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Lochberg-Randale immer schlimmer

Vandalismus am Schönbacher Aussichtspunkt ist nichts neues, beklagt einer, der die Anlage pflegt. Aber was sich jetzt abspielt, ist gefährlich - und strafbar.

Ehrenamtliche pflegen die Lochbergaussicht in Schönbach. Doch es gibt immer wieder Ärger mit Randalierern.
Ehrenamtliche pflegen die Lochbergaussicht in Schönbach. Doch es gibt immer wieder Ärger mit Randalierern. © Archivfoto: Rafael Sampedro

Daniel Neitsch kann es nicht fassen. Den ganzen Sommer geht das schon so, dass auf der Lochbergaussicht am Ortsausgang von Schönbach randaliert wird. Gemeinsam mit einem weiteren Schönbacher pflegt Neitsch den schönen Aussichtspunkt auf einer Anhöhe am Ortsausgang. Freiwillig und ehrenamtlich. Wie liederlich und gleichgültig andere damit umgehen, ärgert ihn deshalb. Aber das, was er jetzt eines Morgens nach der Nachtschicht entdeckte, setzt dem Ganzen die Krone auf: 30 Leitpfosten vom Ortsausgang Schönbach bis zur Lochbergaussicht waren rausgerissen. Vier Stück davon sogar inklusive Sockel, schildert er. 

Oft führt den jungen Mann sein Weg nach der Schicht auf dem Heimweg erst mal zum Lochberg, um nach dem Rechten zu sehen. Dass an der Landstraße die Pfähle rausgerissen werden, die eigentlich Autofahrern den Weg weisen sollen, scheint zum Volkssport geworden zu sein, sagt Neitsch. Seit den Sommerferien hat er das vermehrt festgestellt. "Auf unseren täglichen Kontrollfahrten zur Lochbergaussicht beheben wir die Schäden immer gleich selbst. Würde ich deswegen jedes Mal die Polizei anrufen, bräuchte ich eine Standleitung." So hat er auch den jüngsten Schaden nicht gemeldet. "Wenn das aber noch mal vorkommt, werde ich mal direkt in Löbau auf dem Revier vorsprechen." 

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Ohne eine solche Anzeige kann die Polizei auch nichts dagegen unternehmen. "Das wird nicht immer angezeigt", bestätigt Sprecherin Anja Leuschner von der Polizeidirektion Görlitz. Deshalb sei auch schwer zu sagen, wie oft so etwas passiert. Ein Dummer-Jungen-Streich" sei das Herausreißen von Leitpfosten aber keinesfalls. Es kann zum Beispiel als gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr gewertet werden. Eine Sachbeschädigung ist es allemal. Im schlimmsten Fall könne es Unfälle geben, wenn die Leitpfosten fehlen. 

Kosten bleiben bei Straßenmeisterei

Das Ganze wieder in Ordnung zu bringen, dafür sind dann die Mitarbeiter der Straßenmeistereien beim Landkreis Görlitz zuständig. Die Kosten, so einen Pfahl zu ersetzen, gibt die Kreisbehörde mit 50 Euro pro Stück an - für Material und Arbeitsleistung. Bei 30 Leitpfosten, wie sie jetzt in Schönbach herausgerissen worden waren, sind das immerhin 1.500 Euro. Auf den Kosten bleibt die Straßenmeisterei meist sitzen, denn die Aufklärungsquote ist gering, die Verursacher werden in den seltensten Fällen gefunden.  

Die Lochbergaussicht mit ihren Sitzmöglichkeiten ist ein beliebter Treffpunkt.
Die Lochbergaussicht mit ihren Sitzmöglichkeiten ist ein beliebter Treffpunkt. © Archivfoto: Romy Altmann-Kühr

Der Schönbacher Daniel Neitsch hat da allerdings einen begründeten Verdacht. "Wir gehen fest davon aus, dass es Jugendliche sind. Denn komischerweise passiert das immer nur dann, wenn sie auf der Lochbergaussicht feiern. Da wird der Alkohol sein Übriges tun", vermutet Neitsch. Zwei Kästen Bier seien da erst der Anfang. "So schlimm wie dieses Jahr war es mit Sachbeschädigungen und Randalieren lange nicht mehr."

In den gesamten Sommerferien sei die Lochbergaussicht von Jugendlichen in Beschlag genommen worden, die dort oben beinahe täglich abends gefeiert haben, erzählt der Schönbacher. Bis zu 40 Leute seien es mitunter gewesen. "Dementsprechend sah es dann auch auf der Lochbergaussicht aus." Er und sein Kompagnon, die das Gelände pflegen, haben eine große DDR-Blechmülltonne am Aussichtspunkt aufgestellt. Zu ruhigeren Zeiten leerten sie die Mülltonne ein Mal im Monat. Durch die fast täglichen Partys mussten sie zuletzt aller anderthalb bis zwei Wochen den Müll entsorgen. 

Schäden am Mähdrescher

Dass Straßenpfähle rausgerissen werden beobachten die Freiwilligen schon längere Zeit. Bis vor einigen Monaten waren es aber immer wieder nur einzelne. "Wir haben sie wiedergefunden und eingesteckt." Ein Volkssport sei es inzwischen auch geworden, die rausgerissenen Pfähle ins Getreidefeld zu werfen. Werden sie nicht gefunden, landen sie auch mal im Schneidwerk eines Mähdreschers. Das kann Schaden an den Geräten anrichten.  

Die beiden Freiwilligen, die den Aussichtspunkt pflegen und auch viele andere Schönbacher, so erzählt Neitsch, hätten mittlerweile kaum mehr eine Chance den Aussichtspunkt zu nutzen. Er sei immer von Jugendlichen belegt. Manche Schönbacher resignierten gar schon und gingen gar nicht mehr hoch. "Wir haben nichts gegen die Nutzung des Aussichtspunktes - nur sollte das zivilisiert ablaufen."

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