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Wellenspiel-Defizit wächst

Die Pandemie hat nicht nur Besucherzahlen einbrechen lassen. Eine Finanzspritze soll Abhilfe schaffen.

Das Freizeitbad hat erhebliche coronabedingte Verluste zu verzeichnen. Aus eigener Kraft kann der Betreiber, die Städtische Dienste Meißen GmbH, das entstandene finanzielle Defizit nicht ausgleichen.
Das Freizeitbad hat erhebliche coronabedingte Verluste zu verzeichnen. Aus eigener Kraft kann der Betreiber, die Städtische Dienste Meißen GmbH, das entstandene finanzielle Defizit nicht ausgleichen. © Wellenspiel Meißen

Meißen. Erheblich sind die Ausfälle, die das Virus für das Freizeitbad Wellenspiel mit sich brachte. Bis zu den Sommerferien dauerte die Zwangspause, die im März verfügt worden war. Die ausbleibenden Besucher in Hallenbad und Saunen schlagen sich in den Umsätzen des Freizeitbades nieder: Im Vergleich zum Vorjahresmonat sanken sie im März um über 100.000 Euro auf rund 73.000 Euro. Im April fielen sie ganz aus. Die Durststrecke endete im August.

Das Meißner Wellenspiel war einer der ersten Bäderbetriebe, die ein Hygienekonzept vorlegen konnten, sagt Holger Metzig, der dem Aufsichtsrat der Städtischen Dienste GmbH (SDM) angehört. So konnte das Freizeitbad als Teil der SDM bereits zu den Sommerferien wieder öffnen. Und Umsätze generieren – durch den Eintritt in Bad und Saunen ebenso wie durch gastronomische Angebote innerhalb des Freizeitbades. Hinzu kommen Einnahmen aus der Nutzung der Caravan-Stellplätze im Außengelände. Dem sommerlichen Wetter ist es wohl mit zu verdanken, dass die Umsätze im August mit rund 135.000 Euro das Vorjahresniveau sogar übertrafen.

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Gemeinsam mit den Landkreisen und kreisfreien Städten hat die Staatsregierung weitere Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie beschlossen.

Dennoch bleibt ein Defizit. Durch Marketingmaßnahmen lässt sich Einfluss auf Besucherzahlen nehmen. Und Kurzarbeit für die Mitarbeiter bewirkt eine gewisse Reduzierung von Einnahmeverlusten. Insgesamt aber lassen sich die Ausfälle der Zwangspause und durch Einschränkungen, die sich für die Besucher aus den Hygienemaßnahmen ergeben, nicht vollständig kompensieren. Gegenüber dem Wirtschaftsplan dieses Jahres beträgt das Defizit etwa eine Viertelmillion Euro. Darüber informierte SDM-Geschäftsführer Falk Müller bereits im Sommer.

Der Betrieb des Wellenspiels ist, wie der vieler Freizeitbäder hierzulande, auf Zuschüsse angewiesen. Seit seiner Inbetriebnahme am 1. Mai 1999 bekommt das Freizeitbad Wellenspiel einen jährlichen Zuschuss von mehr als einer Million Euro aus dem städtischen Haushalt. Die Grundlage dafür bildet ein Mietvertrag, den die Stadt Meißen mit der Stadtentwicklungs- und -erneuerungs GmbH (Seeg) geschlossen hat und dessen Laufzeit zum 31. Mai 2029 endet.

Weil das Wellenspiel auf Zuschüsse angewiesen ist und kaum eigene Rücklagen bilden kann, musste die Stadt handeln, erklärt Aufsichtsrat Holger Metzig. Aus seiner Sicht gibt es keine Alternative dazu, „das Freizeitbad am Laufen zu halten“. Würde das Wellenspiel wegen des aktuellen Defizits geschlossen, fiele damit sofort der Schwimmunterricht für Kinder aus Meißen und Umgebung fort. Ebenso würde Sportvereinen, die in den Schwimmbecken trainieren die Grundlage entzogen. Schwimmunterricht wie Vereinssport müssten in umliegende Städte oder gar nach Dresden verlagert werden, was letztlich mit hohem logistischem Aufwand und Kosten für Transporte verbunden wäre.

Die Stadträte bekannten sich unterdessen zum Meißner Wellenspiel. Ohne Gegenstimmen oder Enthaltungen fassten sie einen Beschluss, an die Städtische Dienste GmbH „einen überplanmäßigen coronabedingten Zuschuss in Höhe von 251.922,14 Euro zu zahlen“, wie es darin heißt.

Stadt rechnet mit Geld vom Freistaat

Finanziert werden soll der Zuschuss aus Geldern, die die Stadt vom Freistaat bekommt. Finanzbürgermeister Markus Renner nannte vor den Stadträten die Summe von 1,1 Millionen Euro. Dies ist die erste Tranche des Corona-Zuschusses, den der Freistaat Sachsen der Stadt Meißen zum Ausgleich von Einnahme-Ausfällen gewährt. Außerdem kündigte er die Auflösung von Rücklagen an, was der Stadt eine zusätzliche Liquidität in Höhe von etwa 630.000 Euro verschafft.

Damit sorgt die Stadt auch für den Fall vor, dass weitere städtische Gesellschaften Ausfälle infolge der Corona-Pandemie zu beklagen haben, die sie nicht aus eigener Kraft kompensieren können. Und: Derzeit ist nicht abzusehen, welchen Verlauf die Pandemie in den nächsten Wochen und Monaten nimmt.

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