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Mehr Geld für die Johanneskirche

Die Stadt stockt ihren Anteil zur Finanzierung der Bauarbeiten am Gebäude auf. Das sorgte für eine heftige Debatte im Stadtrat.

Zu den Sanierungsarbeiten in Innern der Johanneskirche gehört auch die Restaurierung eines vom Karl-May-Illustrator Sascha Schneider geschaffenen Freskos.
Zu den Sanierungsarbeiten in Innern der Johanneskirche gehört auch die Restaurierung eines vom Karl-May-Illustrator Sascha Schneider geschaffenen Freskos. © Claudia Hübschmann

Meißen. „Jesus war bescheiden.“ Mit diesen Worten begründete Stadtrat Oliver Eggert (AfD), warum er das Geld lieber bei Kindern investiert sähe. Zur Debatte standen knapp 85.000 Euro – um diese Summe soll sich der städtische Zuschuss für die Sanierung der Johanneskirche erhöhen.

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Der Chef der Linken-Stadtratsfraktion Tilo Hellmann wies darauf hin, dass die Stadt bereits 274.000 Euro zur finanziellen Unterstützung für das Bauvorhaben zugesagt hat. Die nun in Rede stehenden 85.000 Euro würden die Großzügigkeit der Stadt „überreizen“. Zuvor hatte Fraktionskollege Ingolf Brumm gesagt, dass im Stadtrat in wenigen Wochen wieder die Elternbeiträge für die Kitas in der Stadt zur Debatte stehen. Vor diesem Hintergrund könne er den Eltern nicht vermitteln, warum die Stadt 85.000 Euro für die Ausgestaltung einer Kirche ausgibt.

Das waren schon heftige Geschütze, die während der Debatte der jüngsten Stadtratssitzung aufgefahren wurden. Entzündet hatte sie sich an einem Beschlussantrag, mit dem das Bauverwaltungsamt auf gestiegene Kosten bei der Sanierung des Gotteshauses im Stadtteil Cölln reagiert. Gegenüber dem vor drei Jahren vom Stadtrat abgesegneten Förderrahmen von rund 2,7 Millionen Euro seien bislang fast 3,6 Millionen Euro zu veranschlagen, um alle Arbeiten in den vier geplanten Bauabschnitten erledigen zu können.

Nachdem das Dach der Kirche saniert ist, wurden in einem zweiten Bauabschnitt Gestühl, Fußboden, Beleuchtung und Elektroanlage erneuert. Diese Arbeiten sind weitgehend abgeschlossen. Noch in diesem Jahr sollen Arbeiten an der Fassade, den Eingängen beginnen. Innerhalb des dritten Bauabschnittes sollen die Bleiglasfenster restauriert und die Außenbeleuchtung für das Wahrzeichen von Cölln erneuert werden. Im vierten und letzten Bauabschnitt sind dann ab 2023 Arbeiten an den Außenanlagen sowie zur Schaffung eines barrierefreien Zugangs in die Kirche vorgesehen.

Die Bauarbeiten zur Sanierung und Modernisierung der Johanneskirche werden sich bis ins Jahr 2023 erstrecken.
Die Bauarbeiten zur Sanierung und Modernisierung der Johanneskirche werden sich bis ins Jahr 2023 erstrecken. © Claudia Hübschmann

Überraschungen auf der Baustelle

Die jetzt absehbaren und von den Förderbehörden geprüften und genehmigten Mehrkosten seien vor allem Preissteigerungen sowie dem höheren Sanierungsumfang bei den Dacharbeiten geschuldet, was außerdem längere Stellzeiten für die Gerüste zur Folge hatte, erklärte Viola Rotenberg zur Begründung des Antrages.

Im zweiten Bauabschnitt hatte es zudem Überraschungen gegeben. Im Fußbodenaufbau entdeckte Chemikalien hatten zur Folge, dass der Fußboden im gesamten Kirchenschiff entfernt und entsorgt werden musste. In der Sakristei kamen beim Aufnehmen des Fußbodenaufbaus stark korrodierte Stahlträger zum Vorschein, die im Vorfeld nicht erkennbar waren. Teurer als ursprünglich geplant wurden auch die Putz- und Malerarbeiten an den Gewölbeflächen, da deren Beschaffenheit erst nach Errichten des Innengerüstes von Nahem erkennbar war.

