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Wer war Amalie Dietrich?

Die Siebenlehner sind stolz auf ihre berühmte Australienforscherin. Im Jubiläumsjahr wird über sie online diskutiert und gefeiert.

"Amalie Dietrich" alias Gisela Berszick wird am 26. Mai 200 Jahre alt. Dietmar Lippert, Organisator des Jubiläumsjahres, gratuliert der berühmten Siebenlehner Naturforscherin.
"Amalie Dietrich" alias Gisela Berszick wird am 26. Mai 200 Jahre alt. Dietmar Lippert, Organisator des Jubiläumsjahres, gratuliert der berühmten Siebenlehner Naturforscherin. © Uta Büttner

Siebenlehn. Es sollte eine ganz große Festveranstaltung werden – anlässlich des 200. Geburtstages von Siebenlehns berühmter Tochter Amalie Dietrich am Mittwoch, 26. Mai. Als Frau erlangte sie im 19. Jahrhundert Ruhm in der Wissenschaft, zur damaligen Zeit einer Männerdomäne. Zu ihrer Jubiläumsfeier wird die Natur- und Australienforscherin selbst anwesend sein, gespielt von Gisela Berszick. „Es ist mir eine Ehre“, sagt die Siebenlehnerin, die als Kindergärtnerin 45 Jahre eng mit der Geschichte der mutigen Frau verbunden ist.

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Angesagt hatten sich unter anderem der australische Botschafter Philip Green und der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer. Zudem wollten Nachfahren von Dietrich aus dem Bischoff- und dem Askegaard-Zweig aus Dänemark dabei sein. „Einige Siebenlehner pflegen eine enge Beziehung, insbesondere zum dänischen Teil der Familie“, sagt Matthias Lütkemeier, Vorsitzender des Schulfördervereins Siebenlehn.

Matthias Lütkemeier, Vorsitzender des Schulförderverein Siebenlehn, kann die Gäste zum Festakt des 200. Geburtstages von Amalie Dietrich nur online empfangen.
Matthias Lütkemeier, Vorsitzender des Schulförderverein Siebenlehn, kann die Gäste zum Festakt des 200. Geburtstages von Amalie Dietrich nur online empfangen. © Uta Büttner

Die Feier in Siebenlehn kann wegen der Corona-Pandemie nicht wie geplant stattfinden. „Das ist sehr schade wegen der vielen Arbeit im Vorfeld. Insbesondere von Dietmar Lippert, der zwei Jahre das Fest vorbereitete. Und nicht zu vergessen, die unzähligen Helfer und Sponsoren“, sagt Lütkemeier. Dennoch, online soll der Tag trotzdem begangen werden.

Auch war eine Podiumsdiskussion mit Vertretern aus der Wissenschaft geplant. Denn in den vergangenen Jahrzehnten war der Ruf Amalie Dietrichs ins Wanken geraten. Insbesondere durch die Veröffentlichungen des Hamburger Evolutionsbiologen Matthias Glaubrecht, der den Begriff „Todesengel der Aborigines“ prägte. „Inzwischen sieht er es ein wenig anders, aufgrund neuer Erkenntnisse. Er hätte auch die Laudatio gehalten“, sagt Lütkemeier. Zudem war auch die australische Historikerin Ray Sumner angekündigt. „Sie war bestrebt, die Mordvorwürfe zu widerlegen.“

Statt auf dem Podium im Internet: Eine Diskussion über Dietrichs Leben und Schaffen

Der Schulförderverein selbst beschäftigt sich laut Lütkemeier auch mit der Frage, wie Amalie Dietrich plötzlich in die erste Reihe in der Öffentlichkeit gerückt wurde, und als Sündenbock gemacht wird, für die Tausenden von Knochen, die in Museen liegen und von anderen Forschern zusammengetragen wurden. „Wir wollen herausarbeiten, wie der richtige Umgang mit Amalie Dietrich ist. Ob es nur nach unseren moralischen Vorstellungen von heute verwerflich ist, und es damals akzeptiert war? Ist es gerechtfertigt, eine Lebensleistung nach heutigen Maßstäben zu beurteilen?“

All diese Fragen werden nun in einer Online-Konferenz diskutiert. Ebenfalls dabei, Birgit Scheps-Bretschneider vom Grassi Museum für Völkerkunde zu Leipzig. „Sie ist in Deutschland die anerkannte Amalie-Dietrich-Kennerin“, sagt Dietmar Lippert. Auch der australische Professor Paul Turnbull – heute im Ruhestand –, der sich mit den Motiven der damals reisenden Forscher beschäftigte, wird der Diskussionsrunde beiwohnen. Komplettiert wird der Austausch durch zwei junge Wissenschaftlerinnen, die aus sozial-psychologischer Sicht das Wirken Amalie Dietrichs untersuchen.

In ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, lernte die naturinteressierte Amalie Dietrich von ihrem Mann, dem Botaniker Wilhelm Dietrich, die Grundbegriffe der Botanik. Die Arbeit als Botanikerin stand bei ihr an erster Stelle. Selbst ihre Tochter Charitas musste zurückstecken. Während ihrer Reisen gab Dietrich sie zu Pflegeeltern.

Dietrich begann zunächst mit Reisen größtenteils zu Fuß durch Europa, sammelte und präparierte Pflanzen. Knüpfte viele Kontakte, machte sich einen Namen. Später gelang es ihr, den Hamburger Reeder Cesar Godeffroy, der ein Museum für Natur- und Völkerkunde der Südsee plante, von ihrer Arbeit zu überzeugen. So schickte er sie 1863 mit einem Forschungsauftrag für zehn Jahre nach Australien.

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Zwar kann die Festveranstaltung nicht wie erhofft stattfinden. Doch das Jubiläumsjahr ist noch lange nicht beendet. So stehen unter anderem in den nächsten Monaten Konzerte, Workshops und eine Theatervorstellung auf dem Programm. Für das Bühnenstück bildet das in DDR-Zeiten entstandene Drehbuch für einen zweiteiligen Film über Dietrich die Grundlage. Darin wird der Konflikt zwischen der Naturforscherin und ihrer Tochter Charitas dargestellt.

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