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Katzenretter in Not

Seit 30 Jahren kümmert sich Gerd Bartkowski aus Striegnitz um ausgesetzte Katzen. Jetzt hat er selbst große Probleme

Gerd Bartkowski mit einer seiner 13 Katzen, um die er sich derzeit kümmert.
Gerd Bartkowski mit einer seiner 13 Katzen, um die er sich derzeit kümmert. © Claudia Hübschmann

Lommatzsch. Mit Tieren kennt sich Gerd Bartkowski aus. Schließlich hat er jahrzehntelang in der Viehwirtschaft eines großes Landwirtschaftsbetriebes gearbeitet.  Die Tiere,  um die sich der Striegnitzer heute kümmert, sind wesentlich kleiner. Auf dem Grundstück des Mietshauses, in dem er seit 1956 wohnt, tummeln sich Katzen. 13 Stück sind es derzeit. Es sind seine Tiere und genaugenommen doch wieder nicht. Die Kater und Katzen wurden ausgesetzt, teilweise ganz gezielt in seiner Nähe. Denn Bartkowski ist als "Katzenvater" bekannt. 

Seit 30 Jahren sammelt er die Vierbeiner wie andere Meissener Porzellan. Möglicherweise sind sie auch in etwa so teuer. Wie viele Tiere er in diesen drei Jahrzehnten aufgenommen hat, weiß er nicht genau. "Aber so um die 100 dürften es gewesen sein", sagt der 76-Jährige.  Da kommt schon eine Menge zusammen an Futter- und Tierarztkosten. Einige Tiere sind kastriert oder sterilisiert. "Sonst vermehren sie sich doch ungebremst", sagt er. 

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Doch mit den Tierarztkosten ist er finanziell überfordert. "Die sind in den letzten Jahren derart gestiegen, dass er sich das nur noch in Ausnahmefällen leisten kann. Bin manchmal beim Tierarzt raus und habe zuvor 500 Euro auf den Tisch gelegt", sagt der Rentner. 

Scheu, aber neugierig. Die Tiere sind an den Striegnitzer gewöhnt.
Scheu, aber neugierig. Die Tiere sind an den Striegnitzer gewöhnt. © Claudia Hübschmann

Hähnchenfleisch für Lieblingskatzen

Die Katzen haben sich erstmal verzogen. "Sie sind an mich gewöhnt und sehr scheu, wenn Fremde auftauchen", sagt er . Vor einiger Zeit hat der Striegnitzer eine Katze wieder aufgepäppelt, die in eine illegale Wildfalle geraten war. Die Pfote war geschwollen und vereitert. Gerd Bartkowski hat sie gesund gepflegt . "Sie hat sich wieder erholt, bekam später sogar noch Junge", sagt er. Und er sammelt auch hin und wieder Katzen auf, die in Striegnitz von Autos überfahren und einfach liegengelassen wurden. Er begräbt sie dann.

Auch das Katzenfutter geht ins Geld, wenngleich die allermeisten seiner Katzen "Selbstversorger" sind, als Freigänger Mäuse jagen. Und davon gab und gibt es ja in diesem Jahr mehr als genug. Da muss der Striegnitzer nur noch mit Nass- oder Trockenfutter zufüttern. Wie viel Geld hat er in den 30 Jahren für Katzenfutter auf den Tisch gelegt. "Keine Ahnung. Ist mir auch egal. Wichtig ist doch, dass es den Tieren gut geht", sagt er. Für seine Lieblingskatzen spendiert er schon mal Hähnchenfleisch. "Meine Frau hat mir das aber verboten", sagt er und lacht. 

Doch zum Lachen ist ihm eigentlich nicht zumute. Der Mann, der in all den Jahren so vielen Katzen geholfen hat, ist jetzt selbst in Not. Im Frühjahr nächsten Jahres wird er umziehen, von Striegnitz in eine Wohnung in die Stadt, nach Lommatzsch. Die ist altersgerecht und bequemer. 

"Wir haben ja hier noch Kachelöfen", sagt er. Doch die Medaille hat auch eine zweite Seite, denn die Katzen kann  er da natürlich nicht mitnehmen. Auch in Striegnitz können sie nicht bleiben. Den Schuppen, der früher als Hundezwinger diente und in dem jetzt einige Katzen leben, muss er vor dem Umzug abreißen. Die Katzen in ein Tierheim zu geben, ist keine Option. "Man hat mir gesagt, dass ich dann so lange für sie zahlen muss, bis sie vermittelt sind. Das kann ich nicht, das geht richtig ins Geld", sagt der Striegnitzer.

Er  möchte nun die Tiere in gute Hände abgeben, hofft, dass er Leute findet, die ihm die eine oder andere Katze abnehmen. Die Stadt Lommatzsch hatte schon einen Aufruf im Amtsblatt gestartet. Der Erfolg war überschaubar.

 "Es waren zwar ein  paar Leute da, haben aber nur geschaut, andere Ratschläge gegeben. Mitgenommen hat bisher keiner ein Tier", sagt er enttäuscht.  Viele wollten nur Jungtiere haben. Damit kann er aber nicht dienen.  Seine Kater und Katzen sind zwischen ein und zehn Jahre alt, wobei er bei vielen das Alter nur schätzen kann.

Inzwischen sind die ersten Versteckten aufgetaucht. Die Neugier hat über die Scheu gesiegt. Und dennoch: Aus sicherer Entfernung beäugen sie den Fremden. 

"Das wäre ihr Todesurteil"

Der Abschied von seinen Tieren würde ihm ohnehin sehr schwer fallen, aber Gerd Bartkowski weiß, dass es nicht anders geht. Der Abschied von den beiden schwarzen Zwillingen mit den weißen Pfoten  und den weißen Lätzschen Max und Moritz beispielsweise. Oder von der roten Lilly,  in der wohl auch ein bisschen Rassekatze steckt. Lilly ist eigentlich ein Kater. "Als wir den Namen gegeben haben, wussten wir das noch nicht", sagt er. 

Geld haben für die Tiere will er übrigens nicht, wenn er sie abgibt, auch nicht für die kastrierten und sterilisierten. "Um Gottes Willen, ich bin doch froh, wenn sich jemand um sie kümmert und es ihnen gut geht", sagt er.  Dass es klappt, da hat er wenig Hoffnung. "Wenn sich niemand findet und ich von Striegnitz weg bin, dann werden sie wohl vergiftet, erschlagen oder überfahren. Das wäre ihr Todesurteil, das ist doch grausam", sagt er. Das Beste sei, wenn jemand aus  einem Tierheim käme und die Katzen abholen würde.  "Aber mir hat noch nie jemand geholfen", sagt der Mann, der 30 Jahre anderen geholfen hat, resigniert. 

Wer an einer Katze interessiert ist, kann sich  bei Gerd Bartkowski in Lommatzsch, Ortsteil  Striegnitz, Striegnitzer Straße 6, Telefon 035241 80 942 oder bei der Stadt Lommatzsch, Frau Heimann oder Frau Klose, Telefon 035241/540 10 oder 540 21 melden.

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