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Lommatzsch spürt Geburtenknick

Es zogen mehr Menschen in die Stadt als diese verließen. Insgesamt verlor Lommatzsch 45 Einwohner. Das hat vor allem einen Grund.

Familie Kühnemund zog nach Lommatzsch und sanierte einen alten Bauernhof. Solche Initiativen wünscht sich die Bürgermeisterin auch für die Kernstadt.
Familie Kühnemund zog nach Lommatzsch und sanierte einen alten Bauernhof. Solche Initiativen wünscht sich die Bürgermeisterin auch für die Kernstadt. © Claudia Hübschmann

Lommatzsch. Ein Trend hat sich verstetigt. Nach Lommatzsch ziehen mehr neue Einwohner, als die Stadt verlassen. Das geht aus einer Statistik hervor, welche die Stadtverwaltung jetzt veröffentlichte. Demnach zogen von Juni 2019 bis Juni dieses Jahres 161 Frauen, Männer und Kinder in die Stadt. Auf der anderen Seite verließen 140 Personen  Lommatzsch. Unter dem Strich allerdings hatte die Stadt in einem Jahr einen Einwohnerverlust von 45 Personen. Der Grund: Zwar wurden 28 Kinder geboren, es starben aber im gleichen Zeitraum 84 Menschen.  Insgesamt hatte die Stadt so Ende Juni 4.825 Einwohner.  Davon sind 4.776 Deutsche und 49 Ausländer.  Zahlenmäßig haben die Frauen mit 2.477 die Oberhand gegenüber 2.348 Männern. 

"Durch den positiven Wanderungssaldo konnte der Einwohnerverlust aber in Grenzen gehalten werden", so Bürgermeisterin Anita Maaß (FDP): Im ersten Halbjahr vorigen Jahres hatte es dagegen erstmals seit vielen Jahren eine positive Bevölkerungsentwicklung gegeben.  Innerhalb von sechs Monaten hatte die Stadt damals unter dem Strich einen Bevölkerungszuwachs von sechs Personen. 

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In der Bevölkerungsstatistik macht sich nun langsam der "Geburtenknick" aus den Jahren nach der Wende bis etwa 2003 bemerkbar. In diesem Zeitraum zogen vor allem viele junge Frauen wegen der Arbeit aus der Stadt weg, die Daheimgebliebenen bekamen weniger Kinder.  "Diejenigen, die damals nicht geboren wurden, können in den nächsten Jahren auch keine Kinder bekommen", macht die Bürgermeisterin wenig Hoffnung auf eine Trendwende. 

Dörschnitz mit größtem Zuwachs

Die Entwicklung in der Kernstadt und den 38 Ortsteilen verlief sehr unterschiedlich. Während die Stadt selbst zwölf Einwohner verlor, konnten sich Albertitz, Altlommatzsch, Dörschnitz, Ickowitz, Marschütz, Piskowitz, Schwochau und Trogen über mehr Einwohner freuen. Mit 15 Personen verzeichnete dabei Dörschnitz den größten Zuwachs und hat wieder 198 Einwohner. Die Einwohnerverluste der übrigen Ortsteile bewegen sich im Bereich von ein bis fünf Personen, während Barmenitz, Klappendorf, Krepta, Pitschütz, Prositz und Weitzschenhain ihre Einwohnerzahlen hielten.

Begonnen hat schon ein Eigentümerwechsel in den bestehenden Gebäuden. Dieser werde wohl in den kommenden zehn Jahren anhalten, so Anita Maaß. "Es ist wichtig für die Stadtentwicklung, dass ältere Menschen oder Erben ihre Häuser gut verkaufen können. Wenn sich junge Familien tatsächlich zum Neubau von Häusern entscheiden, sollten sie dies in Baulücken in der Stadt oder den Ortsteilen tun", sagt sie. Deshalb will die Stadt auch nicht große Eigenheimstandorte am Stadtrand ausweisen, denn dann würden junge Familien möglicherweise lieber neu bauen als sanieren. Damit würde bewusst der Verfall der Innenstadt in Kauf genommen.

Zu viel Zuzug schafft Probleme

Die Bürgermeisterin macht deutlich, dass ein großer Zuzug von jungen Familien auch zu Problemen führen würde. Denn mit Blick auf die zu erwartende Geburtenrate seien Betreuungsplätze in Kindertagesstätten, Grundschule und Hort auf eine gewisse Kapazität ausgelegt worden. "Sollte es gleichzeitig einen Zuzug von vielen Familien im gleichen Alter mit Kindern bis zehn Jahre durch ein neues Wohngebiet geben, müssten wir sofort mehr Betreuungsplätze schaffen", so Anita Maaß. Deshalb sollte ihrer Meinung nach in den nächsten zehn Jahren auch geringere Einwohnerzahlen in Kauf genommen werden, um die soziale und die altersmäßige Durchmischung der Einwohnerschaft in der Stadt und den Ortsteilen zu bewahren.

Eine Ausnahme sieht sie allerdings in der Entwicklung von Brachflächen, die nahe an der Innenstadt liegen. Vor allem die Brachen des ehemaligen Betriebsgeländes Gotthardt & Kühne plus Dämpferbau an der Bahnhofstraße ist damit gemeint. Das Gelände wurde einst dem damaligen geschäftsführenden Gesellschafter der Lomma verkauft, dem Vernehmen nach für einen Euro. Jetzt verfällt das Gelände mit seinen Gebäuden.

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Um diesen Zustand zu ändern und die Grundstücksentwicklung aktiv beeinflussen zu können, arbeite man am Stadtsanierungskonzept.  "Wir hoffen, dass es Anfang 2021 wieder möglich ist, beim Freistaat ein neues Sanierungsprogramm zu beantragen. Die Stadt Lommatzsch benötigt Fördermittel aus Stadtsanierungsprogrammen ebenso dringend wie private Bauherren", sagt sie. Dann könne man  im Stadtrat Entscheidungen treffen, die es uns ermöglichten, in einen aktiven Prozess der Grundstücksentwicklung zu treten. "Diese Aufgabe werden wir aber nicht allein und nicht von heute auf morgen lösen können. Wir müssen uns aber dieser Herausforderung baldmöglichst stellen", sagt sie.

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