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Tierpark Meißen: Teilauflösung ab Oktober

Betreiber Heiko Drechsler läuft die Zeit davon. Im Stadtrat rückt eine Entscheidung näher.

Schneeeulen, nordafrikanische Stachelschweine und Grünflügelaras zählen 2020 zu den Attraktionen des Meißner Tierparks. Doch ihre Tage in Meißen könnten gezählt sein.
Schneeeulen, nordafrikanische Stachelschweine und Grünflügelaras zählen 2020 zu den Attraktionen des Meißner Tierparks. Doch ihre Tage in Meißen könnten gezählt sein. © Heiko Drechsler

Meißen. Tierparkchef Heiko Drechsler zeigt sich alarmiert. Aus dem Rathaus sei ihm mitgeteilt worden, dass der Tierpark künftig durch eine gemeinnützige GmbH geführt werden solle. Für diese sei ein Zuschuss von 100.000 Euro jährlich geplant. Ein Aufhebungsvertrag soll das mit ihm noch bis 2028 laufende Pachtverhältnis vorfristig beenden.

"Ursprünglich hieß es, man werde eine Lösung mit mir gemeinsam suchen", so Drechsler. Nun entstehe bei ihm der Eindruck, er werde vor vollendete Tatsachen gestellt. Gleichzeitig fühle er sich durch die Verwaltung und Teile des Stadtrates hingehalten. Mehrmals hat der Tierparkbetreiber eigenen Angabe zufolge gebeten, ihn bis Ende August darüber zu informieren, wie es künftig mit ihm und der Anlage in Siebeneichen weitergehe. Nun gebe es zwar diese Aussage aus dem Rathaus. Es fehlt jedoch ein Beschluss des Stadtrates. 

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Tatsächlich rennt dem Dresdner die Zeit davon. Er hält den Tierpark derzeit allein am Laufen. Die Zuschüsse von 60.000 Euro pro Jahr durch die Stadt für Personalkosten sind ausgelaufen. Rechtlich ist es nicht vertretbar, Drechsler als Einzelunternehmer dauerhaft finanziell zu fördern. 

"Gesundheitlich bin ich am Ende. Noch einen Winter stehe ich nicht durch", sagt der Tierpfleger. Die Futtervorräte reichten zwar, jedoch sei die Arbeit nicht zu bewältigen. Angesichts der fortwährenden Unsicherheit habe er beschlossen, ab Oktober mit einer Teilauflösung zu beginnen. So gebe es bereits Interessenten für die Schneeeulen. Das Zwergenland könnte eventuell an den Tierpark in Strehla gehen.

Was die weitere Zukunft der Anlage angeht, stehe er jederzeit bereit, einen Auflösungsvertrag auszuhandeln, sagt Drechsler. Darin müsste unter anderem klar geregelt sein, wie er für die durch ihn und Helfer gebaute Wasserleitung, die Schächte, Stromanschlüsse und den Grillplatz entschädigt werde. Die Übergangszeit werde er gern begleiten, als Gesellschafter einer gemeinnützigen GmbH stehe er jedoch nicht zur Verfügung. Er verstehe nicht, weshalb diese 100.000 Euro erhalten solle, während er mit 60.000 Euro auskommen würde. Zudem rechnet er damit, dass dieser Zuschuss nicht ausreichen dürfte. Vergleichbare Anlagen würden mit einer Viertel Million Euro gefördert.

Verschiedene Modelle möglich

Aus den Reihen der Stadträte gibt es Widerspruch zu dieser Darstellung. Der Chef der Fraktion aus ULM, FDP, Freien Bürgern und CDU, Martin Bahrmann stellt klar, dass bislang nichts entschieden sei. Nach Auskunft von FDP-Stadtrat Uwe Köhler, Mitglied der AG Tierpark, zähle der Abschlussbericht der Zukunftskommission mehrere Szenarien auf, wie es in Siebeneichen weitergehen könnte.

Verschiedene Modelle würden erwogen. Angefangen von der Form eines Vereins über eine Stiftung bis hin zu einer gGmbH oder dem Anschluss an bestehende städtische Einrichtung. Drechsler werde nicht grundsätzlich als weiterer Betreiber ausgeschlossen. Die Details des Abschlussberichtes sollten zeitnah öffentlich bekannt gemacht werden. Anschließend muss der Stadtrat diskutieren und entscheiden.

Gemeinnützigkeit bevorzugt

Ähnlich lautet das Statement des AfD-Stadtrats und Landtagsabgeordneten Thomas Kirste. Von einer plötzlichen Lösung könne keine Rede sein, schreibt er auf Anfrage der SZ. Der Stadtrat habe sich dazu bekannt, dass die AG Tierpark zur Zukunft des Tierparks beraten und entsprechende Empfehlungen vorlegen solle. Dem wurde entsprochen. Die AG werde am 30. September im Stadtrat einen Abschlussbericht präsentieren.

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Einig war sich die AG Kirste zufolge, dass der Tierpark künftig in gemeinnütziger Trägerschaft und unterstützt durch die Stadt Meißen weiter betrieben werden sollte. Die Grundsätze, der im Abschlussbericht dargelegten Empfehlung, seien mit dem jetzigen Betreiber abgestimmt. Zunächst müsse nun der Stadtrat über den Abschlussbericht und die Umsetzung der empfohlenen Variante entscheiden. Dann könnten weitere Details zur konkreten Umsetzung mit Drechsler besprochen werden.

Diese Aussagen werden SZ-Informationen zufolge, auch von den restlichen Fraktionen und dem Rathaus getragen.

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