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Domplatz ab nächstem Jahr barrierefrei

Seit mehr als einem Jahrzehnt wird darüber diskutiert. Nun geht es im Frühjahr 2021 los.

Nächstes Jahr im Sommer wird es das Wildpflaster des Domplatzes teilweise nicht mehr geben. Es soll durch Sandsteinplatten ersetzt werden, damit ein barrierefreier Weg zwischen Panorama-Aufzug und Albrechtsburg entsteht.
Nächstes Jahr im Sommer wird es das Wildpflaster des Domplatzes teilweise nicht mehr geben. Es soll durch Sandsteinplatten ersetzt werden, damit ein barrierefreier Weg zwischen Panorama-Aufzug und Albrechtsburg entsteht. © Claudia Hübschmann

Meißen. Meißens Altstadt hat historischen Charme. Überall Altbauten mit roten Ziegeldächern und die Wiege der Sachsen im historischen Panorama auf dem Burgberg. Wäre da nur nicht das in der Stadt typische Wildpflaster, das von vielen auch Stolperpflaster genannt wird. Nicht nur Gehbehinderte oder -schwache haben auf dem Domplatz Probleme zu laufen. Da dieser Zustand für eine Stadt nicht tragbar ist, die auf Touristen angewiesen ist, wird nun im nächsten Jahr der Domplatz barrierefrei. 

Dabei erreichen Gehbehinderte den Domplatz zunächst bequem. Denn mit dem Panorama-Aufzug auf der Meisastraße gelangt man leicht auf den Burgberg. Erst danach wird es beschwerlich. Neben dem Wildpflaster kommt noch eine Steigung von mehr als acht Prozent bis zum Burgkeller hinzu, laut staatlicher Messung. Um die Steigung barrierefrei zu gestalten, müsste sie allerdings sechs Prozent betragen.

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Stolperpflaster wird durch Sandsteinplatten ersetzt

"Die Baumaßnahme auf dem Domplatz soll im Frühjahr 2021 beginnen, sobald ein Unternehmen gefunden wurde und die Witterung ein Bauen zulässt", sagt Alwin-Rainer Zipfler, Pressesprecher des Staatsbetriebes Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB). Der Staatsbetrieb betreut das Bauprojekt. Geplant seien vier Monate, in denen abschnittsweise gebaut werde. So gewährleistet man die Zufahrt auf den Domplatz unter anderem für Rettungskräfte. 

In einem ersten Schritt werde der Fußweg zwischen Aufzug und dem Eingang der Albrechtsburg barrierefrei gestaltet, so der SIB-Pressesprecher weiter. Ganz konkret heißt das: Es werden Sandsteinplatten mit veränderten Neigungsverhältnissen eingelassen, um das erwähnte Gefälle zum Domplatz zu reduzieren. Im Anschluss daran baue man einen Weg aus diesen Platten entlang des Kornhauses. Zwischen Kornhaus und Albrechtsburg werde das vorhandene Pflaster geschliffen und neu verfugt. "Das Pflaster verbleibt dabei im eingebauten Zustand." Diese Technik stehe erst jetzt in der "erforderlichen Effizienz zur Verfügung", erklärt Alwin-Rainer Zipfler. 

In den vergangenen Jahren wurde zwar viel über die Umsetzung diskutiert, doch Bernd Matthes ist zufrieden. "Die Lösung garantiert den Denkmalschutz und ist gleichzeitig barrierefrei", sagt der Vorsitzende der Seniorenvertretung in Meißen. Die Seniorenvertretung habe wiederholt alle wichtigen Parteien in der Stadt angesprochen. "Wir können selbst allerdings nur Empfehlungen aussprechen." Gerade auf den Domplatz kommen viele Besucher. Deshalb sei es umso notwendiger, diesen Platz barrierefrei zu gestalten. Denn es gehe darum, welchen Eindruck sie von der Stadt Meißen gewinnen.

Auch Andreas Graff meint, dass sich Touristen freuen, erholen und genießen sollen. Dazu gehöre ein barrierefreier Domplatz. Deswegen ist der Linken-Stadtrat dankbar, dass viele Menschen in den vergangenen Jahren bei der Umsetzung geholfen haben. Neben seiner Fraktion dankt Andreas Graff vor allem Horst Wehner (Die Linke), ehemaliger Vizepräsident des sächsischen Landtags. Er habe sich in der Landespolitik für den barrierefreien Domplatz eingesetzt. Horst Wehner sitzt selbst im Rollstuhl. Die lange Vorbereitungszeit sei nicht einfach gewesen, so Andreas Graff. Denn Barrierefreiheit und Denkmalschutz ist nicht unbedingt miteinander vereinbar.

Freistaat soll mehr Verantwortung übernehmen

"Dass aber nun das SIB die Projektplanung übernehme, finde ich gut", erklärt der Stadtrat. Denn das mache den Umbau qualitativ. Der 77-Jährige wünsche sich jedoch, dass der Freistaat mehr Initiative auf dem Domplatz zeige und seine Verantwortung auf dem Burgberg wahrnehme. Denn das Areal habe einen großen historischen Wert. Nicht nur deshalb müsse es auch für alle begehbar sein.

Insgesamt kostet der Bau des Weges etwa 250.000 Euro. Davon muss die Stadt Meißen in etwa 145.000 übernehmen. 85 Prozent werden durch das Förderprogramm zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur übernommen. Das heißt, die Stadt hat Kosten in Höhe von 22.000 Euro. Die Fläche des gesamten Weges beträgt 935 Quadratmeter, davon gehören 482 Quadratmeter der Stadt Meißen. 

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In einem ersten Bauabschnitt soll das Pflaster auf dem Weg vom Aufzug bis zur Albrechtsburg geglättet werden.

Wenn der Domplatz barrierefrei geworden ist, bleibt nur noch das Kornhaus, so Andreas Graff. "Das befindet sich derzeit in einem kritischen Zustand." Vor ein paar Jahren habe es einmal der Stadt gehört, bis das Kornhaus verkauft wurde. Nach dem Verkauf an italienische Investoren verwahrlost es. Im Zuge der Bewerbung für die Unesco-Welterbeliste soll es jedoch wieder in öffentlichen Besitz gelangen. Dafür wollen sich mehrere Stadträte an den Freistaat wenden. 

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