Warum so viel Geld für die Johanneskirche? Auf diese rhetorisch gemeinte Frage nannte Kirchenvorstand Christoph Voigt drei Antworten: Der neugotische Bau ist außergewöhnlich schön und zeugt von hoher Handwerksqualität. Für die künstlerische Bedeutsamkeit, die er als zweite Antwort anführte, sprechen, der jetzt sanierte Triumphbogen, Kanzel, Altar und einzigartige Glasfenster. Schließlich ist die Kirche offen für alle, was sich nur nicht bei großen Konzerten in der mit 700 Plätzen größten Kirche der Stadt zeigt. Ab August, wenn die Gerüste im Innern weg sind, soll es wieder Konzerte geben. Der Kirchenvorstand kündigte auch an, dass die Johanneskirche nach dem Abschluss aller Bauarbeiten – dank des Engagements ehrenamtlicher Aufsichter – von April bis Oktober verlässlich geöffnet sein wird und dass sie im Juli offiziell auch als Radwege-Kirche öffentlich zugelassen ist.

Die Stadt steuert nur zehn Prozent bei

Da das Projekt aus einem Bund-Länder-Programm gefördert wird, teilen sich Bund, Freistaat Sachsen und Kommune die Kosten zu je einem Drittel. Zudem ist geregelt, dass sich die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens den Großteil des städtischen Anteils übernimmt – demzufolge muss die Stadt lediglich einen zehnprozentigen Eigenanteil beisteuern. Das gilt auch für den Nachschlag: Von den rund 850.000 Euro anfallenden Mehrkosten müssen 85.000 Euro aus dem städtischen Haushalt zugeschossen werden, wie Viola Rotenberg erläuterte.

So entspricht es den Förderrichtlinien, entgegnete sie Tilo Hellmann. Der Linken-Stadtrat hatte vorgeschlagen, die mit der Kirche geschlossene Vereinbarung so anzupassen, dass sie den kommunalen Anteil vollständig übernimmt. Förderrechtlich sei dies ebenso wenig möglich wie das Umnutzen von Fördergeldern, fügte sie hinzu.

Wie Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos) hatte auch Karsten Müller von der CDU/Freie Bürger/FDP/U.L.M.-Großfraktion davor gewarnt, Zuschüsse zu Sanierungsvorhaben gegen Elternbeiträge in Kindereinrichtungen aufzurechnen. Mit dem Hinweis darauf, dass man nicht Äpfel mit Birnen vergleichen könne, wandte er sich gegen die eingangs zitierten Äußerungen von Stadträten der AfD und Linken.

Ute Czeschka von der gemeinsamen Fraktion der Bürger für Meißen-Initiative und SPD nannte die Johanneskirche ein Stadtteilzentrum von Cölln, deshalb habe sie große Bedeutung im sozialen Gefüge – und deshalb sei das Geld hier gut investiert. Oliver Morof von der Großfraktion forderte die Stadtratskollegen auf, dem Highlight von Cölln das für die weitere Sanierung notwendige Geld nicht vorzuenthalten. Außerdem leben in diesem Stadtteil viel mehr Menschen als in der Altstadt.

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Etwa 3.500 Bürger der Stadt sind Mitglieder der evangelischen Kirche. Mit ihren Kirchensteuern, Spenden sowie mit dem von ihnen gesammelten Kirchgeld haben diese Menschen dazu beigetragen, dass die Johanneskirche saniert und modernisiert werden kann. „Das verdient Unterstützung“, appellierte der Stadtrat der Großfraktion und frühere Superintendent Andreas Stempel an die anwesenden Stadträte.

Letztlich fand der Beschluss und damit der höhere Zuschuss eine Mehrheit: 15 Stadträte votierten dafür, neun dagegen, und eine Stimmenthaltung wurde gezählt.

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