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Verrückte Zahlenspiele

Rentner Ulrich Lück aus Neugersdorf sammelt Briefmarken - aber nicht irgendwelche. Schnapszahlen spielen eine besondere Rolle. Damit stellt er auch ein paar Rekorde auf.

Von Romy Altmann-Kuehr
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Ulrich Lück mit seinem Briefmarkenalbum. Im Hintergrund seine zweite Leidenschaft: die Kennedy-Sammlung.
Ulrich Lück mit seinem Briefmarkenalbum. Im Hintergrund seine zweite Leidenschaft: die Kennedy-Sammlung. © SZ

Was er am 22. Februar machen wird, weiß Ulrich Lück schon ganz genau. Der Neugersdorfer wird sich dann auf den Weg zur Poststelle machen. Und sich dort einen Post-Stempel von diesem besonderen Datum holen: 22.2.2022. Hinzu kommt noch die Postleitzahl von Neugersdorf, die ebenfalls doppelte Zahlen enthält: 02727.

Schon am 2. Februar war er bei der Post, die jetzt in der Buchhandlung Haußig an der Hauptstraße ist. Auch da gabs einen Stempel mit Schnapszahl. Ulrich Lück ließ sich gleich mehrere Belege abstempeln, denn er schickt welche an seinen Sammlerfreund Michael von Nordheim nach Thüringen. Der ist ebenfalls seit Jahrzehnten Sammler und hat mit Lück schon einige Raritäten ausgetauscht. Auch auf den Stempel mit den vielen Zweien freut er sich schon. "Ich bin wirklich dankbar, dass die Post-Mitarbeiter mir immer einen Handstempel aufdrücken", sagt der leidenschaftliche Briefmarkensammler Lück. Der sieht schöner aus, als die Maschinenstempel, die es heute üblicherweise gibt, findet er.

Einen Poststempel mit dem Aufdruck 22.2.22 hat Sammler Lück bereits in seinem Album - der ist sage und schreibe 100 Jahre alt. Denn Ulrich Lück hat Briefmarken mit Poststempeln sämtlicher Schnapszahldaten des 20. und 21. Jahrhunderts gesammelt.

Los geht's am 1.1.1900. Um 1 Uhr ist an diesem Tag die Briefmarke abgestempelt worden. Es ist der älteste Poststempel mit einer Schnapszahl, den Ulrich Lück in seiner Sammlung hat. Die füllt vier dicke Alben. Das ist aber nur der Teil der Sammlung, der sich um Schnapszahlen dreht. Seit über 65 Jahren pflegt der Neugersdorfer seine Sammelleidenschaft und gehört seit vielen Jahrzehnten dem Neugersdorfer Philatelistenverein an. Dort hat er auch eine Kindergruppe gegründet, um den Nachwuchs für das Hobby zu begeistern.

Am 2.2.2022 hat Ulrich Lück sich bei der Post in Neugersdorf den unter Sammlern begehrten Stempel geholt.
Am 2.2.2022 hat Ulrich Lück sich bei der Post in Neugersdorf den unter Sammlern begehrten Stempel geholt. © SZ

Das Briefmarkensammeln hat in Neugersdorf durchaus Tradition. Die Stadt im Oberland war in den 1920er bis 40er Jahren eine Hochburg der Philatelie, berichtet Lück. So gab es sogar fünf Briefmarkengeschäfte in Neugersdorf, weiß er.

Lücks Leidenschaft gilt den Briefmarken mit Motiven von John F. Kennedy. Einen Teil seiner riesigen Sammlung hat er sogar schon dem Postmuseum in Berlin eine Zeit lang ausgeliehen, seine Kennedy-Marken wurden dort ausgestellt.

Seit Anfang der 1990er Jahre sammelt Lück zudem speziell die Marken mit Schnapszahlstempeln. Die Stempel und Marken aus der Zeit bis 1945 sind dabei recht schwer zu bekommen, sie sind selten. "In diesen Zeiten ist ja auch viel weggekommen", sagt Lück. Deshalb sind diese Raritäten unter Sammlern besonders gefragt. Lück hat sie alle lückenlos: den 2.2.1922, den 3.3.1933, den 4.4.1944 und so weiter. "Die Stempel aus diesem Jahrhundert sind dann Massenware und nichts so Besonderes mehr." Trotzdem hat Ulrich Lück sie weiter gesammelt, eben bis zum 2.2.2022.

Dabei gibt es neben den Daten noch weitere Besonderheiten, auf die Sammler wie Ulrich Lück Wert legen. So machen zum Beispiel Postleitzahlen mit Zahlenwiederholungen einen Stempel wertvoller oder auch die Uhrzeit. Den Sammlern geht es darum, so viele gleiche Ziffern wie möglich auf dem Stempel zu haben. Ein besonderer Coup ist Ulrich Lück in dieser Hinsicht am 9.9.1999 gelungen: Von diesem Tag hat er tatsächlich einen Stempel aus der Gemeinde Körner in Thüringen mit der Postleitzahl 99999.

Aber wie kommt man eigentlich an einen Poststempel aus Körner? "Ich suche mir die passenden Postleitzahlen heraus und schreibe an das Postamt vor Ort." Die Mitarbeiter seien in der Regel sehr entgegenkommend, stempeln am entsprechenden Datum ab und schicken die Belege zurück. Die alten Stempel aus früheren Zeiten hat Lück von anderen Sammlern getauscht, in Sammlerbörsen oder bei Ebay Kleinanzeigen erworben.

Aktuell gibt es die Postleitzahl mit fünfmal der Zahl neun übrigens nicht mehr. Die thüringische Gemeinde Körner hat eigentlich die Postleitzahl 99998 und damit die höchste in Deutschland. Die Sonderzahl 99999 führten die Gemeinde und die Deutsche Post am 9.9.1999 ein - aber nur bis zum damaligen Jahresende.

Nach wie vor aktiv ist die Postleitzahl der Stadt Erfurt: 99099. Auch von dort hat Lück eine Marke vom 9.9.1999, abgestempelt um 9 Uhr.

Und ein Rekord, auf den der Neugersdorfer besonders stolz ist, hat mit seinem Frisörmuseum zu tun, das er in Privatinitiative führte. Zum 11.11.2011, zum zehnjährigen Jubiläum des kleinen Privatmuseums, ließ er sich vom Postdienstleister Postmodern einen eigenen Stempel anfertigen. Insgesamt 32 Mal taucht dort die Zahl elf auf, 64 Mal die Ziffer eins. "Das ist einmalig", sagt Ulrich Lück.

Inzwischen hat der 81-Jährige sich entschlossen, große Teile seiner Sammlung abzugeben. Denn jemanden in der Familie oder dem Bekanntenkreis, der sein Hobby teilt und sie übernehmen will, gibt es nicht. Er sucht deshalb den Kontakt zu Tauschpartnern und anderen Sammlern.