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Lenie bei RB Leipzig auf dem Weg zur Fußball-Spitze

Als kleines Mädchen fängt Lenie Pospischil aus Kittlitz auf dem Schulhof an, Fußball zu spielen. Nun ist sie beim RB Leipzig auf dem Sprung in die Frauen-Bundesliga.

Lenie Pospischil (16) aus Kittlitz kickt bei der Jugend des RB Leipzig.
Lenie Pospischil (16) aus Kittlitz kickt bei der Jugend des RB Leipzig. © Markus van Appeldorn

Wo Lenie Pospischil (16) gegen den Ball tritt, ist sie meistens das einzige Mädchen auf dem Platz - umgeben von zehn Jungs der eigenen und elf der gegnerischen Mannschaft. Und die sind ihr in aller Regel auch schon körperlich und athletisch überlegen. Aber genau dieses ganz spezielle Training ist das Geheimrezept ihrer noch jungen Fußball-Karriere - und hat sie bis in den U17-Mädchen-Nachwuchskader des Spitzenvereins RB Leipzig gebracht. Und wenn alles gut geht, wird sie dort schon bald mit der Damen-Elf in der Bundesliga spielen.

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Sport ist Lenie sicher in die Wiege gelegt. "Im Kindergarten habe ich mit Leichtathletik beim OSC Löbau begonnen", erzählt sie. Vom OSC aus gelangte ihre jüngere Schwester Selma (14) zur Kaderschmiede der Leichtathletik, der Sportschule in Dresden und gilt dort als Olympia-Hoffnung. Und Lenie vertritt ihre Schule, das Löbauer Geschwister-Scholl-Gymnasium, auch noch regelmäßig als Leichtathletin bei Schul-Wettkämpfen. Dennoch: Sportlich hat sie inzwischen einen anderen Weg eingeschlagen.

Die Anfänge auf dem Pausenhof

"Schon in der Kittlitzer Grundschule habe ich meine Liebe zum Fußball entdeckt", sagt Lenie. Neben dem Schulhof gibt es dort eine Fußballwiese. "In der Pause haben wir dort immer Fußball gespielt und sogar kleine Pausen-Turniere organisiert", erinnert sie sich. In der 3. Klasse fing sie dann beim SV Horken Kittlitz an zu kicken. Und ihre Leichtathletik-Trainerin vom OSC stellte sie damals vor eine Entscheidung: Fußball oder Leichtathletik - beides gemeinsam ließe sich nicht erfolgreich betreiben. "Die Entscheidung war nicht leicht, fiel aber dennoch klar für den Fußball aus", sagt sie.

Wie richtig sie mit dieser Entscheidung lag, zeigte sich alsbald. Mit ihrer Kittlitzer Mannschaft lief sie beim Enso-Cup in Neusalza-Spremberg auf. Dieses Turnier dient auch als Talentsichtungs-Wettbewerb. Und Lenies Talent am Ball entdeckte dort der Betreiber der Oppacher Fußballschule "Kickfixx". "Das Turnier war hauptsächlich mit Jungs. Und wenn man da als Mädchen spielt und ein paar geile Aktionen hat, fällt das auf", erzählt Lenie. Mit gerade einmal zehn Jahren begann Lenie, mit den Jungs in Oppach zu trainieren und gleichzeitig auch noch bei der Mädchen-C-Jugend in Spitzkunnersdorf. Das war schon ein anspruchsvolles Trainings-Pensum. "Dreimal die Woche zum Training und einmal die Woche noch zum DFB-Stützpunkt-Training nach Görlitz, um an der Technik zu feilen", erzählt sie. Es folgte die Berufung in die Kreis-Auswahl und schließlich sogar in die Sachsen-Auswahl. Lenie war präpariert für den nächsten Karriere-Schritt.

Training mit stärkeren Jungs

Denn bei der Sichtung für die Landesauswahl wurde dann der große Ehrgeiz in Lenie geweckt. Die fand nämlich an der Egidius-Braun-Sportschule in Leipzig statt - mit dabei auch viele Nachwuchstalente des RB Leipzig. "Die Trainingskleidung und Ausrüstung von denen, das fasziniert natürlich schon", erzählt sie. Und weil sie dann bei einem Sichtungs-Training der Roten Bullen auch überzeugte, bekam sie einen Platz im U15-Mädchenkader des Spitzenclubs. Und der verfährt bei der Fußball-Ausbildung seiner Mädchen nach einem ganz besonderen Verfahren.

