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Einbruch in Wettiner Forstverwaltung

Die vier Täter richteten hohen Sachschaden an. Eine Frau und ein Mann sitzen jetzt in Meißen vor Gericht.

Daniel Prinz von Sachsen, der Leiter Wettinischen Forstverwaltung, erlebte eine böse Überraschung.
Daniel Prinz von Sachsen, der Leiter Wettinischen Forstverwaltung, erlebte eine böse Überraschung. © Sven Görner

Es hätte ein so schönes Wochenende werden können. Am Sonnabend hatte Daniel Prinz von Sachsen noch mit seiner Familie die Schuleinführung seiner Tochter gefeiert. Als der Chef der Wettinischen Forstverwaltung am Montag an seinem Arbeitsplatz erscheint, traut er seinen Augen nicht. In die Forstverwaltung waren Unbekannten in der Nacht vom 17. auf den 18. August 2019 eingebrochen, hatten alles mitgenommen, was nicht niet- und nagelfest war: zehn Kettensägen, vier Freischneider, etliche Werkzeuge, kistenweise Maschinenfett, Sägen, Bohrer, zwei Kisten Klarlack, Zeckenschutzmittel. Allein der Diebstahlschaden beläuft sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft auf rund 15.000 Euro.

Doch die Täter richteten auch hohen Sachschaden an. Mit einem Auto der Forstverwaltung, dessen Schlüssel sie zuvor entwendet haben, sollen sie einen Zaun durchbrochen und dabei sowohl den Zaun als auch das Auto beschädigt haben. Der Draht des Forstzauns hatte sich um die Antriebswelle des Fahrzeugs gewickelt. Schaden hier: rund 20.000 Euro.

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Rund drei Wochen später konnten vier Tatverdächtige, eine Frau und drei Männer, ermittelt werden. Die Polizei hatte bei einer Durchsuchung einer Garage einen Großteil des Diebesgutes gefunden und sichergestellt. Seit Dienstag nun müssen sich nun eine 20-jährige Frau aus Coswig und ein 19-jähriger Mann aus Weinböhla für diese Taten vor dem Meißner Amtsgericht verantworten. Gegen ihre beiden Mittäter wird in einem gesonderten Verfahren noch verhandelt.

Mit diesem gestohlenen Geländewagen durchbrachen die Täter den Zaun der Wettiner Forstverwaltung.
Mit diesem gestohlenen Geländewagen durchbrachen die Täter den Zaun der Wettiner Forstverwaltung. © privat
Der Drahtzaun wickelte sich um die Antriebswelle des Fahrzeuges.
Der Drahtzaun wickelte sich um die Antriebswelle des Fahrzeuges. © privat

Schlagring im Auto

Besonders für die Frau kommt es ganz dick. Sie war zum ersten Verhandlungstermin nicht erschienen, befindet sich in Untersuchungshaft. Zur Verhandlung wird sie in Handschellen aus dem Gefängnis aus Chemnitz vorgeführt. Ihr werden noch weitere Straftaten zur Last gelegt. So wurde sie mehrfach mit Drogen - wenn auch einer sehr geringen Menge - erwischt.

Zudem soll sie mit ihrem Auto im Juni vorigen Jahres in Radebeul an einer Kreuzung einen Auffahrunfall verursacht haben. Sie schob zwei Pkw zusammen, es entstand an den gegnerischen Fahrzeugen Sachschaden von insgesamt rund 10.000 Euro. Statt sich um den Unfall zu kümmern, flüchtete sie mit ihrem Hund. Ihre Beifahrerin ließ sie im Auto sitzen. Das Wohl ihres Hundes war ihr wichtiger als das der möglicherweise Verletzten. Die Flucht hat einen Grund: Die Fahrerlaubnis war ihr wegen ihres Drogenkonsums „unanfechtbar entzogen“ worden, wie es im Amtsdeutsch heißt.

Zudem wird der Coswigerin der Besitz einer verbotenen Waffe vorgeworfen. In ihrem Auto fand die Polizei einen Schlagring. Auch zwei hochwertige Fahrräder soll die Angeklagte gestohlen oder als Hehlerin übernommen haben. Sie wurde mit den in Fahndung stehenden Rädern jeweils von der Polizei erwischt, einmal auf der Eisenbahnbrücke in Meißen, das andere Mal im Elbepark in Dresden.

Sie streitet diese Taten ab. Die Räder habe sie geliehen oder geschenkt bekommen, sagt sie. So genau weiß sie das nicht. Und vor allem weiß sie nicht oder will sie nicht sagen, wer sie ihr geschenkt oder geliehen haben will.

