SZ + Meißen
Merken

Ein besonderer Baum

Im Meißner Käthe-Kollwitz-Park wurde ein südlicher Zürgelbaum angepflanzt. Er hatte eine weite Reise hinter sich.

Von Harald Daßler
 2 Min.
Teilen
Folgen
Bevor der Baum in Meißen in die Erde kam, zogen die Akteure vom Projekt uferlos mit ihm in einer Prozession durch die Stadt.
Bevor der Baum in Meißen in die Erde kam, zogen die Akteure vom Projekt uferlos mit ihm in einer Prozession durch die Stadt. © Claudia Hübschmann

Meißen. „Alt wie ein Baum“ erklang es am Freitagnachmittag im Käthe-Kollwitz-Park. Einige Dutzend Menschen sangen gemeinsam den Evergreen der Puhdys. Sie hatten sich um einen Baum versammelt, der hier in eine vom städtischen Bauhof ausgehobene Grube und unter fachmännischer Aufsicht von Mitarbeitern der Baumschule Tamme eingepflanzt wurde.

Das etwa fünf Meter hohe Gewächs, ein südlicher Zürgelbaum, hatte eine weite Reise hinter sich. Bis vor kurzem stand der Baum in Afghanistan, im Bundeswehrstützpunkt bei Masar-i-Scharif. Er war im August, im Zuge des überstürzten Abzugs der Bundeswehr nach Deutschland gekommen – in der ersten Militärmaschine, die im Chaos nach der Machtübernahme durch die Taliban mit lediglich sieben Personen an Bord in Kabul abhob.

In der Bundesrepublik gab es zunächst keine Verwendung für den geborgenen Baum – wäre da nicht in Meißen eine Aktion vom Projekt Uferlos der Arbeitsgemeinschaft Jugendfreizeitstätten Sachsen e. V. vorbereitet worden. Im Rahmen des nationalen Aktionstages „Deutschland forstet auf“ am 15. Oktober sollte ein Baum im Meißner Käthe-Kollwitz-Park angepflanzt werden. Im städtischen Bauverwaltungsamt war schon vor Längerem eine entsprechende Anfrage eingegangen, und es war bei der Auswahl des Standortes behilflich.

So sollte auch in Meißen ein symbolischer Beitrag für mehr Bäume und damit für den Klimaschutz geleistet werden. In den sozialen Netzwerken entstand die Idee, den in Afghanistan geborgenen Baum nach Meißen zu bringen. Und es fanden sich Akteure, die diese Idee in die Tat umsetzten. Ein ehemaliger Bundeswehrsoldat, der einige Monate seinen Dienst in Afghanistan versah und der heute bei Meißen lebt, nannte diesen Baum "ein Symbol für die Demokratie": In Afghanistan sei sie nicht gewachsen – umso mehr müsse sie hier gepflegt werden, sagte der 37-Jährige, der sich in einer kurzen Ansprache lediglich mit dem Vornamen Marco vorstellte.

Der Käthe-Kollwitz-Park sei bestens geeignet für diesen besonderen Baum, denn die Namensgeberin stehe auch für das Ringen um Frieden, so der Redner weiter. Er forderte die Zuhörer auf, ihre Wünsche an die Zukunft aufzuschreiben. Und so wurden zahlreiche Zettel mit persönlichen Notizen in das Erdloch gelegt, ehe der südliche Zürgelbaum darin eingepflanzt und befestigt wurde.