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Brand: Keine Spur zu Tätern

Vor einem Monat brannte der Gasthof "Herr Gevatter" in Wölkisch. Die Brandermittler haben ihre Arbeit vor Ort beendet.

Gasthof in Flammen. Der "Herr Gevatter" brannte am 12. Dezember vorigen Jahres.
Gasthof in Flammen. Der "Herr Gevatter" brannte am 12. Dezember vorigen Jahres. © Ingo Nestler

Diera-Zehren. Es war einer der größten Brandeinsätze der Feuerwehren aus der Region. Am 12. Dezember kurz vor 19 Uhr wurde ein Brand in Wölkisch gemeldet. Als die Feuerwehren aus Zehren, Niederlommatzsch, Meißen, Lommatzsch, Wachtnitz, Riesa, Hirschstein und Bärnsdorf mit insgesamt rund 80 Kameraden eintrafen, stand der Dachstuhl schon lichterloh in Flammen.

Schnell war von Brandstiftung die Rede. Dies wurde vor allem aus der Tatsache geschlossen, dass das Haus über keinen Stromanschluss mehr verfügte. Ein technischer Defekt konnte deswegen mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden. Bis kurz vor Weihnachten waren Brandermittler der Polizei im Einsatz. Sie haben ihre Arbeit am Brandort mittlerweile abgeschlossen, wie die Polizeidirektion Dresden auf Nachfrage mitteilt. "Die Auswertung der Spuren dauert noch an. Eine abschließende Einschätzung der Schadenshöhe kann seitens der Polizei nicht erfolgen, jedoch dürfte der Sachschaden im hohen fünfstelligen Bereich liegen, wenn nicht sogar im niedrigen sechsstelligen", so Stefan Grohme von der Pressestelle der Polizei. Unter anderem werden Proben vom Landeskriminalamt auf Brandbeschleuniger untersucht.

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Gebäude war angeblich nicht versichert

Bei ihren Ermittlungen hatte die Polizei auch Anwohner nach verdächtigen Personen befragt. Diese gaben an, dass sich am Brandtag zwei Personen in Wölkisch aufgehalten haben sollen, die nicht aus dem Ort stammten. Ob sie mit dem Brand etwas zu tun hatten und wer sie sind, konnte noch nicht ermittelt werden. "Tatverdächtige sind bislang nicht bekannt", so Grohme.

Der traditionsreiche Gasthof „Herr Gevatter“ war seit dem 12. Januar 2014 geschlossen und stand zum Verkauf. Eine italienische Künstlergruppe erwarb ihn von der vormaligen Betreiberin für 40.000 Euro und wollte in Wölkisch ein Kunsthaus etablieren. Nach vielversprechendem Start scheiterte das Projekt allerdings. Die Italiener wollten das Haus wieder verkaufen. Bei einer Immobilienfirma stand der ehemalige Gasthof zunächst mit 142.500 Euro in der Liste. Zuletzt waren für das Haus 80.000 Euro aufgerufen worden.

Schnell machten Gerüchte über Versicherungsbetrug die Runde. Nach Auskunft der ehemaligen Eigentümerin hatten die neuen Besitzer beim Kauf die bestehende Gebäudeversicherung übernommen. Nach Informationen der SZ war das Gebäude zuletzt aber nicht mehr versichert.

Auch Vorgängerbau ging in Flammen auf

Mit dem ehemaligen Gasthof "Herr Gevatter" ist ein sehr geschichtsträchtiges Gebäude abgebrannt. Seinen Namen hat es dem französischen Kaiser Napoleon zu verdanken. Dieser übernachtete hier am 10. September 1812. Die Frau des damaligen Besitzers war hochschwanger und gebar in dieser Nacht ein Kind. Napoleon wurde von dem Ehepaar gebeten, die Patenschaft für das Kind zu übernehmen. Der Kaiser sagte zu und wurde der Taufpate des Kindes. Gevatter ist die altertümliche Bezeichnung für Pate.

Der Kaiser ist allerdings nicht im Taufbuch eingetragen. Offiziell konnte er nämlich gar kein Pate werden. Denn Napoleon war katholisch, das Ehepaar evangelisch. Allerdings übernachtete Napoleon auch nicht in dem heutigen, jetzt abgebrannten Gebäude, sondern in dem Vorgängerbau, der sich daneben befand.

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Mindestens seit 1732 wurde dieser Gasthof betrieben. Der erste namentlich bekannte Gastwirt war Johann Christian Tamme, der das Gasthaus von 1732 bis 1761 betrieb. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Vorgängerbau schon 1642. Ironie der Geschichte: Auch er fiel Flammen zum Opfer.

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