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Baumarkt-Mitarbeiter wegen Untreue vor Gericht

Einem Baumarkt in Meißen entsteht ein Schaden von 39.000 Euro, weil ein Mitarbeiter einem guten Kunden viel zu wenig berechnete. Alles nur ein Fehler?

Gedränge im Baumarkt. Durch das eigentümliche Gebaren eines Verkäufers entstand einem Meißner Baumarkt ein Schaden von 39.000 Euro.
Gedränge im Baumarkt. Durch das eigentümliche Gebaren eines Verkäufers entstand einem Meißner Baumarkt ein Schaden von 39.000 Euro. © Symbolfoto: Claudia Hübschmann

Meißen.  Der 42-jährige Cottbuser und der 33 Jahre alte Mann aus Nossen waren mal so etwas wie Freunde. Der Cottbuser ist Inhaber einer kleinen Firma und guter Kunde in einem Meißner Baumarkt.  Als solcher hat er  nicht nur ein Kundenkonto, sondern bekommt auch Rabatte und Sonderkonditionen. Der Nossener ist nicht nur Verkäufer in dem Baumarkt, sondern hat es auch zum stellvertretenden Leiter geschafft. Beide haben manch Geschäft miteinander abgeschlossen. Dieses aber bringt beide auf die Anklagebank des Meißner Amtsgerichtes. Untreue wird dem Verkäufer vorgeworfen, Anstiftung zur Untreue dem Kunden.  Durch die Tat ist dem inhabergeführten Baumarkt ein Schaden von 39.000 Euro entstanden.  

Der Cottbuser ist auf der Suche nach Drehkreuzen, wie sie beispielsweise in Toilettenanlagen eingebaut sind. Er betreibt mit seiner Firma derartige Anlagen.  Obwohl der Baumarkt derartige Drehkreuze nicht im Sortiment hat, wendet  sich der Kunde an den ihm bekannten Verkäufer. Er möchte sechs derartige Kreuze erwerben. Sie sollen hochwertig und langlebig sein. Und er gibt seinen finanziellen Rahmen dafür vor. 18.000 bis maximal 20.000 Euro sollen sie samt Einbau kosten. 

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Das Kundenlimit vergessen

Der Verkäufer will ein derartiges Angebot vermitteln. Er nimmt Kontakt zu einer Firma auf, die Drehkreuze herstellt. Und bekommt ein Angebot. Über 39.000 Euro. Und er nimmt dieses Angebot an. Die Kreuze werden hergestellt und angeliefert, der Baumarkt leistet eine Anzahlung von 18.268 Euro. Doch als der Kunde die Rechnung sieht, fällt er aus allen Wolken.  Er weigert sich die Rechnung zu bezahlen, denn einen solchen Auftrag hatte er nie unterschrieben. "Es war mein Fehler. Ich hatte den Auftrag ausgelöst und dabei war es mir entfallen, dass der Kunde ja ein Limit vorgegeben hatte", verteidigt sich der Nossener. 

Doch was nun tun? Die Drehkreuze sind Maßanfertigungen und praktisch nicht an andere Kunden verkäuflich. Da kommt der Nossener auf einen "Trick".   Er stellt zwar eine Rechnung über 39.000 Euro aus, verlangt aber nur 15.750 Euro.  "Ich wollte den Schaden minimieren. Statt 39.000 Euro wären dem Baumarkt so nur gut 24.000 Euro Schaden entstanden", sagt der Angeklagte. Motto: Eingebüßt ist auch gehandelt. Doch auch diese Rechnung geht nicht auf. Denn weil der Kunde nie eine ordentliche Rechnung über die niedrigere Summe erhalten hat, bezahlte er bis heute nicht. 

Inzwischen hat der Baumarkt zivilrechtlich geklagt und Recht bekommen. Dennoch zahlt der Kunde nicht, wartet wohl das Strafverfahren ab.  Der Baumarkt hat an den Hersteller inzwischen die gesamte Summe gezahlt.

Kein persönlicher Vorteil

Einen Vorteil hatte der Verkäufer durch sein Handeln nicht. Wie der Marktleiter gegenüber der SZ sagt, bekam er dafür keine Provision oder ähnliches. Aus dem Untreuevorwurf kommt der Nossener dennoch nicht heraus. "Sie müssen bei Untreue keinen persönlichen Vorteil haben. Aber Sie sind verpflichtet, das Vermögen so zu verwalten, dass Ihrem Arbeitgeber kein Schaden entsteht", macht die Staatsanwältin dem Angeklagten klar. Sie und die Richterin suchen nach einem Weg, das Verfahren so zu beenden, dass dem Baumarkt der Schaden ersetzt wird. Dieser Weg sieht so aus, dass das Verfahren zwar gegen beide Angeklagte vorläufig eingestellt wird, jedoch gegen hohe Geldauflagen. Der Cottbuser muss an den Markt die vereinbarten 15.750 Euro zahlen, der Nossener 14.250 Euro. Das ist der Differenzbetrag zur Gesamtsumme, allerdings ohne Mehrwertsteuer.    

Während der Cottbuser die Summe innerhalb eines Monats zahlen muss  - das Geld hat er ja da - hat der Nossener dafür ausnahmsweise neun Monate Zeit. Aus seinen laufenden Einnahmen kann er das keinesfalls bezahlen, wird wohl einen Kredit aufnehmen müssen. Zahlt er nicht innerhalb der Frist, beginnt das Verfahren von vorn und endet mit einer Verurteilung. Dann käme noch eine saftige Geldstrafe auf ihn zu. Die dürfte anhand seines Nettoeinkommens wohl zwischen 4.000 und 5.000 Euro liegen. 

Der Verkäufer ist übrigens nicht mehr in dem Baumarkt tätig. Er hat selbst gekündigt, kam damit einem Rausschmiss zuvor. 

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