Trainiert wird zwar in der Mädchenmannschaft, aber: "Das Besondere dort ist, dass wir im Ligabetrieb in der Landesklasse nur gegen Jungs-Mannschaften spielen", erzählt Lenie. Und das hat einen guten Grund: "Jungs haben eine andere Spielweise, spielen schneller", sagt sie - und das fördert auch die eigene Spielstärke. Den sportlichen Unterschied zwischen Männer- und Frauen-Fußball kennt auch Lenie. "Wir haben das Champions-League-Finale der Männer gesehen und anschließend das der Frauen - ein himmelweiter Unterschied, eine ganz andere Athletik", sagt sie.

Der Traum von der Bundesliga

Mit dem RB Leipzig durfte Lenie auch schon internationale Fußball-Luft schnuppern - wenn auch nur als Zuschauerin. "Nach dem Sieg bei einem Turnier in Wolfsburg wurden wir 2019 nach Italien eingeladen", erzählt sie. Ein Programmpunkt: Der Besuch des Endspiels der U21-Europameisterschaft der Männer in Udine. Deutschland unterlag bei der Final-Partie den Spaniern mit 1:2. "Das war schon ein riesiges Erlebnis - genau wie die Besuche ab und zu im Leipziger Stadion", sagt sie.

Dabei ist Lenie im Gegensatz zu ihren Mitspielerinnen im Team nur etwa zweimal wöchentlich in Leipzig. Sie hätte die Möglichkeit, dort das Fußball-Gymnasium zu besuchen. "Im Internat würde ich mich nicht wohlfühlen und ich will tatsächlich so lange wie möglich hier bleiben", sagt sie. Hier in Löbau habe sie ihre Freunde und sie will hier auch ihr Abitur ablegen. Und auf diese Weise vervollkommnet sie auch noch ihr Training auf eine Weise, wie sie vom RB Leipzig durchaus gewünscht ist. "Ich trainiere und spiele zusätzlich zum RB als einziges Mädchen bei den Jungs des FC Oberlausitz in Neugersdorf", sagt sie.

Die Mannschaft spielt in der Landesliga und viele ihrer Mitspieler sind schon ein Jahr älter als Lenie - und dementsprechend kräftig. "Durch die großen Jungs habe ich viel dazu gelernt und mich super entwickelt", sagt sie und: "Auch der RB ist der Meinung, dass dieses Training mit den Jungs sehr hochwertig ist." Fahrerei ist dennoch genug dabei. All das würde nicht funktionieren, wenn ihre Eltern nicht immer hinter Lenie stünden. "Ich bin meinen Eltern unendlich dankbar für die ständige Unterstützung", sagt Lenie.

Lenie Pospischil beim RB Leipzig im Zweikampf mit einem Gegenspieler. Als spurtstarke Spielerin steht sie in ihrer Mannschaft auf einer strategisch wichtigen Position.
Lenie Pospischil beim RB Leipzig im Zweikampf mit einem Gegenspieler. Als spurtstarke Spielerin steht sie in ihrer Mannschaft auf einer strategisch wichtigen Position. ©  privat

Der RB bringt internationale Top-Teams nach Sachsen

Dabei bekommt sie auch jetzt schon mehr von der Härte mit, die der Fußball auch mit sich bringt. "Nach jedem Spiel hat man neue blaue Flecken", sagt Lenie. Aber wenn sie dann in zwei Jahren fußballerisch noch mehr gereift ist und ihr Abitur hat, sieht sie das als den idealen Zeitpunkt, zum Studium und zum Sport komplett nach Leipzig zu wechseln. "Ich möchte den Sprung in die Frauenmannschaft schaffen und irgendwann in der Bundesliga spielen", sagt sie - in der 2. Bundesliga spielen die RB-Damen immerhin bereits.

Ja, und ein bisschen Häme und Spott muss man auch aushalten können, wenn man bei den Roten Bullen spielt. Bei Fußball-Traditionalisten gilt der RB Leipzig als Retorten-Club, der nicht aus sich heraus gewachsen sei, sondern sich quasi mit dem ganzen Geld des milliardenschweren Brause-Sponsors "Red Bull" in den Spitzenfußball eingekauft habe. "Das bekommt man oft zu hören", sagt Lenie - aber es macht ihr nichts aus. "Was gibt's denn Besseres, als dass Sachsen mit dem RB Leipzig regelmäßig im internationalen Fußball vertreten ist?", fragt sie und nennt als Beispiel die aktuelle Champions League.

Das Team hat mit Paris Saint-Germain und Manchester City zwei schwere Gegner zugelost bekommen - aber damit eben auch internationale Spitzenclubs. "Es ist doch super, wenn man nur bis Leipzig fahren muss, um solche Mannschaften spielen zu sehen", sagt Lenie.

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