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CDU will Sebastian Fischer im Bundestag

Der Priestewitzer kann sich am Donnerstagabend in Großenhain deutlich gegen Mitbewerber Andreas Jahn durchsetzen.

Na, war doch ein fairer Kampf. Sebastian Fischer (r.) gewinnt die Abstimmung der Meißner CDU für die Nominierung als Bundestagsdirektkandidat in Großenhain gegen Andreas Jahn.
Na, war doch ein fairer Kampf. Sebastian Fischer (r.) gewinnt die Abstimmung der Meißner CDU für die Nominierung als Bundestagsdirektkandidat in Großenhain gegen Andreas Jahn. © Kristin Richter

Großenhain. Die Wahl fiel am Ende sehr eindeutig aus. Der 39-jährige Sebastian Fischer ist in der Großenhainer Remontehalle am Donnerstagabend mit einer Mehrheit von 109 Stimmen zum Bundestagskandidaten der CDU im Wahlkreis Meißen gewählt worden. Auf den zweiten Bewerber Andreas Jahn aus Berlin entfielen 71 Stimmen.

Fischer hatte die Christdemokraten im Saal zuvor mit einer klar strukturierten, vielfältigen und inhaltsstarken sowie sehr konkreten Rede für sich gewonnen, so sie sich nicht bereits für ihn entschieden hatten. Als sein Ziel benannte er, an die Arbeit von Thomas de Maizière anschließen und diese mit dessen Bodenhaftung und großem Engagement fortführen zu wollen. Der Landkreis Meißen sei besser als sein bundesweiter Ruf.

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Fischer kündigte an, sich in Berlin für den Dialog mit Russland stark machen. Die Energiewende müsse gerade angesichts energieintensiver Unternehmen im Kreis mit Fingerspitzengefühl geschehen. Als einen weiteren Schwerpunkt benannte er den Einsatz für eine verbesserte Verkehrsinfrastruktur sowohl auf der Straße als auch der Schiene. Extremisten jeglicher Richtung, egal ob politisch oder religiös motiviert, dürfe kein Raum gegeben werden. In Bezug auf die Pandemie warb Fischer für eine Intensivierung der Impfkampagne. Für den anstehenden Wahlkampf kündigte er an, vor allem die enge Kooperation mit den CDU-Verbänden vor Ort zu suchen und stark auf Soziale Netzwerke zu setzen.

Zu den ersten Gratulanten zählten der scheidende Meißner Bundestagsabgeordnete Thomas de Maizière sowie der Generalsekretär der sächsischen Union Alexander Dierks. Beide hatten in ihren kurzen Reden zu Anfang den Anwesenden mit sehr eindringlichen Statements vor Augen geführt, dass sie ihre Wahl in einer angesichts der Pandemie und aktuellen Korruptionsaffäre sehr schwierigen Situation für die CDU zu treffen hätten. "Einigkeit und Recht und Freiheit", zitierte de Maizière eine Zeile der deutschen Nationalhymne. Vor allem auf Einigkeit käme es jetzt an. Dierks appelliert an die Christdemokraten, das Abstimmungsergebnis – wie immer es auch ausfalle – zu akzeptieren und anschließend mitzutragen.

Thomas de Maizière hat den Weg freigemacht

Der 39-jährige Sebastian Fischer tritt nun in beachtliche Fußstapfen. CDU-Spitzenmann Thomas de Maizière hat den Wahlkreis Meißen, welcher mit dem Landkreis identisch ist, seit 2009 über drei Legislaturperioden im Bundestag vertreten. Sein bestes Ergebnis erzielte der frühere Verteidigungs- und Innenminister 2013 mit 53,6 Prozent. 2017 allerdings reichte es mit 36,1 Prozent der Erststimmen nur knapp für ein Direktmandat. Dank seines großen Einflusses in Berlin konnte der Christdemokrat auf Bundesebene viel für den Kreis und seine Städte sowie Gemeinden erreichen.

Möchte nicht mehr um ein Bundestagsmandat kämpfen: CDU-Spitzenmann Thomas de Maizière im Mai 2020 bei einem Besuch der Elblandkliniken, um sich über die Lage bei der Bekämpfung der Pandemie zu informieren.
Möchte nicht mehr um ein Bundestagsmandat kämpfen: CDU-Spitzenmann Thomas de Maizière im Mai 2020 bei einem Besuch der Elblandkliniken, um sich über die Lage bei der Bekämpfung der Pandemie zu informieren. © Claudia Hübschmann

Im Mai vergangenen Jahres hatte de Maizière jedoch für viele überraschend angekündigt, nicht noch einmal antreten zu wollen. Er habe es sich nicht leicht gemacht mit diesem Entschluss, sich mit seiner Frau Martina beraten. Obwohl viele politische Freunde ihn gebeten hätten, erneut zu kandidieren, wolle er Platz machen für einen Jüngeren, sagte der heute 67-Jährige damals gegenüber Sächsische.de und SZ.

