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Teurer Streit um Herrnhuter Sterne

Ein SZ-Leser verkauft im Netz Sterne aus der Herrnhuter Bastelwerkstatt - und die darf man angeblich gar nicht "Original Herrnhuter Sterne" nennen.

Die Herrnhuter Manufaktur wirbt mit ihrem Sternekind Lucy auch für ihre Bastelwerkstatt - aber was dort entsteht, sollen angeblich keine originalen Herrnhuter Sterne sein.
Die Herrnhuter Manufaktur wirbt mit ihrem Sternekind Lucy auch für ihre Bastelwerkstatt - aber was dort entsteht, sollen angeblich keine originalen Herrnhuter Sterne sein. © Herrnhuter Sterne

Wer auf Internet-Plattformen wie Ebay Herrnhuter Sterne aus seinem Privatbesitz anbietet und verkauft, den kann das teuer zu stehen kommen. Denn die "Herrnhuter Sterne GmbH" ist nicht zimperlich, wenn es darum geht, den Markenschutz ihrer berühmten Produkte juristisch zu verteidigen. Diese Erfahrung hat nun ein SZ-Leser gemacht. Der Mann musste sich kostenintensiv vom Anwalt des Unternehmens abmahnen und belehren lassen, dass ein bei der Manufaktur erworbener Herrnhuter Stern deswegen noch lange kein "Original Herrnhuter Stern" ist.

Im Kern jener der SZ vorliegenden Abmahnung geht es um Sterne, die in der Bastelwerkstatt der Manufaktur in Herrnhut entstanden sind. Ein für Sterne-Fans verlockender Ort. Dort gibt's nicht nur ein Bastelerlebnis, man kann sich auch aus Kunststoffzacken in etlichen Farben Sterne zusammenbauen, die es in diesen Farbkombinationen so von Herrnhuter sonst nicht zu kaufen gibt. Freilich muss man für diese selbst zusammengesetzten Sterne bezahlen.

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Unglückliche Formulierung

Nun hat der SZ-Leser einen handwerklich begabten Freund, wie er ein großer Fan der Herrnhuter Sterne. "Mein Freund hat in seiner Werkstatt aus Douglasienholz Holzbögen in Form von Weihnachtsbäumen gefräst", erzählt der Leser. Darin brachte er eine Verkabelung an und hängte daran Herrnhuter Sterne auf, die er selbst in der Herrnhuter Bastelwerkstatt zusammengebaut hatte - eine ursprünglich nur zum eigenen Gebrauch gedachte Weihnachtsdekoration.

"Weil mein Freund bald heiratet, habe ich ihm vorgeschlagen, ein paar davon bei Ebay zu verkaufen, für seine Hochzeitskasse", erzählt der Leser. Im Oktober habe er schließlich fünf dieser Bögen mit gelb-weiß-roten beziehungsweise gelb-weißen Sternen bei Ebay zum Verkauf eingestellt. Zum Anpreisen der Kunstwerke wählte er Formulierungen, die sich als unglücklich erweisen sollten: "Sonderedition Original Herrnhuter Weihnachtsstern im Sternenbogen." Weiter beschreibt er sein Angebot: "Zum Verkauf stehen Original Herrnhuter Weihnachtssterne in einem massiven Holzfuß-Sternenbogen als Weihnachtsbaum aus einer Zittauer Manufaktur" und "Die Farbe der Sterne kann individuell auf Anfrage gewählt werden. Bitte beachten Sie, dass es sich hierbei wirklich um eine Manufaktur handelt."

Wann ist ein Herrnhuter ein Herrnhuter?

Die Sternenbögen hätten auch schnell Käufer gefunden - einer davon sei wie sich später herausgestellt habe die von Herrnhuter beauftragte Anwaltskanzlei gewesen. Und so beendete einen Tag vor Heiligabend eine teure Quittung den Weihnachtsfrieden des Lesers - eine Abmahnung. Wegen Verletzung der Markenrechte der "Herrnhuter Sterne GmbH" verlangt der Anwalt darin mit Frist bis 4. Januar die Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung und außerdem 2.348,94 Euro - zahlbar bis 8. Januar.

Der Anwalt weist in dem Abmahnschreiben darauf hin, dass es allein dem Markeninhaber - also der "Herrnhuter Sterne GmbH" - zustehe, seine Marke zu nutzen und darüber zu entscheiden, wer sie im Übrigen nutzen dürfe. Weiter heißt es: "Als neue und originale Herrnhuter Sterne und entsprechende Sondereditionen dürfen jedoch nur solche Sterne verkauft werden, die auch von unserer Mandantin gebaut wurden. Dies ist hier vorliegend durch Ihre Eigenanfertigung nicht der Fall. Durch Ihr Angebot suggerieren Sie dem Käufer, der Stern sei eine Sonderedition, die ja mittlerweile zum Teil durch Sammler recht teuer gehandelt werden. Dies ist aber nicht zutreffend."

