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Verwirrung um Maskenpflicht in Kitas

In einigen Kitas sind die Hinweisschilder auf den Mund-Nasenschutz abgenommen worden, Eltern und Großeltern "oben ohne" unterwegs. Was wirklich vorgeschrieben ist.

Muss man in Kitas Maske tragen?
Muss man in Kitas Maske tragen? © dpa-Zentralbild (Symbolfoto)

Emma Müller* holt ihre Tochter aus einer Löbauer Kita ab. Bevor sie das Gebäude betritt, setzt sie den Mund-Nasenschutz auf. Im Kindergarten besteht Maskenpflicht. Draußen nimmt Frau Müller die Maske wieder ab. Zu zeitig eigentlich. Denn auch auf dem Außengelände der Kita ist der Mund-Nasenschutz (MNS) Pflicht. Erst, wenn sie das Tor der Kita hinter sich schließt, darf die Maske in die Handtasche zurück. Beim anschließenden Wochenendeinkauf im Supermarkt zusammen mit ihrer Tochter bleibt die Maske dann aber weg. Denn die Inzidenz liegt im Landkreis Görlitz weiter unter 10. Da braucht es – so ist in der Sächsischen Corona-Schutzverordnung nachzulesen – keine Maske. Das Hin und Her findet Frau Müller schwer nachvollziehbar. „Eigentlich sehe ich da nicht mehr durch“, sagt sie.

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Auch der Kittlitzer Hort hat das Hinweisschild zur Maskenpflicht mit Ferienbeginn nicht entfernt. Wenn Eltern aus Versehen – wie es manchmal passiere – ihre Maske vergessen, „warten sie dann draußen am Tor auf ihr Kind“, erzählt eine Erzieherin. Die ständig neuen Verordnungen seien auch nicht so einfach zu verstehen, sagt sie noch.

Im Kindergarten Löbau Ost bestätigt eine Mitarbeiterin: „Die Eltern müssen wieder Maske tragen.“ Sie erklärt sich das so, dass die Jüngsten nicht getestet werden. Seitens der Eltern gebe es keine Diskussionen. Sie würden sich an die Vorgaben halten. Wie die Durchsetzung der Maskenpflicht in den Einrichtungen gehandhabt wird, sei wahrscheinlich verschieden, meint die Pädagogin. Die Erzieherin einer Zittauer Einrichtung, die nicht genannt werden möchte, erzählt, dass sie „keine Oma wegschickt, wenn diese bei hochsommerlichen Temperaturen im Außenbereich keine Maske aufsetzt.“ Die Maskenpflicht draußen an der frischen Luft im Kita-Gelände bei den aktuell niedrigen Corona-Zahlen sei kaum verständlich.

Offenbar war zum Ferienbeginn nicht allen Einrichtungen genau bekannt, wie das nun mit dem Mund-Nasen-Schutz geregelt ist. Mancherorts gingen die Eltern die ersten Tage „oben ohne“, die Schilder mit dem Hinweis auf das Maskentragen waren bei einigen Einrichtungen kurzzeitig verschwunden. Dabei sei die Maskenpflicht für die Kindereinrichtungen gar nicht aufgehoben gewesen, wie Susanne Lehmann, Leiterin des Landratsbüros, erläutert. Und auch, dass das ebenfalls für die Bereiche außerhalb der Gebäude gilt. Verstöße stellten Ordnungswidrigkeiten dar. Doch wer kontrolliert das? Zuständig dafür seien die Ortspolizeibehörden, so Susanne Lehmann.

Bei der kostenfreien Bürgerhotline des Freistaats dagegen - die rund um Corona und auch zu Fragen bezüglich der aktuellen Schutzverordnung berät - erklärt eine freundliche Frauenstimme am Telefon, dass im Außenbereich der Kitas keine Maske aufgesetzt werden müsse.

Was stimmt nun? Dirk Reelfs, Pressesprecher des Sächsischen Kultusministeriums (SMK), möchte gern aufklären, räumt aber gleichzeitig ein: „Ich verstricke mich auch immer wieder im Gestrüpp der Verordnungslage.“ Er verweist auf die „Schul- und Kitabetriebseinschränkungsverordnung“. Die ist seit dem 24. Juli gültig. Sieben Seiten ist das Papier lang. Die Verordnung beinhaltet unter anderem die Maskenpflicht. Die liest sich für Kindereinrichtungen ein bisschen anders als die Sächsische Corona-Schutzverordnung. Demnach müssen einrichtungsfremde Personen unabhängig von der Sieben-Tage-Inzidenz bei Aufenthalt in der Kita und auf dem Außengelände eine Maske tragen. „Einrichtungsfremd“ - das sind zum Beispiel Eltern oder Großeltern. Die Maskenpflicht gilt aber nicht für die Kinder und auch nicht für das Personal. Warum das so ist, beantwortet der SMK-Sprecher so: „Diese Regelung wurde ergriffen, weil es aufgrund des Alters der Kinder unmöglich ist, Abstände einzuhalten.“ Dirk Reelfs erläutert, dass Kinder auch auf andere Erwachsene, die wiederum ihre Kinder aus Kita oder Hort abholen, zugehen könnten. Dann werde eine Distanz möglicherweise nicht eingehalten. Deshalb sollen die Erwachsenen, die nicht zur Einrichtung gehören, Maske tragen, um mögliche Übertragungswege zu verhindern. Es müsse alles getan werden, damit die Kitas und Horte offen bleiben.

* Name geändert

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