Der erste Versuch einer Nachfolger-Wahl im Januar ging gründlich schief. Auf dem Höhepunkt der Pandemie beharrte Sebastian Fischer auf einen Präsenzparteitag, musste ihn dann aber nach vielen Protesten und großem Medienrummel dann doch absagen. Eine innerparteiliche Opposition forderte sogar seinen Rücktritt als Kreischef. Inzwischen gelang es ihm, einigermaßen Frieden in den eigenen Reihen herzustellen.

Der zweite Versuch glückte. Mit Sebastian Fischer und Andreas Jahn standen sich am Donnerstagabend zwei vom Werdegang her unterschiedliche Christdemokraten gegenüber. Für den Priestewitzer Fischer bildete der Auftritt in der Großenhainer Remontehalle ein Heimspiel. Seit 2019 führt der gelernte Koch den Kreisverband der Meißner CDU. Zehn Jahre lang vertrat der frühere JU-Kreischef den Großenhainer Wahlkreis im Landtag, ehe er 2019 gegen den AfD-Politiker Mario Beger verlor. Nachdem Fischer auch bei der Wahl des CDU-Landratskandidaten im Frühjahr 2020 gegen Ralf Hänsel (parteilos) den Kürzeren zog, sah er in der Bundestagskandidatur wieder eine Chance für sich.

Von seiner politischen Einstellung her wird der 39-Jährige eher dem konservativen, traditionsbewussten und heimatverbundenen Flügel der sächsischen Christdemokratie zugerechnet. Seine Reden sind zumeist sehr direkt und enthalten nicht selten patriotische bis pathetische Passagen. Als Landtagspolitiker leistete er Graswurzelarbeit und beackerte intensiv seinen Wahlkreis. Es gab kaum ein Vereinsfest, auf dem er nicht zugegen war.

Blick in den Saal der Großenhainer Remontehalle: 185 stimmberechtigte CDU-Mitglieder des Landkreises Meißen waren am Donnerstagabend gekommen. Foto: Kristin Richter
Blick in den Saal der Großenhainer Remontehalle: 185 stimmberechtigte CDU-Mitglieder des Landkreises Meißen waren am Donnerstagabend gekommen. Foto: Kristin Richter © Kristin Richter

Die Kandidatur von Andreas Jahn kam dagegen für viele CDU-Mitglieder überraschend. Parteifreunde aus dem CDU-Stadtvorstand in Riesa hätten ihn dazu ermutigt, so der 48-Jährige in einem Gespräch mit der SZ. Er habe als Wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Thüringer CDU-Bundestagsabgeordneten Johannes Selle seit elf Jahren wertvolle Erfahrungen zur Arbeit eines Abgeordneten des Deutschen Bundestages sammeln können. Aufgewachsen ist er in Wülknitz und machte in Riesa sein Abitur. Beim Bundesverband mittelständische Wirtschaft ist Jahn aktuell in der Geschäftsleitung für die Bereiche Politik und Außenwirtschaft zuständig. Vom Profil her bezeichnet er sich selbst als konservativen Pragmatiker und Brückenbauer, als Netzwerker, der zuhört und der Menschen zusammenführt.

SPD und AfD haben sich bereits festgelegt

Im anstehenden Wettbewerb um das Meißner Direktmandat für einen Sitz im Bundestag, welcher am 26. September gewählt wird, stehen bereits zwei Konkurrenten für Fischer fest. Mit den Themen Kinderarmut, Demokratie und Sozialstaat will Susann Rüthrich (43) für die SPD ein Mandat erringen. Die Klipphausenerin erhielt von den SPD-Mitgliedern des Kreises auf einer Vollversammlung im September 2020 in Dresden 100 Prozent der Stimmen. „Ich werde mit Olaf Scholz und allen anderen Sozialdemokraten an einer respektvollen Gesellschaft und friedlichen Zukunft arbeiten", kündigte sie an. 2013 war sie erstmals über die sächsische Landesliste in das Parlament eingezogen.

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Auch der zweite Mitbewerber ist eine Frau. Zur Wahl der Bibliothekarin Barbara Lenk im Oktober vergangenen Jahres in Thiendorf bei Großenhain waren mehrere Wahlgänge nötig. Einige Aspiranten warfen den Hut in den Ring. Knapp 90 Besucher konnten entscheiden. „Mit Barbara Lenk haben wir eine Kandidatin, die in sich ruht und die Fähigkeiten besitzt, sich bei einem solchen Ausscheid gegen die Mitbewerber durchzusetzen“, kommentierte der Meißner AfD-Landtagsparlamentarier Thomas Kirste 2020 das Ergebnis.

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