auch beim ersten bundesweiten Warntag an diesem Donnerstag zu kämpfen. Nach Angaben von Kreisbrandmeister Björn Mierisch sollten die Bürger eigentlich zwischen 11 und 11.20 Uhr ein ganz spezielles Warnsignal hören: Ein einminütiges Auf und Ab, das die Bürger auffordern soll, das Radio einzuschalten und sich über die Gefahrensituation zu erkundigen. Danach sollte ein einminütiger Dauerton folgen - Gefahr vorbei.

Doch daraus wird nichts: Entgegen der Ankündigungen werde es nur einen zwölf Sekunden langen Alarmton bei den 245 Sirenen im Landkreis Görlitz geben, der vielen vom ohnehin üblichen Probealarm einmal wöchentlich bekannt sein dürfte. Der Leiter der Integrierten Rettungsleitstelle (IRLS) in Hoyerswerda, Stefan Schumann, bestätigt das auf Anfrage. Hintergrund sind offenbar organisatorische und technische Gründe, schrieb dazu bereits der Landkreis Bautzen, der ebenfalls von der IRLS in Hoyerswerda betreut wird.

Sirenen liegen im Trend - sind aber teuer

Warntag hin oder her - Sirenen sind momentan dennoch durchaus im Trend, das bestätigt Ben Schütze, Niederlassungsleiter der Firma Hörmann in Zwenkau. Die Auftragslage sei stabil. Das Unternehmen ist sachsenweit unterwegs - auch im Kreis Görlitz wartet sie alte Anlagen - oft die berühmten alten "Tellerminen" auf den Dächern - oder baut auch neue, digitale auf. Neben Trebendorf und Quitzdorf hatten die Hörmann-Angestellten in den letzten Jahren auch in Königshain, Bad Muskau, Herrnhut, Großschweidnitz und Zittau zu tun. "Es gibt in der Region auch noch weitere Bestrebungen, wieder mehr Sirenen zu errichten, aber oft scheitert es an den Finanzen der Gemeinden oder Möglichkeiten für eine Förderung", skizziert Schütze die Lage. Denn mit 5.000 bis 12.000 Euro pro Sirene - je nach Ausführung - müsse man schon rechnen.

In der Tat hat auch die Stadt Löbau bereits Pläne in der Schublade liegen, um die derzeit sieben Sirenen im Stadtgebiet zu ergänzen. "Ein entsprechendes Konzept ist aktuell in Planung und soll in den kommenden Jahren umgesetzt werden", erklärt Pressesprecher Marcus Scholz. Dabei sollen die Sirenen "ausschließlich dem Bevölkerungsschutz, sprich als Warnsignal bei einer Gefahrenlage" dienen, betont er. Vielerorts ist das eine Folge der Hochwasserereignisse seit 2010. Nach der Wende waren nämlich - vor allem in den Städten - die Sirene abmontiert worden, weil man die Feuerwehren mit kleinen Handmeldern ausstattete und die Sirenen als überflüssig ansah. Doch nun gewinnen sie als Warnmöglichkeit für die Bürger wieder an Bedeutung.

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Das Thema Hochwasser und die dann benötigte Warnmöglichkeit war auch für Ostritz der ausschlaggebende Punkt, warum die drei Sirenen - zwei in Ostritz, eine in Leuba - über die Jahre immer gepflegt wurden, bestätigt Verwaltungsleiterin Manuela Aedtner auf Nachfrage. Eine Aufrüstung der Sirenenzahl sei derzeit aber nicht geplant.

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