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Der Sacharbeiter von der AfD

Thomas Kirste rechnet sich für die Wahl am Sonntag durchaus Chancen aus. Bei einem zweiten Wahlgang geht er von einem ähnlichen Szenario wie in Görlitz aus.

AfD-Bewerber Thomas Kirste spricht bei einem Wahlkampfauftritt in Riesa.
AfD-Bewerber Thomas Kirste spricht bei einem Wahlkampfauftritt in Riesa. © Sebastian Schultz

Meißen. Nein, der Besucher hat sich nicht in der Tür geirrt. Bei dem schmalen Zimmer handelt es sich tatsächlich um das Büro des Meißner AfD-Landtagsabgeordneten Thomas Kirste. Ein großer Schreibtisch - weitgehend leer - dominiert den Raum. Ein paar Gesetzestexte stehen herum. 

Im Fenster hängt eine schwarz-rot-goldene Fahne. Sonst präsentiert sich das Zimmer schmucklos. Es fehlen zackige Parolen oder freche Sprüche, wie man sie vielleicht den Klischees folgend von einem jungen und dynamischen Politiker der Alternative für Deutschland erwarten würde. Hier wird malocht und kein Show-Programm inszeniert, könnte die Botschaft der spartanischen Einrichtung lauten. Der Nutzer des Büros wirkt dementsprechend eher wie ein Sachbearbeiter, nicht wie ein politischer Brandstifter.

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Werben für das Kornhaus als Welterbe-Zentrum

Thema des Treffens im sachlichen Altbau des Landtages sind die jüngsten Initiativen des Parlamentariers. Nein, es geht auch dabei nicht um die gewalttätigen Randale linksextremer Chaoten im Leipziger Stadtteil Connewitz oder den Kampf gegen die Windkraft. Kirste setzt zumeist auf praktische, bodenständige Initiativen. Polemik nutzt er eher selten.

Beispielhaft für diese Strategie ist sein Kampf für einen Verbleib der sächsischen Lehrerfortbildung im Meißner Schloss Siebeneichen und den Kauf des Kornhauses neben der Albrechtsburg durch den Freistaat. Mit Kleinen Anfragen an die Staatsregierung hat er sich und der Öffentlichkeit in beiden Fällen zunächst einen aktuellen Wissensstand verschafft. Anschließend machte er Druck und versuchte Netzwerke zu bilden, um seinen Wünschen Gehör zu verschaffen.

Auch auf seine Initiative hin wird derzeit an einem Brief gefeilt, mit dem das Meißner Rathaus und die Stadträte das Land Sachsen darum bitte wollen, das Kornhaus von der untätigen privaten Besitzgesellschaft zu erwerben, um Raum für ein Welterbe-Zentrum zu schaffen. Meißen bereitet derzeit eine neue Bewerbung vor, um im zweiten Anlauf doch noch den begehrten Unesco-Titel verliehen zu bekommen.

Eng mit Meißen verflochten

Gefragt nach den Motiven für diese Schwerpunkte verweist der 43-Jährige gern auf die starke Verbundenheit seiner Familie mit Meißen und seiner Heimat. Der Handwerkertradition folgend habe er eine Lehre absolviert, erst späterhin das Abitur gemacht und Betriebswirtschaft studiert. Zu den beruflichen Stationen zählten die Sächsische Aufbaubank und die Wirtschaftsförderung Brandenburg sowie die Hochschule Mittweida. Dort war Kirste in einem Institut für den Technologietransfer zuständig. Besonders gut kennt er sich mit EU-Fördermittelprogrammen aus.

Das Bewahren der Heimat, das Festhalten am Althergebrachten, der Schutz überkommener Werte liegen dem AfD-Mann eigenen Worten zufolge besonders am Herzen. Schon als Leiter des Ortskuratoriums Meißen der Deutschen Stiftung Denkmalschutz setzte er sich in dieser Richtung ein. Sein politischer Standpunkt ist eigenem Bekunden zufolge eher ein bürgerlicher. Extremistische Tendenzen in der eigenen Partei sehe er mit Argwohn. Vielleicht hätte der Meißner unter einem nationalkonservativen CDU-Granden wie Alfred Dregger eine Heimat bei den Christdemokraten gefunden. Doch in den letzten zwei Jahrzehnten ist zumindest die Bundes-CDU in seinen Augen deutlich nach links gerückt.

Bei Anti-Corona-Protesten vorn mit dabei

Die Unauffälligkeit nach außen hin, der bewusste Verzicht auf scharfe Rhetorik in der Öffentlichkeit wird Kirste dabei nicht von allen Beobachtern abgenommen. Im Vorfeld seiner Wahl zum Landtagskandidaten im Wahlkreis Meißen gab es warnende Stimmen einiger älterer AfD-Mitglieder und Sympathisanten. Von einem Wolf im Schafspelz war da die Rede, der sich intern viel radikaler gebe und mit der Stadtratsfraktion einen Haufen unkritischer Getreuer um sich geschart habe.

Ob etwas an diesem Verdacht dran sein könnte, lässt sich schwer ermitteln. Mitunter spielt Kirste durchaus typische AfD-Karten aus. Als im Frühjahr eine gemischte Gesellschaft von Bürgern aus Meißen und dem Umland montagabends gegen die Corona-Auflagen protestierte, war der Meißner Landtagsabgeordnete schnell ganz vorn mit dabei. Wenig später polterte er, die Maskenpflicht belaste die Gewerbetreibenden und der Freistaat lasse diese allein. Aktuell spricht er sich gegen das Briefwahlverfahren zum Urnengang am Sonntag aus. Zur Begründung verweist er auf eine Verwechslungsgeschichte zwischen der AfD und einer Partei namens Alfa zur Landtagswahl 2016 in Sachsen-Anhalt. Dies klingt insofern unglaubhaft, da es beim Wahlgang am Sonntag wohl kaum zu einer Verwechslung zwischen den drei Kandidaten Elke Siebert (für Bündnisgrüne, SPD und Linkspartei), Ralf Hänsel (für die CDU) und Thomas Kirste (AfD) kommen dürfte.

Respekt vor der Leistung von Arndt Steinbach

Chancen bei der Wahl am Sonntag rechnet er sich dabei durchaus aus. Zur Landtagswahl 2019 konnte der Meißner aus dem Stand 34,2 Prozent der Direktstimmen holen. Er habe beruflich einen großen Wissensschatz an den verschiedenen Stationen seiner Karriere sammeln können, so der 43-Jährige. Hinzu kommen die Erfahrungen aus den letzten Jahren im sächsischen Landtag. Er gehe allerdings davon aus, dass es bei einem zweiten Wahlgang ähnlich wie bei der Bürgermeisterwahl in Görlitz zu einem Bündnis aller Parteien gegen die AfD kommen dürfte.

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