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Zittau ist Hochburg der Graffiti-Szene

Alle paar Tage stellt die Bundespolizei zwischen Oppach und Oybin neue Schmierereien fest. Ein bestimmter Ort ist eine regelrechte Sprayer-Bühne.

Oberkommissar Frank Bödiger ermittelt bei der Bundespolizei gegen Graffiti-Straftaten - wie hier am Bahnhof in Ebersbach.
Foto: Bundespolizei
Oberkommissar Frank Bödiger ermittelt bei der Bundespolizei gegen Graffiti-Straftaten - wie hier am Bahnhof in Ebersbach. Foto: Bundespolizei © Bundespolizei

Gefühlt liest man es beinahe jeden Tag: Meldungen der Bundespolizei von mit Graffitis verschmierten Zügen, Wartehäuschen, Bahnhofsgebäuden oder anderen Bahnanlagen. Die Geschädigten bleiben meist auf den immensen Kosten sitzen. Kaum ein Täter wird je erwischt - denn die agieren in jeder Hinsicht im Dunkeln. Tatsächlich aber sind die Fallzahlen nicht gestiegen. 73 solcher Graffiti-Straftaten im Bahnbereich zählt die Bundespolizeiinspektion Ebersbach bis Ende September - genauso viele wie im Vorjahreszeitraum. Aber: Zittau gilt bei den Ermittlern als Hot-Spot der Sprayer-Szene - und das hat Gründe.

Oberkommissar Frank Bödiger ist bei der Bundespolizei in Ebersbach der Spezialist für Graffiti-Straftaten. "Es hat ja Gründe, warum es in Zittau einen Laden für Graffiti-Bedarf gibt", sagt er. Natürlich sei weder am Verkauf noch am Besitz von Farbsprühdosen irgendetwas Illegales - aber der Handel mit solchen Utensilien funktioniert natürlich nur dort, wo es auch eine genügend große Menge von Abnehmern gibt. "In der Vergangenheit hatten wir immer wieder Ermittlungsverfahren gegen Zittauer", sagt Bödiger. Zittau hat eine Hochschule mit vielen jungen Menschen und außerdem eine traditionell linke Szene. "Natürlich ist nicht jeder aus der linken Szene ein Sprayer", sagt Bödiger. Aber beide Faktoren - Hochschule und linke Szene - würden eben die Bildung eines Hot-Spots begünstigen.

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Mit Riesen-Schulden ins Berufsleben

Und ein Ort in Zittau dient der Sprayer-Szene eben auch als regelrechte Bühne: die Eisenbahnbrücke an der Schillerstraße. Der letzte Fall liegt erst rund zwei Wochen zurück. In der Nacht des 23. September entdeckte eine Polizeistreife ein frisches Graffiti an der Bahnbrücke mit schwarzer und lila Farbe. Der Sachschaden: rund 100 Euro. Was gerade diese Brücke für Sprayer so attraktiv macht: "Wegen der Ampel müssen dort viele Autofahrer anhalten. So werden die Graffitis von vielen Menschen gesehen", erklärt Oberkommissar Bödiger - Sprayer wünschen sich eben auch Publikum.

Dieses Publikum suchen die Sprayer vor allem auch in der eigenen Szene. "Die Leute kennen sich und brüsten sich mit ihren Graffiti in den sozialen Medien", sagt Bödiger. Die Ermittler durchforsten daher anlassbezogen auch immer wieder mal das Internet. "Aber da handelt es sich um geschlossene Gruppen, in die man natürlich nicht so einfach reinkommt", sagt der Oberkommissar. Aber: Ein Schlag gegen die Sprayer-Szene führt oft zur Aufklärung vieler Fälle. Bei einer Wohnungsdurchsuchung im Oktober in Bautzen und Bischofswerda etwa gingen den Ermittlern drei junge Sprayer ins Netz. Einem 19-Jährigen ordnen die Ermittler seitdem 24 Taten mit einem Schaden von rund 6.400 Euro zu. Unter anderem waren den Ermittlern nämlich sogenannte "Blackbooks" in die Hände gefallen. Darin zeichnen die Sprayer ihre Graffiti-Entwürfe. Ein astreines Beweismittel - denn auch die Bundespolizei führt Buch. "Seit 2007 haben wir eine in jedem Streifenwagen abrufbare Datenbank. Darin steht, was, wann und wo gesprüht worden ist, mit Links zu Bildern von den gesprühten Motiven", erklärt Bödiger.

"Uns gelingt nicht jedes Jahr ein Riesenerfolg", sagt Frank Bödiger. Aber wenn, so begegnet ihnen stets die gleiche Täter-Klientel. "Täter, die wir namhaft machen konnten, waren überwiegend Jugendliche, die das toll fanden", so der Ermittler - und die sich offenbar keine Gedanken über die Folgen ihrer Taten machen. Denn die Kosten für die Beseitigung von Graffiti gehen schnell in die Tausende. "Das zahlt den Tätern keine Versicherung. Und die jungen Leute stehen dann manchmal mit 15.000 Euro Schulden am Anfang ihres Berufslebens", sagt Bödiger.

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