Zudem dürften Sterne, die nicht von der Herrnhuter Sternemanufaktur hergestellt wurden, nicht als Herrnhuter Sterne verkauft werden, selbst wenn der Bausatz aus der Bastelwerkstatt stamme. "Der Grund dafür ist, dass unsere Mandantin nicht kontrollieren kann, ob ein solcher Stern vernünftig und qualitativ hochwertig zusammengebaut wurde", schreibt der Anwalt. Würde der Markt mit vermeintlich originalen Sternen überflutet, die alle bei erster Gelegenheit auseinanderfallen, würde die Marke Schaden nehmen, da die Kunden dann davon ausgehen würden, dass das Unternehmen qualitativ minderwertige Ware herstelle und verkaufe.

Wie weit geht der Markenschutz?

Der SZ-Leser weiß nun, dass sein Angebot unglücklich formuliert war - er habe die Begriffe aber völlig anders gemeint. "Mit dem Begriff ,Sonderedition" meinte ich das Gesamtkunstwerk aus Holzbogen und Stern und mit ,Manufaktur' nicht die Herrnhuter Sterne-Manufaktur, sondern die Werkstatt meines Freundes", sagt er. Warum allerdings ein in der Bastelwerkstatt zusammengesetzter Stern kein "original Herrnhuter Stern" sein solle, geht ihm nicht ein. Auch von einem Verkaufsverbot solcher Sterne weiß er nichts. "Ich wüsste nicht, dass man in der Werkstatt darauf hingewiesen würde", sagt er.

Die Rechtsauffassung der "Herrnhuter Sterne GmbH" wirft in der Tat Fragen auf. So verkauft das Unternehmen selbst in seinen Läden als günstigste Sternen-Variante Bausätze - natürlich unter dem eigenen Markennamen. Und diesen Bausätzen liegt auch kein Hinweis bei, dass man den zusammengebauten Stern nicht verkaufen dürfe. Sorgfältig zusammengebaut wird auch kaum ein Mensch unterscheiden können, ob es sich um einen Bausatz oder einen fertig gekauften handelt. Und auch die Anwaltskanzlei hat die Herkunft der Sterne des Lesers anscheinend vornehmlich an dem Stempelaufdruck "42" in der Lasche der ebenfalls im Angebot mit abgebildeten Kartons identifiziert. Mit diesem Stempel sind laut dem Abmahnschreiben die Kartons aus der Bastelwerkstatt markiert.

Fraglich ist auch, warum man ein Produkt nicht unter dem Namen weiterverkaufen dürfen soll, unter dem man es erworben hat. So sehen - wie auch der Herrnhut-Anwalt in seinem Schreiben mitteilt - das Markengesetz beziehungsweise die Unionsmarkenverordnung vor, dass der Inhaber einer Marke nicht deren Benutzung für Waren untersagen könne, die unter dieser Marke von ihm oder mit seiner Zustimmung in den Verkehr gebracht worden sind. Wäre es anders, dürfte etwa kein VW-Besitzer seinen Gebrauchtwagen als "VW" weiterverkaufen. "Allerdings ist dieses Recht auf Originalprodukte beschränkt", teilt der Anwalt mit - und die vom SZ-Leser angebotenen Sterne seien eben keine Originalprodukte.

Oskar Scholz, Geschäftsführer der Herrnhuter Sterne GmbH.
Oskar Scholz, Geschäftsführer der Herrnhuter Sterne GmbH. © Matthias Weber Archiv

Der Leser schildert eine unangenehme Begegnung

Der SZ-Leser wollte sich bei dem Unternehmen entschuldigen und die Sache klarstellen. Deshalb sei er am 28. Dezember zur Manufaktur nach Herrnhut gefahren, um mit deren Geschäftsführer Oskar Scholz zu sprechen. Die Begegnung mit diesem sei ihm in unangenehmer Erinnerung geblieben. Scholz habe geschildert, dass er keine Rücksicht auf Einzelschicksale nehme und auch schon jemanden verklagt habe, der die Sterne selbst zusammengeklebt, zum Verkauf angeboten und den Erlös einer Kirche gespendet habe. Zumindest aber sei das Unternehmen von der Höhe der Forderung abgerückt und er habe 1.400 Euro Abmahngebühren bezahlt.

"Herrnhuter Sterne GmbH"-Geschäftsführer Oskar Scholz war für die SZ für eine Stellungnahme zu diesem Vorfall und zur Klärung der Frage, unter welchen Umständen es sich bei einem Herrnhuter Stern um einen "Original Herrnhuter Stern" handelt, nicht zu sprechen.

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