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Lösung für Riesas höchstes Dach gefunden

Der Denkmalschutz hat grünes Licht gegeben. Im Frühjahr könnte auf der Trinitatiskirche gearbeitet werden.

Von Stefan Lehmann
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Im Inneren der Trinitatiskirche stehen die Arbeiten kurz vor dem Abschluss. Das Andiengerüst wird trotzdem noch länger stehen bleiben – denn danach soll das Dach erneuert werden.  Fotos:
Im Inneren der Trinitatiskirche stehen die Arbeiten kurz vor dem Abschluss. Das Andiengerüst wird trotzdem noch länger stehen bleiben – denn danach soll das Dach erneuert werden. Fotos: © Sebastian Schultz

Riesa. Vom Rost ist nichts mehr zu sehen. Die komplexe Stahlkonstruktion im Inneren des Turms der Trinitatiskirche sieht aus wie neu, das Uhrwerk wurde ebenfalls neu eingehaust. Noch werden die Zeiger elektrisch gesteuert. 

„Derzeit ist deshalb das Stundengeläut noch nicht zu hören“, erklärt Andreas Wolf vom Riesaer Pfarramt. Bis Ende März sollen die Arbeiten am ersten Bauabschnitt abgeschlossen sein. „Nach wie vor wird im Turm gearbeitet“, sagt Andreas Wolf. 

Derzeit seien beispielsweise der Schmied für Treppen- und kleinere Metallarbeiten vor Ort, der Zimmermann für die Holztreppen und Fußböden und der Klempner für eine neue Abdeckung der Lichtkuppel. Auch die Elektrik im Dachstuhl soll noch erneuert werden, ehe dann der Uhrmacher ans Werk geht.

Danach hofft die Kirchgemeinde, mit dem zweiten Bauabschnitt an Riesas größtem Gotteshaus beginnen zu können – der Dachsanierung. Nachdem in den vergangenen Monaten Feinabstimmungen zur Art der Dachbedeckung stattfanden, gebe es mittlerweile eine Lösung, erklärt Andreas Wolf: „In enger Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege wurde sich gemeinsam auf eine Neudeckung des Turmdaches mit Kupferblech geeinigt.“

Kupferdach ist „pflegeleichter“

Auf diese Variante hatte die evangelisch-lutherische Kirchgemeinde gehofft. Der Kirchenvorstand erwartet sich von einem Kupferdach unter anderem eine längere Haltbarkeit. Wegen des steilen Daches hätte eine Ziegel- oder Schieferdeckung dem Wind viel Angriffsfläche geboten – und wie schon in der Vergangenheit häufigere Reparaturen notwendig gemacht.

Darüber hinaus würde das Kupfer mit der Zeit einen Grünton erhalten, ähnlich wie bereits die Turmspitze und sich dadurch dem ursprünglichen Charakter der Vordächer weiter unten anpassen, erklärt Andreas Wolf. Nachdem der Denkmalschutz also grünes Licht gegeben hat, wartet man im Pfarramt nun noch auf den Fördermittelbescheid. 

Denn denkmalbedingt habe sich ein gewisser Mehraufwand ergeben, weshalb auch die Fördermittel noch einmal neu berechnet werden mussten. „Wir rechnen – wie für den ersten Bauabschnitt – mit Fördermitteln des Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen und aus dem Denkmalschutzsonderprogramm der Beauftragten des Bundes für Kultur und Medien.“

Im Inneren der Trinitatiskirche stehen die Arbeiten kurz vor dem Abschluss. Derzeit wird unter anderem an der neuen Lichtkuppel gearbeitet. 
Im Inneren der Trinitatiskirche stehen die Arbeiten kurz vor dem Abschluss. Derzeit wird unter anderem an der neuen Lichtkuppel gearbeitet.  © Sebastian Schultz

Derzeit gehe man von insgesamt reichlich 900 000 Euro aus. Den größten Anteil daran trägt laut Andreas Wolf das sehr aufwendig zu errichtende, sich selbst tragende Gerüst. Dessen achteckiger schräger Aufbau von der Glockenebene bis zur Turmspitze soll den sicheren Zugang zum Kirchturm, einschließlich Materialtransport und der anschließenden Dacharbeiten von außen, gewährleisten.

Die Handwerker müssten sonst Material und Werkzeuge über die teils engen Treppen nach oben tragen. „Die Bauleitung liegt weiterhin in den Händen des Dresdner Architekten Matthias Helm gemeinsam mit dem Kleinkagener Statiker Gunter Lohse.“ Wenn alles gut geht und demnächst der Fördermittelbescheid eintrifft, könne anschließend ausgeschrieben werden. „Ehe wir dann wirklich am Dach beginnen, wird aber noch etwas Zeit vergehen“, sagt Wolf. „Der Baubeginn wird hoffentlich im Frühjahr sein.“

Das fast 100 Jahre alte Schieferdach hatte in den vergangenen Jahren einen immer höheren Reparaturaufwand verursacht, weil sich immer wieder Teile gelöst hatten. Allein 2016 mussten rund 500 Platten ausgetauscht werden.

Hinzu kamen noch Schäden an den weiter unten liegenden Dächern durch die herabfallenden Teile. Umso größer sei die Freude darüber, dass die Turmsanierung zustande kommt, sagt Andreas Wolf – gerade im Jahr 2019, „in dem 900 Jahre christliches Engagement zur Ehre Gottes und zum Wohle der Stadt und ihres Umlandes gefeiert werden“.