merken
PLUS Meißen

Ideen gefragt beim Fensterverkauf

Viele Gastwirte bieten weiterhin Essen zum Abholen an – bei schwankender Nachfrage. Einige probieren aus der Not heraus neue Dinge aus.

Abholservice mit Western-Charme: Das Scharfenberger Steakhaus „Western-Inn“ hat seinen Planwagen auf den Parkplatz gerollt. Hier geben Mitarbeiter wie Lydia Schultheis die bestellten Gerichte an die Kunden heraus.
Abholservice mit Western-Charme: Das Scharfenberger Steakhaus „Western-Inn“ hat seinen Planwagen auf den Parkplatz gerollt. Hier geben Mitarbeiter wie Lydia Schultheis die bestellten Gerichte an die Kunden heraus. © Claudia Hübschmann

Von Ulrike Keller

Für Service-Mitarbeiterin Lydia Schultheis ist es ein frostiges Unterfangen. Doch die bestellten Schweinerippchen gehen schön warm in der Assiette über die Wagentheke. Das Scharfenberger Steakhaus „Western-Inn“ hat seit Dezember einen Planwagen auf dem Parkplatz stehen und nutzt diesen als Ausgabestelle für bestellte Gerichte und To-go-Angebote. „Unsere Idee war, eine Art Drive-in zu öffnen, weil wir von vielen Kunden das Feedback bekamen, dass sie unsere Rippchen vermissen“, erzählt Lydia Schultheis. Was als Übergangslösung für wenige Wochen gedacht war, ist nun von längerer Dauer. Wenngleich alle zehn Mitarbeiter in Kurzarbeit sind.

TOP Jobs
TOP Jobs
TOP Jobs

Finden Sie bei Top Jobs jetzt Ihren Traumjob in der Region! Attraktive Arbeitgeber Ihrer Region suchen Sie!

Geöffnet ist montags bis freitags 11 bis 18 Uhr. Telefonisch bestellen können die Kunden auch außerhalb in dieser Zeit. „Die Nachfrage ist sehr schwankend“, berichtet Inhaberin Dagmar Großer. „Im Dezember lief es einigermaßen gut, jetzt ist es ganz schön abgestürzt.“ Obwohl der Freitag oft ein guter Tag ist, beschert er dem Team diesmal nur sieben Gäste.Dennoch hält die Steakhaus-Chefin das Abholangebot für wichtig. „So behalten wir Kontakt zu den Gästen, hören ihre Wünsche und Sorgen und sind ein Anlaufpunkt“, sagt sie. Jeden Tag stünden zwischen fünf und sechs Gerichte zur Auswahl, zu finden auf der Webseite. „Wenn es kalt ist, kochen wir zum Beispiel auch Eintöpfe“, sagt Dagmar Großer.

Das indische Restaurant „Fuchshöhl“ in Meißen bietet seinen Abholservice sechs Tage die Woche an. Nur Dienstag ist Ruhetag. Das Team hat die Speisekarte auf der Webseite lediglich um einige wenige Gerichte reduziert, die sofort warm gegessen werden sollten. „Ansonsten versuchen wir, alles da zu haben“, versichert Mitarbeiterin Maria Multani. Die Abholung ist in der Woche von 11.30 bis 14 und 17 bis 20 Uhr möglich. Am Wochenende ist die Gaststätte von 11.30 bis 21 Uhr erreichbar. „Wir liefern auch“, sagt Maria Multani. Allerdings muss eine solche Bestellung einen Tag vorher eingehen, um das Personal einplanen zu können. Alle drei Mitarbeiter sind zurzeit in Kurzarbeit.

„Beim ersten Lockdown im Frühling war die Nachfrage größer“, vergleicht Maria Multani. „Jetzt ist es schon schwierig, zumal noch nichts von den Hilfen da ist.“ Mit dem Abholservice wolle das Restaurant präsent bleiben. „Und wir tun das, um beschäftigt zu bleiben“, verrät die „Fuchshöhl“-Angestellte. Zudem möchte das Team den Stammgästen für die Unterstützung danken. Sie kämen zum Teil aus Nünchritz, Oschatz und Dresden angefahren. „Wirtschaftlich deckt es nicht einmal die Grundkosten“, sagt Maria Multani.