Ehrliche Reue oder Kalkül?

Richterin Ute Wehner hat drei Verhandlungstage angesetzt, 16 Zeugen sind allein am Dienstag geladen. Doch kein einziger wird angehört. Denn die beiden Angeklagten geben die Taten im Wesentlichen zu.

Der junge Mann stellt den Einbruch im Wettiner Forst als eine spontane Tat dar. Er sei mit seinem Kumpel im Wald unterwegs gewesen. Dabei hätten sie entschieden, in der Forstverwaltung einzubrechen. Als sie ein Auto holen wollten, seien sie zufällig auf einen Mann und die jetzt angeklagte Frau getroffen und hätten sie zum Mitmachen animiert. Man sei dann über den Zaun gestiegen. Er habe einen Schuppen aufgehebelt, dort eine Kassette mit Schlüsseln gefunden. Dann habe man die Gebäude ausgeräumt und das ganze Zeug in einen Geländewagen geschmissen. Doch nicht er sei mit dem Mitsubishi durch den Zaun gefahren, sondern sein Kumpel. Er selbst sei zu dieser Zeit schon längst weggewesen, sagt er.

Später habe man das Gespräch mit dem Geschädigten gesucht. Dieser habe kein Interesse an der Strafverfolgung der Täter gezeigt. Dem widerspricht Daniel Prinz von Sachsen: „Die Strafverfolgung obliegt nicht mir, es wird doch von Amts wegen ermittelt.“ Er bestätigt aber der SZ, dass man über eine Art Täter-Opfer-Ausgleich verhandelt habe. Den Kontakt habe ein Vater einer der Täter hergestellt. Die Angeklagten sollten bei ihm als Schadenswiedergutmachung arbeiten. Dazu sei es aber nicht gekommen. „Die Täter haben sich nicht wieder bei mir gemeldet. Ich hatte keine Kontaktdaten. Die Polizei hat mir diese aus Datenschutzgründen nicht mitgeteilt“, sagte der Chef der Forstverwaltung am Dienstag der SZ.

Der Angeklagte habe sich bei ihm entschuldigt. Ob ehrliche Reue hinter der Entschuldigung stehe oder Kalkül, um vor Gericht besser dazustehen, könne er nicht einschätzen. Die Frau hingegen habe sich nicht bei ihm gemeldet: „Die kenne ich gar nicht“, sagt er.

Schluss, aber nicht zu Ende

Auch die Frau gibt diese und andere Taten vor Gericht zu, führt sie vor allem auf ihren Drogenkonsum zurück. Das Crystal habe sie unberechenbar und launisch gemacht, sie auch gesundheitlich schwer geschädigt. Die Drogen waren wohl auch der Grund für ihre schlechten schulischen Leistungen, weswegen sie nicht zu den Abiturprüfungen zugelassen wurde.

Die Frau wurde im November vorigen Jahres wegen anderer Taten vom Amtsgericht Meißen schuldig gesprochen, erhielt die Weisung, innerhalb von sechs Wochen 30 Arbeitsstunden zu machen. Das tat sie nicht, fälschte dagegen einen Beleg über die abgeleisteten Stunden und reichte den bei der Jugendgerichtshilfe ein. Deshalb ist sie auch wegen Urkundenfälschung angeklagt.

Sie saß auch schon im Jugendarrest, nicht jedoch wegen der nicht geleisteten Arbeitsstunden, sondern weil die Auflage nicht erfüllte, Termine bei der Suchtberatung wahrzunehmen.

Obwohl die Beweisaufnahme um 11.30 Uhr abgeschlossen und ursprünglich die letzten Zeugen für 14.30 Uhr geladen waren, wurde der Verhandlungstag am Dienstag überraschend beendet. Einen Grund dafür nannte das Gericht nicht. Am kommenden Montag soll nun mit den Plädoyers und dem Urteil fortgesetzt werden.

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Das ist schlecht, vor allem für die angeklagte Frau. Die musste nun wieder nach Chemnitz ins Gefängnis gefahren werden, dort bis Montag bleiben und dann erneut nach Meißen geschafft werden. Gut ist ein Fortsetzungstermin für die Verteidigerin und den Verteidiger. Denn die verdienen bei jedem weiteren Termin wieder Geld. Da ursprünglich drei Verhandlungstage geplant waren, haben sie schon einen „eingebüßt“. Denn der Termin am 26. November wurde aufgehoben.

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