merken
PLUS Meißen

"Ohne Sachkenntnis entschieden"

Der Elbetierpark Hebelei hat so wenige Besucher wie seit zwölf Jahren nicht mehr. Der Betreiber kritisiert die Landesregierung.

Ende Oktober hoffte Tierparkbetreiber Sven Näther noch auf einen "goldenen November". Doch dann kam die erneute Schließung.
Ende Oktober hoffte Tierparkbetreiber Sven Näther noch auf einen "goldenen November". Doch dann kam die erneute Schließung. © privat

Diera-Zehren. Betreiber Sven Näther befindet sich seit Jahren mit dem Elbetierpark Hebelei im Überlebenskampf. Corona hat die Situation in diesem Jahr noch einmal extrem verschärft. Bereits im Frühjahr musste der Tierpark mehrere Wochen schließen. Und nun ist wieder im gesamten November dicht. Wie es danach weitergeht, ist ungewiss.

Die Folge: Der Tierpark hatte in diesem Jahr so wenige Besucher wie seit 2011 nicht mehr. Schon im vergangenen Jahr kamen durch eine monatelang bestehende Baustelle nur 17.593 Besucher. In diesem Jahr sind es gerade mal 11.344. Durch die Corona-Pandemie und die deswegen verhängten Maßnahmen sowie den monatelangen Ausfall der Elbfähre haben wir nur halb so viele Gäste wie in normalen Jahren", so Sven Näther. Zum Vergleich: 2014 hatte der Tierpark fast 24.000 Besucher, 2017 kamen knapp 21.000 Gäste.

Anzeige
Dein Training beginnt nach Corona
Dein Training beginnt nach Corona

Kampf den Homeoffice-Polstern: Am 27. November gibt´s den BLACK FIT DAY mit besonderen Angeboten und Beratung in der fitbox Dresden Neustadt.

Die Eintrittsgelder sind die wichtigste Einnahmequelle für den Tierpark. Die fallen nun erneut weg. Ein Trost ist es, dass er 75 Prozent der Einnahmen aus dem November vorigen Jahres als Ausgleich erhalten soll. Doch das Geld zu beantragen, ist gar nicht so einfach. "Das Verfahren ist bürokratischer als im Frühjahr. Ich rufe täglich bei der Sächsischen Aufbaubank an. Doch niemand kann mir bisher sagen, wo und wie ich die Hilfsgelder beantragen kann. Dabei hatten die den ganzen Sommer Zeit, sich auf diese Situation vorzubereiten und festzulegen, wie die Gelder verteilt werden. Dass nichts passiert ist, verstehe ich nicht", sagt er.

Einsam ist auch Kater Kasimier im Elbetierpark Hebelei. Seit Anfang November ist der Tierpark erneut für mindestens vier Wochen geschlossen. Betreiber Sven Näther hat dafür kein Verständnis.
Einsam ist auch Kater Kasimier im Elbetierpark Hebelei. Seit Anfang November ist der Tierpark erneut für mindestens vier Wochen geschlossen. Betreiber Sven Näther hat dafür kein Verständnis. © privat

"So meistern wir die Krise nicht"

Sven Näther hat kein Verständnis, dass ausgerechnet die weitläufigen Tiergärten, die sich ja im Freien befinden und auf die Fläche gesehen relativ wenige Besucher haben, geschlossen werden müssen, während sich beispielsweise in Bussen und Bahnen die Menschen dicht an dicht drängen. "Wir können die Entscheidung nicht verstehen. Die Landesregierung hat in den Sommermonaten auch keinen Plan geschmiedet, wie sie Tiergärten und anderen helfen möchte", sagt er.

Die Entscheidung sei aufgrund geringer Besucherzahlen völlig unverhältnismäßig vom Schreibtisch ohne Sachkenntnis entschieden worden. "Frische Luft ist die beste Medizin gegen das Virus und die psychische Belastung, der die Menschen gerade ausgeliefert sind. Alle Tiergärten haben Hygienekonzepte. Darüber hinaus kann in einem Tierpark, Botanischen Garten und so weiter viel besser auf die Einhaltung der Regeln geachtet, gesteuert, reguliert und Präventivmaßnahmen wie Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt werden als beispielsweise in einem öffentlichen Park", sagt er.

Tiergärten seien Orte der Bildung, Erholung, des Naturschutzes und der Forschung. "Insbesondere die beiden ersten Punkte sind wichtige Grundbedürfnisse, auch in einer Pandemie. Deshalb sollten Tiergärten geöffnet bleiben", so der Betreiber. Sein Fazit: "Die Politik hat auf allen Ebenen versagt."

Der Verkauf von Eintrittskarten sei die einzige Möglichkeit, den Betrieb aufrecht zu erhalten. "Wir können die Tiere nicht in das Homeoffice schicken. Die möchten einfach weiter ihr Futter haben. Dieses reicht nur noch für knapp zwei Wochen, dann ist Schluss, sodass der Elbe-Tier-Park Hebelei wieder auf Hilfe von außen angewiesen ist."

Er sieht auch eine Wettbewerbsverzerrung. Unverständlich ist für ihn, dass in Sachsen-Anhalt, Thüringen, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und dem Saarland Tiergärten offen bleiben. Dies führe dazu, dass Besucher die ja eigentlich laut der mahnenden Worte aus der Politik möglichst zu Hause bleiben sollten, in die Ferne gelockt würden anstatt in ihrem heimischen Tiergarten frische Luft und Energie zu tanken. So meistern wir die angeblich größte Krise seit dem Zweiten Weltkrieg definitiv nicht ", sagt er.

Hoffen auf die Gemeinde

Große Hoffnungen setzt Sven Näther nun auf die Gemeinde Diera-Zehren. Schon im Sommer hatte sich der Gemeinderat mit der Situation im Tierpark beschäftigt. Ziel ist es, dem Tierpark unabhängig von Corona dauerhaft zu helfen. Im September hat Näther in nicht-öffentlicher Sitzung die finanzielle Situation ausführlich dargelegt. Eine Entscheidung gibt es bis jetzt noch nicht, aber einen Hoffnungsschimmer. In der kommenden Woche soll es ein Gespräch mit Bürgermeisterin Carola Balk (parteilos) geben. Dabei soll es um eine mögliche Beteiligung der Gemeinde an den Futterkosten gehen. Sven Näther ist zuversichtlich: "Die Bürgermeisterin hat sich in letzter Zeit intensiv mit dem Tierpark beschäftigt und Hilfe signalisiert."

Weiterführende Artikel

Elbetierpark vor dem Aus

Elbetierpark vor dem Aus

Das Tierfutter reicht gerade mal noch für zwölf Tage. Jetzt bricht auch noch eine wichtige Einnahmequelle weg.

Um wenigstens ein paar wenige Einnahmen zu haben, hält Sven Näther sonnabends von 12 bis 16 Uhr und sonntags von 10 bis 16 Uhr den Imbisspavillon offen, hofft auf Wanderer und Radtouristen. Und auch weiter auf Spenden. "Ich merke aber, dass die Leute coronamüde sind. Auch die Spendenbereitschaft ist dadurch zurückgegangen", sagt er.

Mehr lokale Nachrichten aus Meißen lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Riesa lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Meißen