Aus eben diesem Grund konzentriert sich Andreas Mahler mit seiner Meißner Sushi-Bar „Anton & Albert’s“ auf den Freitag und Sonnabend. Wie seit fünf Monaten schon. Im vergangenen Jahr nahm der Gastronom aller zwei Wochen für diese beiden Wochentage Bestellungen entgegen. Dieses Jahr nun weitet er das Angebot versuchsweise auf jede Woche aus. Die ersten drei Termine sind der 15./16., 22./23. und 29./30. Januar. Die Speisekarte hat er auf der Webseite stehen. Bestellungen sind jeweils bis 12 Uhr des geplanten Abholtages möglich – und zwar per E-Mail, Whatsapp, Instagram und Facebook. „Nicht per Telefon“, betont Andreas Mahler.

Reichen die eingegangenen Aufträge jedoch nicht, um rentabel arbeiten zu können, sagt er den Kunden ab und lässt seine Sushi-Bar zu. Einmal war das bisher der Fall. Die Bestellungen konnte er nach Rücksprache mit den Kunden auf den nächsten Tag legen.

„Rentabel wird es im Schnitt ab zehn Gerichten“, überschlägt der Sushi-Experte. Dennoch: Seine Fixkosten kann er auf diese Weise nicht decken. „Ich mache das, um rauszukommen, aktuell zu bleiben und meinen Kunden etwas zu bieten“, sagt er.

Ganz ähnlich beschreibt die Situation Anja Hoffmann vom Weinböhlaer Restaurant „Laubenschlösschen“. Das Haus ist auf deutsche Küche spezialisiert und hält am Abholservice nur fest, um den Stammgästen etwas zurückzugeben für ihre Treue.

Eine besondere Idee hier ist das Wohnmobildinner: „Gäste können mit ihrem Wohnmobil vor unser Haus fahren, und wir geben ihnen das bestellte Essen hinein“, erläutert Mitarbeiterin Anja Hoffmann. Ab und zu werde das genutzt.

Das Gasthaus hat auf seiner Webseite eine ausgedünnte Speisekarte stehen, die von Zeit zu Zeit angepasst wird. Dabei berücksichtigt das Team, was die Gäste erfahrungsgemäß gern essen. Bestellungen nimmt es vorzugsweise telefonisch entgegen. Zur Abholung geöffnet ist mittwochs bis freitags durchgehend sowie am Wochenende 11 bis 14 und 17 bis 20 Uhr.

Wie Anja Hoffmann berichtet, wird der Abholservice überwiegend am Wochenende genutzt und überwiegend von Stammgästen. Zurzeit gehe die Nachfrage merklich zurück. Wie immer im Januar.

Nichts von einem Rückgang an Essensbestellungen bemerkt hingegen ein Gastronom in Radebeul: Anselmo Santos Collado, Inhaber des spanischen Restaurants „Casa Maria“. „Auch die erste Januarwoche lief gut“, sagt er. „Ich kann meine Fixkosten von den Bestellungen decken und bin nirgends in Zahlungsverzug.“ Selbst personell sei alles beim Alten geblieben.

Der gebürtige Spanier kocht spanische Gerichte in original spanischer Art und hat zurzeit neun Tapas und sechs Hauptgerichte im Angebot, darunter Paella, Wachtel, Fasan. Bestellungen nimmt er montags bis sonnabends entgegen, immer von 11 bis 19 Uhr, und zwar ausschließlich per Telefon. Eine Webseite hat er nicht. Meldet sich jemand zum ersten Mal, schickt er ihm die Speisekarte aufs Handy. Ansonsten setzt er auf mündliche Kunden-Empfehlungen.

Mehr zum Thema Meißen