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Die Netzwerkerin

Gabriele Richter war im Rathaus für zwei wichtige Bereiche verantwortlich. Nun verabschiedet sie sich in den Ruhestand.

Nach 20. Jahren verlässt Gabriele Richter das Rathaus.
Nach 20. Jahren verlässt Gabriele Richter das Rathaus. © Claudia Hübschmann

Meißen. Das Rathaus wird sie vermissen. 20 Jahre hat Gabriele Richter hier gearbeitet – zunächst als Gleichstellungsbeauftragte und seit 2004 auch als Seniorenbeauftragte der Stadt. Jetzt verabschiedet sich die freundliche Frau mit den blonden Haaren. Ab April ist sie Ruheständlerin. „Dann habe ich 365 Tage Urlaub im Jahr“, bekannte sie kürzlich augenzwinkernd im Sozial- und Kulturausschuss.

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Dort hatte sie Bilanz ihrer 20-jährigen Arbeit als Gleichstellungsbeauftragte gezogen. Da fallen vor allem jene Dinge ins Gewicht, die den Menschen – vornehmlich Meißnerinnen – im Alltag helfen. Infoveranstaltungen zum Wiedereinstieg in den Beruf sind da ebenso zu nennen wie die gemeinsam mit Fahrschulen organisierte Kursreihe „Frauen zurück ans Lenkrad“. Auf Gabriele Richters Initiative geht auch das Trauercafé zurück, wo Menschen Trost und Rat finden können, die einen nahen Angehörigen oder Ehepartner verloren haben. Mit ihren Kontakten zur Freiwilligenzentrale oder zum Frauenhaus in Radebeul konnte Gabriele Richter schnelle Hilfe im Notfall vermitteln.

Gleichstellung und Senioren – in der Verwaltungssprache gelten beide Ressorts als Querschnittsaufgaben. Mehrere Ämter und Bereiche der Verwaltung müssen zusammenwirken, damit zum Beispiel die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für die Frauen in der Stadt nicht nur eine Vision bleibt.

Gabriele Richter hat dafür Netzwerke geknüpft – und mit Partnern Foren wie den Weiberstammtisch oder den Unternehmerinnentag aus der Taufe gehoben. Hier fanden Gleichgesinnte zusammen, um nicht nur in Kontakt zu kommen, sondern auch Hilfe im Einzelfall zu ermöglichen. Im Ideenwettbewerb „Familienfreundliches Meißen“ entstand 2008 ein Stadtführer für Kinder „Auf den Spuren des Gänsejungen“, der seitdem an alle Meißner Erstklässler verteilt wird.

Gute Voraussetzungen für die beiden 50-Prozent-Stellen im Rathaus brachte Gabriele Richter aus ihrem erlernten Beruf mit. „Über ein Vierteljahrhundert war ich als Erzieherin und Leiterin in zahlreichen Einrichtungen unterwegs. So manches Kind, welches ich beim Laufen lernen begleitete, begegnet mir als Kollegin oder Kollege im Arbeitsalltag im Rathaus – das macht mich stolz.“, sagt sie.

Der Alltagssorgen angenommen

Ihre Netzwerke waren in Krisenzeiten von besonderem Nutzen: Während der Flutkatastrophe 2013 war sie in der Einsatzzentrale an vorderster Front beim Koordinieren der Hilfe dabei.

Sie kümmerte sich um die vielen Dinge, die nicht so spektakulär erschienen wie die Evakuierung der Menschen aus den unter Wasser stehenden Häusern. Gabriele Richter sorgte für Verpflegung von Helfern und nahm sich der Alltagssorgen der Evakuierten an. Als sich das Wasser wieder zurückgezogen hatte und die Stadt vom Schlamm befreit war, entstand die Idee engagierte Meißnerinnen öffentlich zu würdigen. Daraus wurde der Meißner Frauenkalender, der seitdem jährlich erscheint.

Am Beginn dieses Jahres hatte sie Oberbürgermeister Olaf Raschke damit beauftragt, Kontakt zu allen Einrichtungen der Altenpflege in Meißen zu halten. Nahezu täglich telefonierte sie mit den Heimleitungen – nicht nur, um für die Stadtverwaltung über die Auswirkungen der Pandemie in den Einrichtungen aller 17 Träger im Bilde zu sein. Einigen älteren Meißnern, die sich mit ihren Sorgen an die Stadtverwaltung wandten, konnte sie mit einem guten Rat oder einer Auskunft helfen. Ihre guten Kontakte zu Ämtern der Kreisverwaltung oder zu Krankenkassen ebneten den Weg zu praktikablen Lösungen.

Seniorentag soll wieder stattfinden

Vielen in der Stadt wird Gabriele Richter im Zusammenhang mit Veranstaltungen, wie den Seniorentagen oder den Seniorenweihnachtsfeiern im Rathaus, in Erinnerung bleiben. Dass diese im vergangenen Jahr der Pandemie zum Opfer fielen, ärgert sie – auch, weil sie um die Enttäuschung bei vielen weiß, die sich darauf gefreut hatten.

Der Seniorentag, bei dem Pflegedienste, verschiedene Einrichtungen, Vereine, Krankenkassen mit Beratungs- und Hilfsangeboten zum direkten Gespräch einladen, soll in diesem Jahr stattfinden – zum bislang gewohnten Termin im Mai wohl nicht, dafür aber im September. Dafür hat Gabriele Richter gesorgt. Und damit auch gute Voraussetzungen geschaffen, dass ihr Nachfolger oder ihre Nachfolgerin gut in die Doppelaufgabe starten kann. Wie aus dem Rathaus zu erfahren ist, wurde die Stelle des/der Gleichstellungs- und Seniorenbeauftragten ausgeschrieben. In den nächsten Wochen soll sie wieder besetzt sein.

Gemeinsam mit Veronika Kosemetzky und Günter Brendel von der Seniorenvertretung bereitet sie eine kleine Ausstellung vor, die dem 20-jährigen Bestehen dieses Gremiums in Meißen gewidmet ist und deren Wirken dokumentiert. Seniorentheater und Seniorenfernsehen stellen sich ebenso vor, wie das Wirken der Partnerschaften mit Seniorenvertretungen in Fellbach, Gladbeck oder Pirna. Die Tafeln erinnern an „Stadtgespräche“ und „Stadtrundfahrten“, die gute Resonanz bei den Teilnehmern fanden.

Für dieses Projekt wird sie in den nächsten Wochen hin und wieder ins Rathaus zurückkehren. Im Mai soll die Schau im Foyer zu sehen sein, wenn es die Pandemie erlaubt. Im September, wenn der diesjährige Seniorentag stattfindet, soll sie ebenfalls im Rathaus gezeigt werden. Danach geht sie auf Wanderschaft. Dass sie an vielen Orten zu sehen ist und gesehen wird, das wünscht sich Gabriele Richter.

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