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Tanken bei Tyralla

Vor 25 Jahren hat der Unternehmer die Aral an der Großenhainer eröffnet. Seitdem hat sich viel verändert.

Ein Lächeln für den Kunden: Seit 25 Jahren führt Thomas Tyralla erfolgreich die Aral-Tankstelle Großenhainer Straße in Meißen als Familienbetrieb.
Ein Lächeln für den Kunden: Seit 25 Jahren führt Thomas Tyralla erfolgreich die Aral-Tankstelle Großenhainer Straße in Meißen als Familienbetrieb. © Claudia Hübschmann

Meißen. Die Uhrzeit hat sich Thomas Tyralla genau gemerkt. Punkt 11 Uhr ging die komplett neu errichtete Aral-Tankstelle an der Großenhainer Straße am 17. Oktober vor 25 Jahren in Betrieb. Warum nicht schon zeitiger? Ganz einfach: 1995 wurde alles mit heißer Nadel gestrickt. In lediglich zwei Monaten Bauzeit, die heute wahrscheinlich nicht mehr zu realisieren wären, entstand die Anlage. Bevor die offizielle Eröffnung erfolgte, musste noch eingeräumt werden.

Wenn er zurückdenkt, schüttelt der Meißner so manches Mal den Kopf, dann wieder schmunzelt er. Wie sich doch die Zeiten innerhalb eines Vierteljahrhunderts geändert haben. Gleich geblieben ist lediglich das kleine Büro, in dem der Tankstellenpächter bei einem guten Kaffee seine Gäste empfängt. 

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Zahlt der Kunde, oder fährt er weg

"Meine Frau und ich waren damals in Baden-Württemberg, wollten aber zurück in die Heimat", kommt der gebürtige Dresdner ins Erzählen. Beide strebten die Selbstständigkeit an. Der Mineralölkonzern BP habe zuverlässige Pächter für seine neuen Tankstellen in den ostdeutschen Bundesländern gesucht. Fast ausschließlich wurde auf Ehepaare zurückgegriffen. Die Tyrallas erhielten den Zuschlag für Meißen. Eine Ausbildung, zum Beispiel die zum Tankwart, war keine Voraussetzung. Rechnen musste man allerdings schon können.

Bereits bei der Auswahl der Mitarbeiter zeigt sich der Unterschied zur aktuellen Situation. 120 Bewerber meldeten sich Mitte der 1990er-Jahre auf die entsprechenden Anzeigen hin. Das Casting fand mit Gruppen von jeweils sechs Kandidaten im Parkhotel Meißen statt. Ein sehr stabiles und zuverlässiges Team sei letztlich in diesem Prozess entstanden, das wesentlich mit zum Erfolg der Firma beigetragen habe, sagt Thomas Tyralla. Acht Festangestellte und sechs Aushilfen beschäftigt er mittlerweile.

Die Anfangsjahre seien durchaus wild gewesen, erinnert sich der Tankstellenpächter. Wenn eine Kunde mit tief ins Gesicht gezogenem Basecap und hochgeschlagenem Kragen zur Zapfpistole griff, stieg der Blutdruck. Würde der Fahrer jetzt in die Tankstelle kommen, um seine Rechnung zu bezahlen? Oder rauschte er vielleicht auch mit quietschenden Reifen davon? Kraftstoffdiebstahl war in jener Zeit ein durchaus verbreitetes Delikt. Teilweise folgten wilde Verfolgungsjagden oder eigene Ermittlungen. 

Eine leistungsfähige Video-Anlage hat unterdessen dafür gesorgt, dass sich die Zahl dieser Fälle innerhalb eines Jahres an einer Hand abzählen lässt. Mitunter passiere es, dass Kunden das Bezahlen einfach vergessen würden, sagt der Unternehmer. Dann müsse nicht immer gleich die Polizei kommen. Oft sei es möglich, die säumigen Zahler zum Beispiel per Telefon zu kontaktieren und an die Rechnung zu erinnern. 

Schwangerschaftstests und Balkonpflanzen

Von Anfang wurde das Angebot an Kraftstoffen stets durch ein ausgesuchtes Einzelhandelssortiment ergänzt. Der Mutterkonzern probierte verschiedene Dinge durch. Mal sollten freiverkäufliche Arzneimittel, unter anderem Schwangerschaftstests, den Verkauf ankurbeln. Das Personal musst dafür extra einen Sachkundetest ablegen. Dann wieder wurden Balkonpflanzen und Pflanzzubehör von den Lieferanten abgeladen. Computer zum Schnäppchenpreis sorgten zum festgelegten Verkaufsdatum für lange Schlangen. Eine Aktion zur Kundenbindung mit Fußbällen entfesselte eine derartige Nachfrage, dass in China nachgeordert werden musste.

Das Berufliche schlug sich im Privaten nieder. 2003 entschied sich BP, das bis dahin grün-gelbe Tankstellengeschäft in Deutschland unter der blauen Marke Aral zu führen. In Meißen wurde 2004 umgeflaggt. Ehefrau Heike Tyralla übernahm 2005 die Aral-Station in Coswig. Mittlerweile wird diese in Eigenregie durch Tochter Anna-Marie geführt. 

Tankstellen müssen immer mit der Zeit gehen. Neben Ladesäulen für Elektroautos könnten in Zukunft weitere Angebote hinzukommen.
Tankstellen müssen immer mit der Zeit gehen. Neben Ladesäulen für Elektroautos könnten in Zukunft weitere Angebote hinzukommen. © dpa

Mehr als nur Tankstelle

Für die Zukunft setzt Thomas Tyralla auf die Treue seiner Meißner Kunden. "Es sind die Leute von hier, auf denen unser Geschäft aufbaut", sagt er. Touristen und Durchreisende spielten eher eine untergeordnete Rolle. Die Meißner kommen nicht nur wegen Diesel und Benzin, sondern auch an Feiertagen, um frische Brötchen zu holen, oder früh am Morgen für einen Kaffee zum Mitnehmen. Hinzukommen die vielfältigen Angebot mit warmer Theke, Hermes-Paketservice, Anhängerverleih und der App Too Good To Go, welche dafür sorgt, dass Lebensmittel nicht unnötig weggeworfen werden.

Zusätzlich klopft die Zukunft an: Anfang Oktober hat Marktführer Aral den ersten Mobility Hub im Zentrum von Berlin eröffnet. Die multifunktionale Station dient als Testfeld. Neben dem klassischen Kraftstoff-Angebot und einem Rewe To-Go-Shop setzt Aral mit der ersten Stufe eines sogenannten Microgrid aus Ladesäule und Batterie neue Maßstäbe bei den Ladeoptionen für Elektrofahrzeuge in Ballungszentren. In Kooperation mit verschiedenen Sharing- und Mobilitätsanbietern, einem Akku-Wechselautomaten sowie der Anknüpfung an den ÖPNV wird die Aral-Station außerdem zu einem Umsteigeplatz für verschiedene Verkehrsträger. 

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