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Pannenhelfer zerstört Auto - und haut ab

Der Zittauer Tom L. rutscht bei Schneeglätte mit seinem Auto von der Straße - kaputt war das Fahrzeug aber erst nach der Bergung.

Das von der Straße gerutschte Auto von Tom L. wurde bei der Bergung schwer beschädigt.
Das von der Straße gerutschte Auto von Tom L. wurde bei der Bergung schwer beschädigt. © privat

Im Winter ist es ein alltägliches Malheur. Wegen Schnee- oder Eisglätte rutschen Autos von der Straße, der Pannendienst muss anrücken - meistens keine große Sache. Im Fall von Tom L. aber begann das Drama erst, als der Pannenhelfer kam. Denn nachdem der seine Arbeit verrichtet hatte, stand Tom L. mit einem größeren Problem da als vorher.

Es war die Nacht auf den 14. Januar, als der Winter mit einer Schneewalze über die Oberlausitz kam. Wie jeden Tag war Tom L. auch an diesem Donnerstagmorgen bereits gegen 4.30 Uhr von Zittau auf auf dem Weg zu seiner Arbeitsstelle in Dresden. In Großhennersdorf wollte er auf die S128 zur Schnellstraße B178n abbiegen - der gesamte Kreuzungsbereich war schneebedeckt und glatt. "Ich bin ganz langsam abgebogen und dann nach rechts in die Böschung gerutscht", erzählt er. Sein Ford SUV sei dabei nicht beschädigt worden - aber schräg in der Böschung stehend kam Tom L. aus eigener Kraft auch nicht mehr weiter.

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Fahrer hörte nicht auf Warnung

Tom L. rief also die ADAC-Pannenhilfe an. Nach rund einer Stunde sei dann auch ein Abschleppwagen von Dussa aus Zittau gekommen. "Der Fahrer hat dann zunächst mit einem Gurt das linke Vorderrad gesichert, damit der Wagen nicht abrutschen kann", erzählt er. Dann habe er ein Stahlseil an der vorne rechtsseitigen Abschlepp-Öse seines Ford angebracht - in einem Winkel von etwa 90 Grad. Tom L. ahnte Böses bei diesem Vorgehen.

"Ich habe dem Mann gesagt: ,Das geht so nicht. So können Sie nicht ziehen.'", erzählt er. Doch der tschechische Fahrer habe nur geantwortet: "Bleibst Du ruhig, ich mache das.“ Das Bergungsmanöver begann - und schon Sekunden später sollte Tom L. mit seiner Ahnung recht behalten. "Es gab einen Knall, die Abschlepp-Öse brach ab und schlug mit dem Stahlseil durch die Frontschürze. Als Tom L. den Mann gebeten habe, sein Auto doch bitte an einem Stück aus dem Graben zu holen, sei der unfreundlich geworden und habe gesagt: "Hier hast Du Fernbedienung für Seilwinde, kannst Du selber machen, oder fahre ich weg und Du kannst dich kümmern.“ Doch es kam noch schlimmer.

Lenkung komplett verzogen

Der Pannendienstler habe sein Vorhaben nicht aufgeben wollen. "Er wickelte zwei Schlupfe um die linke Vorderfelge und zog mit der Seilwinde das Auto auf die Straße", erzählt Tom L. Die Folge dieser groben Methode: Die Lenkung war komplett verzogen. Doch auch davon habe der Pannenhelfer nichts wissen wollen. "Zudem sagte er: ,Hast Du sowieso schon Unfall'", schildert Tom L. Der Mann habe behauptet, das Fahrzeug sei völlig intakt und Tom L. müsse wegen der Fehlermeldung lediglich einmal links und rechts lenken, dann sei es wieder ganz.

Er habe den Pannenfahrer aufgefordert, das Auto nun aufzuladen und in die Werkstatt nach Löbau zu bringen, weil es so nicht mehr fahrtüchtig sei - das aber habe der Mann abgelehnt. Und weil das alles noch nicht reichte: "Der Mann hat von mir verlangt, außer der Auftragsbestätigung noch einen Haftungsausschluss zu unterschreiben", erzählt Tom L. Als er sich weigerte, habe der Mann ihn aus dem Führerhaus des Lkw verwiesen und sei weggefahren. Tom L. hält das gesamte Bergemanöver für unsachgemäß ausgeführt. "Man hätte den Wagen mit einem Kran auf die Straße heben müssen. Dann wäre überhaupt nichts passiert", sagt er.

Beinahe 10.000 Euro Schaden

"Ich bin dann ganz langsam mit einer um 90 Grad verdrehten Lenkung in die Ford-Werkstatt nach Löbau gefahren", erzählt er. Und dort war man offenbar entsetzt. "Der Meister hat mir gesagt, das war grob fahrlässig, mich mit diesem Auto noch fahren zu lassen." Tom L. hat nun auch ein Gutachten zu dem Schaden erstellen lassen. "Allein die Reparaturkosten betragen über 6.000 Euro", sagt er. Rechne man die Kosten für das Gutachten und den Mietwagen dazu, den er für seinen täglichen Weg zur Arbeit nach Dresden braucht, komme man auf beinahe 10.000 Euro.

Und die Firma Dussa? Stellt sich augenscheinlich tot. "Über eine Woche reagierte die Firma Dussa GmbH Zittau auf kein einziges Schreiben des Autohauses Ford in Löbau und meldete den Schaden auch nicht an den ADAC", sagt Tom L. Bei einem eigenen Anruf bei der Firma, sei einfach der Hörer aufgelegt worden. Er hat sich auch an den ADAC gewandt. "Der ADAC hat mir mitgeteilt, dass kein Schaden gemeldet wurde und dass man so ein Verhalten von Vertragspartnern nicht dulde", sagt er. Mittlerweile werde er in der Sache auch von einem Rechtsanwalt des Automobilclubs beraten.

"Leute sollen froh sein, dass überhaupt jemand kommt"

Auch auf SZ-Anfrage will man bei der Firma nichts von dem Vorfall wissen. Die Vorwürfe gegen den Pannenhelfer seien "verleumderisch", sagt Geschäftsführer Klaus Dussa. Er stehe immer hinter seinen Fahrern. "Die Leute sollen froh sein, dass bei Wind und Wetter und jetzt in Corona-Zeiten überhaupt jemand kommt", sagt Dussa. Aber freilich, wenn irgendwo ein Schaden entstanden sei, würde die Versicherung des Unternehmens dafür aufkommen. Aussagen, die Tom L. als zusätzliche Verhöhnung empfindet. "Dieser Pannenhelfer wäre ganz gewiss besser nicht gekommen", sagt er und: "Es geht ja außerdem nicht nur um einen Versicherungsschaden, sondern auch darum, wie dieser Mann mich da behandelt hat", sagt er. Mittlerweile habe ihm die Firma Dussa einen Tankgutschein als Entschuldigung angeboten. "Was für ein Witz. Den können die behalten", sagt Tom L.

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