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Polnische Investoren polieren Löbau auf

Gleich vier Häuser in der Äußeren Bautzner Straße sind verkauft - zum Teil wird gebaut. Die Eigentümer setzen auf mehr Wohn-Qualität und etwas typisch Deutsches.

Ein Viertel erwacht: Polnische Investoren sanieren fleißig in der Äußeren Bautzner Straße.
Ein Viertel erwacht: Polnische Investoren sanieren fleißig in der Äußeren Bautzner Straße. © Matthias Weber/photoweber.de

Die niedrige Tür gibt es noch - darüber thront der Himmel. Von der Nummer 6 in der Äußeren Bautzner Straße ist nur noch ein Stückchen Fassade vorhanden, den Rest haben die Bauarbeiter längst ratzekahl abgerissen: "Die Bausubstanz war zu schlecht - die Wände bestanden zum Großteil aus ungebrannten Ziegeln, die Statik stimmte nicht und die Decken waren sehr niedrig", schildert Pawel Nowak für die Eigentümerin die Lage. Und da dieses Haus nicht unter Denkmalschutz gestanden hat, entschieden sich die Investoren zu einem Neuanfang mit historischer Fassade, erklärt er.

Der 55-jährige Pole aus Krakau (Kraków) kennt sich in Löbau und mit Sanierungsarbeiten gut aus. Schon mehrere sanierungsbedürftige Häuser hat er Landsleuten, die in der Oberlausitz in Immobilien investieren wollten, vermittelt. Und nicht nur dort. Inzwischen macht er das nicht mehr beruflich - sondern als Privatier. Aus Leidenschaft. Aktuell sind es mehrere Häuser in der Äußeren Bautzner Straße, die deren Sanierung Nowak nun begleitet: Die Häuser Nummer 6 und die benachbarte Nummer 8, wo einst die kleine Lederreparatur logierte, sowie die Nummer 14, die manche noch als Sonnenstudio kennen, gehören einer junge Frau aus Breslau (Wroclaw), die nun gemeinsam mit ihrem Freund die Arbeiten vorantreibt. "Die drei Häuser waren im Paket zu haben", erklärt Nowak.

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Die Nummer 6 in der Äußeren Bautzner Straße in Löbau ist fast komplett abgerissen worden, weil die Bausubstanz schlecht war. Es stand nicht unter Denkmalschutz.
Die Nummer 6 in der Äußeren Bautzner Straße in Löbau ist fast komplett abgerissen worden, weil die Bausubstanz schlecht war. Es stand nicht unter Denkmalschutz. © Matthias Weber/photoweber.de
Blick vom Hinterhaus auf die Nummer 6: Hier entstehen moderne Wohnungen, die über eine Etage gehen. Zudem wird das Haus mit der Nummer 8 verbunden.
Blick vom Hinterhaus auf die Nummer 6: Hier entstehen moderne Wohnungen, die über eine Etage gehen. Zudem wird das Haus mit der Nummer 8 verbunden. © Matthias Weber/photoweber.de
Bruchsteine-Schichten und ungebrannte Ziegelsteine zeigen, dass das Haus eher von einfachen Handwerkern gebaut wurde. Die Häuser Nummer 6 und 8 in der Budissiner Vorstadt in Löbau sollten sogar mal abgerissen werden, um die Straße zu verbreitern, dann aber kam der Krieg dazwischen.
Bruchsteine-Schichten und ungebrannte Ziegelsteine zeigen, dass das Haus eher von einfachen Handwerkern gebaut wurde. Die Häuser Nummer 6 und 8 in der Budissiner Vorstadt in Löbau sollten sogar mal abgerissen werden, um die Straße zu verbreitern, dann aber kam der Krieg dazwischen. © Matthias Weber/photoweber.de

Was die Bauherrin plane, seien Wohnungen - und zwar solche, die über dem Standard in der Region liegen. "Ich habe viel Erfahrung, was sich vermieten lässt und habe ihr auch eine hochwertige Sanierung empfohlen", sagt Nowak. Hier in der Region seien die meisten sanierten Wohnungen mit eher schlichtem Standard ausgestattet: von einfachen Fliesen bis zur Raufasertapete. "Da muss man sich abheben, Wohnungen mit einem gewissen Etwas wie Parkett oder besonderen Fliesen anbieten", skizziert er. Nach diesen Wünschen habe sich auch der Görlitzer Architekt gerichtet, der die Planung und Bauüberwachung inne hat, sagt Nowak.

Mehr als nur Standard zu etwas höherer Miete

Der Erfolg gibt ihm recht: Die bisher nach seiner Vermittlung sanierten Wohnungen - in Löbau etwa 20 - sind zu hundert Prozent vermietet. Darauf hofft er auch bei den Nummern 6 und 8 in der Äußeren Bautzner Straße. Hier werden am Ende insgesamt sechs Wohnungen - inklusive Maisonette und solche mit großer Dachterrasse - entstehen. Beide Häuser sollen über einen gemeinsamen Eingang erschlossen werden. Die andere Haustür könnte künftig zu einer kleinen Gewerbeeinheit im Erdgeschoss führen. Die Kaltmieten werden zwischen 5,50 und 6 Euro pro Quadratmeter liegen - und damit etwas über dem Löbauer Durchschnitt.

