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Nossen plant neue Bauflächen

Stadträte plädieren für möglichst wenig Neuversiegelungen und den Erhalt von Ackerflächen.

Nossen überarbeitet seinen Flächennutzungsplan, um zukünftige bauliche Entwicklungen möglich zu machen.
Nossen überarbeitet seinen Flächennutzungsplan, um zukünftige bauliche Entwicklungen möglich zu machen. © Claudia Hübschmann

Nossen. Seit Jahren wird in Nossen am Flächennutzungsplan gearbeitet, der die Grundlage für die bauliche Entwicklung der Kommune ist. Planer Hans-Joachim Bothe stellte den Entwurf in dieser Woche den Stadträten vor. Darin enthalten unter anderem Flächen von Wohn- und Gewerbegebieten sowie Landwirtschaftsflächen. „Der Plan ist eine wichtige Entscheidung für die Zukunft bis 2035“, sagte Bothe. Große Änderungen zu bestehenden Plänen wird es allerdings nicht geben. Vor allem wurden die existierenden Pläne für Nossen und die ehemaligen Gemeinden Ketzerbachtal und Leuben-Schleinitz zusammengeführt und aktualisiert.

Knapp 21 Hektar neue Bauflächen sind ausgewiesen. Dabei kann eine Kommune die Größe nicht willkürlich festlegen. Sie muss den Bedarf begründen, erklärte Bothe. Eine wichtige Rolle dabei spielt die Einwohnerzahl. Und die ist in den vergangenen Jahren stetig gesunken. 2019 lag sie bei knapp 10.700. Ziel für das Jahr 2030 seien 10.800 Einwohner.

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Harribert Najman von der Unabhängigen Bürgerliste (UBL) fragte, welche Auswirkungen stark abweichende Einwohnerzahlen auf den Plan haben. Wichtig sei, antwortete Bothe, dass nicht weniger als 10.000 Menschen in Nossen leben. Ein planerischer Spielraum sei wichtig, „und den haben Sie“. Sollte die Entwicklung anders als die Annahme sein, könne ein Flächennutzungsplan auch partiell geändert werden, erläuterte er weiter. Reserven seien da und Außenbereichs- und Ergänzungssatzungen zur Schaffung von Bauflächen möglich, auch wenn sie nicht im Plan dargestellt sind.

Holger Reinhardt-Weik (UBL) wies darauf hin, immer zu überlegen, ob eine Neuversiegelung notwendig sei oder eine Ersatzbebauung von brachliegenden Flächen besser ist. Er appellierte, die Bedeutung der Landwirtschaftsflächen nicht zu vergessen. Weiterhin gab er zu bedenken, dass ein weiterer Zuzug von Gewerbe den schon zu beobachtenden „Verkehrsinfarkt“ vorantreibe. Deshalb plädierte er: „Vorsichtig Wohnbau-Nachverdichtung, in vertretbarem Rahmen Gewerbeansiedlung, gleichzeitig massive Förderung des öffentlichen Nahverkehrs und der städtischen Infrastruktur. Auf der Grundlage des Flächennutzungsplanes sollten Bebauungspläne dann je nach Bedarf und mit Bedacht erstellt werden.“

Im Plan nicht ausgewiesen werden mehrere ursprünglich vorgesehene Photovoltaik-Freiflächenanlagen nördlich und südlich der A 14. Grund: Der Boden soll für eine landwirtschaftliche Nutzung weiterhin zur Verfügung stehen.

Bartusch will Entwicklung der gesamten Gemeinde prüfen

Der Flächennutzungsplan müsse laut Bothe derzeit für keinen Bebauungsplan dringend fertig werden, es gebe also keine Zeitnot. Allerdings wünschten er und Bauamtsleiterin Carola Bieber, dass die Räte möglichst in der Januar-Sitzung die öffentliche Auslegung beschließen. Dieser Zeitdruck gefiel einigen Stadträten nicht. „Es kostet viel Zeit, den Plan zu prüfen“, sagte Stadtrat Michael Thiel (UBL). Zudem ärgert ihn, dass die Bearbeitung durch Stadtverwaltung und Planer lange gedauert hat und die Stadträte nun – wie häufig in den vergangenen Jahren – schnell zu einer Beschlussfassung gedrängt werden. So habe er bereits im Februar 2019 Anregungen zum Plan eingebracht und erst knapp ein Jahr später eine E-Mail von der Stadt bekommen, dass seine Fragen berücksichtigt werden. „Bis zum Juni dieses Jahres war der Stadtrat an keiner Stelle eingebunden. Nur zwischendurch wurde der Zwischenstand kurz präsentiert“, sagte Thiel. Er hoffe, dass sich diese Verfahrensweise unter dem neuen Bürgermeister Christian Bartusch (SPD) künftig ändere.

Stadtrat Rico Schindler von der Unabhängigen Bürgervertretung Nossen (UBN) meinte, die Planung solle jetzt schnell vorangetrieben werden, da der Bedarf an Wohnungen vorhanden sei. Für eine zügige Überarbeitung sprach sich auch Bartusch aus. „Allerdings sehe ich keine akute Eile. Wie Herr Bothe in der Sitzung dargelegt hat, haben wir zurzeit keinen zeitlichen Druck.“ Zum Entwurf meinte er, dieser weise in die richtige Richtung, „da er sich an dem Ziel orientiert, durch Zuzug die Einwohnerzahl unserer Stadt stabil zu halten.“ Außerdem räume der Plan großzügige Potenziale für ein künftiges Wachstum des Wirtschaftsstandorts ein. „Allerdings muss ich mich in die komplexe Materie deutlich tiefer einarbeiten, um ein abschließendes Bild zu gewinnen. Hierbei werde ich mich insbesondere mit der Frage beschäftigen, ob eine positive Entwicklung des gesamten Gemeindegebiets im ausreichenden Maß ermöglicht wird“, sagte der neue Bürgermeister, der am 11. Dezember das Amt übernehmen wird.

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