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Große Dealer in Wahrheit kleine Lichter

Das Landgericht Görlitz verurteilt zwei Schönbacher und einen Eibauer. Ihr Dilettantismus rettet sie vor harten Strafen.

Vor dem Landgericht Görlitz kamen die Schönbacher Drogenhändler glimpflich davon.
Vor dem Landgericht Görlitz kamen die Schönbacher Drogenhändler glimpflich davon. © Timotheus Eimert (Archiv)

Wenn im Gegenzug eine geringe Strafe herausspringt, lässt man sich vor Gericht wahrscheinlich gerne als "Dilettant" und "Anfänger" bezeichnen - so jedenfalls dürfte es den drei Angeklagten gegangen sein, die das Landgericht Görlitz am Dienstag wegen Drogenhandels im großangelegten Stil zu Bewährungsstrafen verurteilte. Angesichts der Anklage, die teilweise auf "bewaffnetes Handeltreiben mit Drogen" lautete, ein überaus mildes Urteil. Aber im Prozess war eben herausgekommen: Da saßen keine Schwerverbrecher auf der Anklagebank - sondern drei ganz kleine Lichter.

Als die Polizei im Juni 2018 mit einem Großaufgebot in einem Anwesen in Schönbach anrückte, schien es, als sei ein Schlag gegen eine Bande Oberlausitzer Drogenbarone gelungen. Beinahe 3,4 Kilogramm Marihuana stellten die Ermittler dort im Zimmer eines 25-Jährigen sicher - nebst zahlreicher griffbereiter Waffen wie Messern oder einer CO2-Pistole. Der im selben Anwesen wohnende 29-jährige Bruder soll mit der Besorgung der Drogenmenge zu tun gehabt haben. In die Fänge der Polizei geriet außerdem ein 25-jähriger Eibauer, der im Verdacht stand, die Drogen aus diesen Beständen zu verkaufen. Zumindest dem jüngeren der beiden Schönbacher Brüder drohte wegen der Anklage eine Mindeststrafe von fünf Jahren Haft.

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Sie fanden keine "Kiffer mit Kohle"

Doch im großen Drogengeschäft erwiesen sich alle drei Männer als blutige und stümperhafte Anfänger. "Man hatte sich schön ausgemalt, was für ein schönes Leben man sich machen kann", sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Und so hatte sich der 25-jährige Schönbacher Haupttäter gleich mächtig überhoben. "Für einen Anfänger hat er sich eine erhebliche Menge beschafft", so der Staatsanwalt weiter. Auf Vermittlung eines unbekannt gebliebenen Görlitzer Mittelsmannes hatte der junge Mann sich das Marihuana in zwei Tranchen von je zwei Kilogramm in Dresden gekauft - das Ganze auch noch mit bei einem ahnungslosen Kumpel geliehenen 9.000 Euro.

Noch ehe der Drogenhandel überhaupt in Schwung kam, erwies sich der mitangeklagte Eibauer bei der Suche nach Kunden als so schwatzhaft, dass jemand aus seinem Bekanntenkreis die ganze Sache alsbald der Polizei steckte. "Der Businessplan hatte einen Haken", sagte der Staatsanwalt. Denn um so eine Menge Marihuana zu verkaufen, "brauchte man nicht nur Abnehmer, sondern auch betuchte Abnehmer - also Kiffer mit Kohle", wie der Staatsanwalt es salopp nannte. So saßen sie noch auf dem größten Batzen der angekauften Drogen, als die Polizei anrückte. "Deshalb ist jetzt alles weg - und die Schulden bleiben."

Der Staatsanwalt hielt allen drei Angeklagten zugute, dass sie aus dem Vorfall gelernt und seitdem nichts mehr mit Drogen zu tun hätten. Auch sei keiner der Angeklagten bisher strafrechtlich in Erscheinung getreten. Die Anklage forderte daher für den Haupttäter eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren. Trotz "bewaffneten Handeltreibens" handele es sich um einen minderschweren Fall, weil der junge Mann die Waffen nachweislich nie habe nutzen wollen, um "seinen Schatz zu beschützen". Die Tatbeteiligung seines älteren Bruders bestand darin, seinem jüngeren Bruder eine Kredit-Tranche von 4.500 Euro verschafft zu haben - wohlwissend, dass der damit Drogen kaufen würde. Für ihn forderte der Staatsanwalt eine Bewährungsstrafe von zehn Monaten und für den Eibauer, der zu fünf Gelegenheiten insgesamt rund 75 Gramm verkauft hatte, 16 Monate auf Bewährung. 

"Monströse Anklage"

Die Verteidiger der drei Angeklagten schlossen sich im wesentlichen den Forderungen der Staatsanwaltschaft an. Auch sie bezeichneten die jungen Männer als "dilettantisch" und nicht in der Lage, einen großangelegten Drogenhandel aufzuziehen. "Die monströse Anklage hat sich bei näherem Hinsehen als wesentlich geringerer Vorwurf entpuppt", so eine Verteidigerin. Alle drei hätten zudem gezeigt, dass sie sich seit dem Vorfall von Drogen und kriminellen Machenschaften fernhalten.  

Das Landgericht verurteilte den Hauptangeklagten schließlich zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren, die beiden anderen zu einem Jahr und zwei Monaten auf Bewährung. Zusätzlich müssen die Männer 50 bis 100 Arbeitsstunden ableisten.

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