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So läuft der Fensterverkauf

Immer mehr Gaststätten in Meißen und Umland greifen eine Idee aus dem ersten Lockdown auf. Ganz wichtig für sie: Das Personal soll gehalten werden.

In Corona-Zeiten muss man sich zu helfen wissen: Im Meißner Gasthaus zur Altstadt wird das Essen durchs Fenster verkauft.
In Corona-Zeiten muss man sich zu helfen wissen: Im Meißner Gasthaus zur Altstadt wird das Essen durchs Fenster verkauft. © Claudia Hübschmann

Meißen/Radebeul. Beim Lesen der Speisekarte des Meißner Burgkellers wird der Mund wässrig. Carpaccio vom Wild mit geröstetem Speck, Nüssen, Honig, Cranberries und Speckbrot zählt für 13,50 Euro unter den Vorspeisen zu den Glanzlichtern. Tatar vom Rind – pikant mariniert mit Chili-Creme-Fraiche und Manchego-Käse dürfte im Bereich der Kalten Küche auch nicht zu verachten sein. 

Die Leckereien gehören zum während der Corona-Schließzeit laufenden Abhol- und Lieferangebot des Meißner Vier-Sterne-Hauses. Auch in dieser schwierigen Phase verkauft sich das Unternehmen von Tessa und Andreas Barth nicht unter Wert. Der Mindestbestellwert liegt bei 40 Euro. Abholer erhalten einen Nachlass von zehn Prozent.

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Eher auf rustikale Kost setzt Wirt Simon Naumann aus der Gaststätte Zum Libero in Nossen. Krautroulade, Tote Oma oder Flecke steht hier hoch im Kurs. "Gerade Flecke ist ja relativ aufwendig und als Einzelner kocht man die sich meistens nicht selbst", sagt Naumann. Zu seinen Kunden zählen eigenen Angaben zufolge viele Stammgäste, Gewerbetreibende und Leute, die bei Facebook auf die wöchentlich wechselnden Angebote aufmerksam werden. 

Bei der Bestellung sei ihm der Telefonanruf am liebsten, sagt Naumann. Dann könne er besser planen und einkaufen. "Es ist immer traurig, jemanden wegschicken zu müssen", so der Wirt. Für den Notfall hält er allerdings immer Klassiker wie Currywurst oder Burger bereit.

Freuen sich mit vielen Kollegen, dass die Küche nicht kalt bleibt: Koch Paul Schunk (links) und Thomas Eckelmann (Souschef) am 11.11.2020 mit dem Gans-To-Go- Paket vor Adams Gasthof in Moritzburg.
Freuen sich mit vielen Kollegen, dass die Küche nicht kalt bleibt: Koch Paul Schunk (links) und Thomas Eckelmann (Souschef) am 11.11.2020 mit dem Gans-To-Go- Paket vor Adams Gasthof in Moritzburg. © Arvid Müller

Gans ist erneut der Renner

In den Meißner Müller-Restaurants wie Rats- und Domkeller können Chef Karsten Müller und sein Team beim jetzigen Liefer- und Abholservice auf Erfahrungen mit dem sogenannten Gänsetaxi in den vergangenen Jahren zurückgreifen. Die Kunden bekommen ihre Martinsgans servierfertig geliefert, samt zugehörigem Wein. Tatsächlich ist Gans dieses Jahr erneut der Renner.

Viel verdienen lasse sich mit diesem Service zwar nicht, sagt Müller, aber zumindest gebe er dem Personal etwas Sicherheit, dass es weitergehe. Er habe sonst größte Befürchtungen für die Dienstleistungsbranche. Schon jetzt sei es schwer gewesen, Leute zu bekommen. Die Jugend jedoch dürfte sich angesichts der nun gemachten Erfahrungen vermutlich für andere Jobs entscheiden.

Die ganze Woche über durchhalten

In Radebeul bildet der Anger von Altkötzschenbroda den regionalen Schwerpunkt der Abholmöglichkeiten: "Es hat wunderbar geschmeckt", sagt etwa der Radebeuler Familienvater, der am letzten Sonntag Gans mit Rotkohl und Klößen im Goldenen Anker in Radebeul bestellt hat. Mit Kreide steht auf einer großen Tafel am Hotel angeschrieben, was jetzt Freitag bis Sonntag abgeholt werden kann. 

Petra Paul, die Betreiberin des Goldenen Ankers, sagt, dass sie am ersten November-Lockdown-Wochenende etwa 20 Gerichte am Fenster verkauft hat. Wirtschaftlich helfe das wenig. Aber die Mitarbeiter nicht verzweifeln zu lassen und im Unternehmen zu halten, das sei ihr wichtig. Ein bis zwei Tage solle jeder in der Woche da sein und sich mit dem Team verbunden fühlen. Petra Paul: „Was soll denn sonst werden, wenn uns die Leute in andere Branchen weglaufen.“

Mandy Hähnel und ihre Mannschaft von den Kötzschenbrodaer Gaststätten Sonnenhof, Dampfschiff und Alte Apotheke wollen den Fensterverkauf teils sogar die ganze Woche durchhalten. „In Internetshop kann bei uns vorbestellt werden. Wer ein paar Minuten Zeit mitbringt, kann auch am Fenster bestellen und wird bedient“, sagt die Gastronomin. Mit der Kötzschenbrodaer  Werbegilde soll es dieser Tage einen Treff geben. „Wir wollen überlegen, was wir zusammen am 1. Advent mit genügend Abstand und Hygieneregeln dennoch machen könnten.“

Offen sind die Fenster und Küchen auch bei der Oberschänke am Dorfanger Altkötzschenbroda und im Spitzhaus oberhalb vom Goldenen Wagen in Radebeul. „Es lief am letzten Wochenende verhalten an. Wir hoffen, dass es sich herumspricht“, sagt Spitzhaus-Geschäftsführer Marco Stelter. Es gibt Kürbissuppe, Currywurst, Glühwein und beispielsweise eingeweckte Rouladen und Gulasch zum Mitnehmen.

Hier wird das Essen aus dem Fenster gereicht:

Meißner Restaurants:

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