Dass die Wohnungen in der einst so verfallenen Straße Interessenten finden, davon ist Pawel Nowak überzeugt. Zum einen saniert in der Nachbarschaft ein junger Mann derzeit ebenfalls ein Haus und auch der große neue Edeka-Markt kommt genau in dieses Areal. Zum anderen sorgen die polnischen Investoren auch selbst für weiteren Aufschwung in der Straße: Neben den vier Häusern im unteren Teil der Straße am Neumarkt - die Nummer 1a hat ebenfalls ein polnischer Investor gekauft, der gern in diesem Jahr mit der Sanierung noch beginnen möchte - ist auch das große Eckhaus mit der Nummer 41 am anderen Ende der Straße verkauft. "Ende 2020 konnte es der Vater der jungen Investorin erwerben", erklärt Nowak. Jetzt laufen die Gespräche für eine Sanierung, denn die Zeit drängt doppelt: Da das Dach dieses Hauses undicht ist und der Zustand des Gebäudes sehr schlecht, soll möglichst bald mit den Arbeiten begonnen werden.

Die Äußere Bautzner Straße 41 war lange im Besitz von Investoren, die in Frankreich angesiedelt sind. Getan hat sich an den Häusern über Jahre freilich nichts - zumindest nichts Gutes. Nun hat es ein polnischer Investor gekauft, er will so schnell wie mög
Die Äußere Bautzner Straße 41 war lange im Besitz von Investoren, die in Frankreich angesiedelt sind. Getan hat sich an den Häusern über Jahre freilich nichts - zumindest nichts Gutes. Nun hat es ein polnischer Investor gekauft, er will so schnell wie mög © Matthias Weber/photoweber.de

Möglich werden die Sanierungen natürlich auch dadurch, dass die Häuser alle im Stadtsanierungsgebiet liegen und damit die Eigentümer auch Fördergelder erhalten können. Damit hatte Oberbürgermeister Dietmar Buchholz (parteilos) schon vor Jahren bei Nowak geworben, denn die Stadt hat großes Interesse, diesen Straßenzug aus dem schmuddeligen Dornröschenschlaf zu wecken. Und da sich in der Äußeren Bautzner Straße auch in den vergangenen Jahren mit Sanierungen durch die Wobau schon einiges getan hat, könnte sich dieser Straßenzug nun recht schnell zu einem beliebten Viertel wandeln. "Die Lage ist doch gut: zentral, direkt an der Altstadt, nahe der Schulen, zudem gibt es einen Parkplatz, der auch den Mietern zugute kommen könnte", zählt Sanierungsexperte Nowak auf. Das beste aber: Der Verkehr ist seit dem Bau des Kreisverkehrs auf dieser Straße deutlich geringer geworden.

Warum Polen in deutsche Häuser investieren

Pawel Nowak jedenfalls sieht Potenzial in der Oberlausitz: "Mir gefällt die Region sehr gut", sagt der Mann, den einst ein Freund nach Löbau gelockt hat. Er selbst hat sich in der Rittergasse einen Zweitwohnsitz saniert, auch Sohn und Tochter haben Häuser gekauft, sanieren und vermieten. Ein Klient Nowaks ist auch der Besitzer von Gewandhaus und Klub Klinik. "Eigentlich war ja da ein Hotel geplant", bestätigt Nowak, doch die aktuelle Lage zwinge zum Umdenken. Es gebe bereits neue Ideen, betont er.

Der Krakauer ist jedenfalls in der Oberlausitz kein Unbekannter, auch in Görlitz - wo er schon nach der Wende als Mitarbeiter einer großen polnischen Bau- und Sanierungsfirma die Sanierung des Sparkassenhauptsitzes leitete - hat er inzwischen einiges vermittelt, im Oberland ebenso. Aber warum eigentlich investieren Polen so gern in deutsche Mietshäuser - es gäbe auf der anderen Seite der Neiße doch genug Sanierungsobjekte, wenn man sich die Fassaden anschaut? Pawel Nowak sieht dafür vor allem einen Grund: riesige Mentalitätsunterschiede beim Wohnen. "Einen Markt mit dauerhafter Vermietung wie in Deutschland gibt es in Polen praktisch nicht", erklärt er. Seine Landsleute setzen auf Eigentum, kaufen ein Haus oder eben eine Wohnung. Sogenannte "Mietshäuser" in Städten wie Bogatynia oder Zgorzelec gehören daher meist Eigentümergemeinschaften. Um da eine Fassade zu sanieren, braucht es die Einigkeit aller. Daher investieren die Polen lieber in den Standard ihrer Wohnung. Für Investoren ist der deutsche Markt daher attraktiver, benennt er einen wichtigen Punkt.

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